Krems (kpr). In der Wiener Klaviergalerie fand am 12. März die von Nora Bammer de Rodriguez konzipierte Music Business Lounge des Zentrums für Zeitgenössische Musik zum Thema „Musikjournalismus zwischen Soundcloud und Twitter“ statt. Es diskutierten Hanspeter Kuenzler, Musikjournalist (London/Zürich), Susi Ondrušová, Musikjournalistische Leiterin FM4 (Wien), Jonas Vogt, Chefredakteur Noisey (Wien). Moderation: Peter Cadera, GF Peter Cadera Music Consulting GmbH (Hamburg), musikalische Begleitung: Denise Schrenzer Quartett.
„Ende der 90er Jahre ist der Musikjournalismus gestorben“, war sich Hanspeter Kuenzler, Londoner Musikjournalist, sicher. Es scheiterte wie so oft am Geld: Es sei für freischaffende MusikjournalistInnen mittlerweile enorm schwierig geworden, Geld zu verdienen. So werden Blogs im Internet gern gelesen, bringen den JournalistInnen aber keine Einkünfte. „Ein neuer Weg ist noch nicht gefunden im Internetzeitalter“, so Kuenzler.
A&R Manager Peter Cadera moderierte die anschließende Diskussion der Music Business Lounge mit Susi Ondrušová, musikjournalistische Leiterin bei FM4, und Jonas Vogt, Chefredakteur Noisey und stellte die Frage, ob der Musikjournalismus die Hoheit über den Musikgeschmack verloren hätte? Ondrušová war der Meinung, im Radio sei Emotionalität sehr wichtig und etablierte MusikjournalistInnen würden nach wie vor große Anerkennung bei den Hörern und Hörerinnen genießen. Im Internet hingegen brauchen die LeserInnen den Musikjournalisten nicht mehr, auch nicht zur Empfehlung neuer Alben, war Jonas Vogt überzeugt, da Musikfans vielfältige Möglichkeiten offen stünden. Foren mit kuratierten Inhalten seien auch mehrfach im Internet zu finden. Allerdings seien AutorInnen oft wichtiger geworden als ihre Medien, die Mehrzahl der Medien hätte das Konzept des Blogs als „Ein-Personen-Medienunternehmen“ übernommen.
Jedes Genre im Musikjournalismus habe sich durch das Internet geändert. Jeder ist heute JournalistIn, allerdings durch oft unreflektierte Wiedergabe. Dadurch verliere der Musikjournalismus seinen Exklusivitätsstatus. Cadera vermisst als Leser die objektive Darstellungsweise und Anregung zum Diskurs durch JournalistInnen.
Musikfans bestimmen im Internet über Qualitätsnormen, andererseits nutzen RedakteurInnen Social Media Kanäle für die Einschätzung der aktuellen Vorlieben von Musikbegeisterten und beziehen diese beispielsweise in die Programmierung im Radio mit ein. Susi Ondrušová war der Meinung, dass die Bewerbung von Konzerten in Internetforen wirksam sei und auch dann funktioniere, wenn noch kein Album produziert worden sei.
Die Krise der Printmedien sei eine Krise der Verlage, so Jonas Vogt. Da das „Modell Printanzeige“ ausgelaufen sei, müssten neue Geschäftsmodelle entwickelt werden, welche alternative Angebote wie Konzerte oder Booking miteinbeziehen. „Künstler brauchen unsere Cover-Stories nicht mehr“, meinte Jonas Vogt, „im Businessplan stehen Soundcloud und Twitter mittlerweile vor den Printmedien“.
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