
Der Titel „Holography“ bezieht sich auf Möstls neue Lieblingstheorie in der Physik, die besagt, dass das Universum nur ein Hologramm ist. Diese Metapher auf die Lieder anzuwenden ist fast schon ein philosophisches Verfahren. Man könnte sich darauf einigen, dass in Mile Me Deaf Liedern einer längst vergangenen Zeit mit ihren weniger bekannten Persönlichkeiten, Sternchen und Anti-Helden gehuldigt wird. Diese hängen in den Köpfen fest wie Geister, die ja im weitesten so etwas wie Hologramme sind. Wenn man sich aber nicht von den erzwungenen Interpretationen ablenken lässt, hält man ein Album in den Händen, das vor musikalischer Gute-Laune nur so strotzt.
Dabei darf man nicht vergessen, dass Zugänglichkeit keine peinliche Eigenschaft von Mainstream-Pop ist. Es ist ein qualitatives Plus, das es vielen Menschen möglich macht, Musik genießen zu können. Deswegen kommt es auch sehr erfrischend rüber, dass Mile Me Deaf keine Angst vor Veränderungen in eine pop-igere Richtung hatten. Schon der Opener „Shiver“ geht sofort ins Ohr. Die Vocal-Melodie ist harmonisch und nur sanft mit Lo-Fi Effekten überlagert. Dazukommen fast ulkige, country-eske Elemente, die vor allem von der Gitarre und dem Schlagzeug performt werden. Erstere verliert sich zwischendurch in den gewohnt starken Riffen, während letzteres Pferdegetrappel zu imitieren scheint.

Ungewöhnlich ist auch „Motor Down“, aber nicht im Sinne von krassen Effekten, sondern im Sinne der Einzigartigkeit auf diesem Album. Schon am Anfang lässt sich der Song mit einem Gitarren-Intro à la The-Cure und Konsorten, Zeit um die Gänge zu kommen. Nach einer Minute setzen die ein wenig verzerrten Vocals ein, machen einen kleinen thematischen Abstecher in Richtung 90’s um wieder in den herrlichen Gitarren zu münden. Mit all den Ecken und Kanten ist dies nicht nur der beste Song des Albums, sondern markiert auch den Höhepunkt von „Holography“.
Zwar nimmt das nachfolgende „Gold Kid“ noch viel vom Schwung des Vorgängers mit, klingt aber ziemlich wie ein Abschluss. Die vier darauffolgenden Lieder sind weit entfernt von der Bezeichnung schlecht, nur halten sie nicht ein, was einem Track eins bis acht verheißen haben. Wenn eine Band sich nicht einfach nur verändert hat, sondern dies auch richtig gut gelungen ist, fällt es schon auf, wenn die alten Pfade betreten werden. Wie gesagt, die Songs keine schlechten, nur kann es Wolfgang Möstl definitiv auch besser. Trotzdem ist „Holography“ ein richtig gut gelungener Langspieler, der nicht nur mit den eingängigen Liedern, sondern auch mit der hervorragenden Produktion besticht.
Anne-Marie Darok