mica-Interview Agnes Milewski

Mit ihren bestechenden Liedern ist Agnès Milewski mittlerweile aus der heimischen Singer-/Songwriter-Szene nicht mehr wegzudenken. Ihr Debut-Album “Pretty Boys And Ugly Girls” sowie die dazu gehörige Tour haben im vergangenen Jahr die Lobeshymnen, die ihr aus Insider-Kreisen vorausgeeilt sind, mehr als bloß bestätigt. Heuer wurde die junge Musikerin zudem mit dem Austrian Newcomer Award ausgezeichnet.Das Interview führte Michael Masen.  

Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen?

Ich habe früh damit angefangen. Angeblich habe ich schon, bevor ich überhaupt sprechen konnte, meiner Oma immer stundenlang, beim Spazieren gehen, irgendwelche Sachen vorgesungen. So richtig mit dem Musik machen habe ich dann aber in der zweiten Klasse Volksschule begonnen, wo ich meinen ersten Keyboard-Unterricht hatte. Ich habe dann auch Klassische Gitarre gelernt und später, als Teenager, meine erste Band gegründet. Im Grunde genommen war die Musik also immer schon ein Teil von mir.

Wann ist dir dann die Idee gekommen bzw. der Wunsch entstanden, solo Musik zu machen, unabhängig von einer Band?

Relativ bald eigentlich. Ich habe in mehreren Bands gespielt – neben meiner Schulband gab es da noch eine Rockband, eine Jazzband und so weiter und so fort. Das hat aber alles irgendwie nicht geklappt, die Bands sind immer wieder auseinander gegangen und dann habe ich einfach begonnen, mein Solo-Ding durchzuziehen. Auch zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon viele Songs geschrieben und dann habe ich auch wieder mein Keyboard heraus gekramt und mir selbst Klavier spielen beigebracht.

In Folge habe ich damit angefangen, kleine Gigs zu spielen. Open Sessions gibt es ja in Wien recht viele und so hat sich das dann alles schön langsam aufgebaut. Dann habe ich meinen Geiger gefunden, Jonas Petersen, der bis heute sämtliche Streicher-Arrangements für meine Songs macht und nach und nach sind auch die restlichen Bandmitglieder dazu gekommen. Später habe ich noch meinen Produzenten und Bassisten, Michael Hecht, kennen gelernt und seitdem läuft und funktioniert alles so, wie es aktuell der Fall ist.

Wie kann man sich den Schaffensprozess bei dir vorstellen? Setzt du dich einfach hin, mit der Intention, jetzt einen Song zu schreiben, oder kommen die Ideen dafür einfach so nebenbei?

Das ist ganz unterschiedlich. Es ist aber eher selten so, dass ich mich mit dem Vorsatz hinsetze, jetzt einen Song zu schreiben. Meistens passiert das mehr spontan und ich habe auch nicht, wie vielleicht viele andere Künstler, ein bestimmtes Ritual, das ich dem Songwriting voran stelle. Es ist jeder Song ganz individuell entstanden, so wie auch alle künftigen meiner Songs individuell entstehen werden, und ich habe da keinen bestimmten Prozess oder gar ein Schema, das ich verfolge, wenn ich ein Lied schreibe. Meistens geschieht das einfach bloß irgendwie. Ich habe natürlich auch Ideen, denen ich nachgehe, aber das geschieht nicht auf dogmatische Weise.

Deine Texte schreibst du ja auf Englisch; war es von vornherein klar für dich, dass du in dieser Sprache komponieren und singen möchtest?

Ja, das war von vornherein klar. Ich weiß auch gar nicht, warum – ich habe einfach angefangen, zu schreiben und die Sprache, die aus mir raus gekommen ist, war eben interessanterweise Englisch, obwohl es nicht einmal meine Muttersprache ist. Es wäre vielleicht sogar naheliegender gewesen, wenn ich auf Polnisch geschrieben hätte, oder auf Deutsch, weil ich ja hier lebe. Nichtsdestotrotz habe ich dann aber doch Englisch bevorzugt, was vielleicht auch daran liegt, dass ich, sowohl als Kind als auch als Teenager, hauptsächlich englischsprachige Musik gehört habe. Englisch ist einfach eine schöne Sprache, in der ich mich gerne ausdrücke. Ich habe mittlerweile auch schon recht viele Freunde in den USA gefunden, die jetzt eben auch verstehen, was ich singe und das finde ich sehr wertvoll.

Deine Musik ist mittlerweile also auch schon weit über die Landesgrenzen hinweg bekannt.

Ich gebe mir zumindest Mühe, was aber natürlich nicht so einfach ist. Meine MySpace-Seite, auf die ich schon fast ein wenig stolz bin, vielleicht kennst du sie ja, ist im Moment sozusagen ein absoluter Selbstläufer. Und die meisten der “Friends” dort stammen aus den USA und ich glaube, den Amerikanern gefällt meine Musik ganz gut.

Letztes Jahr ist ja deine Debut-CD “Pretty Boys And Ugly Girls” erschienen; hast du dafür in Amerika einen eigenen Vertrieb oder machst du das alles selbst via Internet?

Das läuft alles online. Ich habe nicht wirklich die Möglichkeit, dort oft hinzufahren – tatsächlich war ich bis jetzt noch nie in den USA, aber das hole ich nächsten Sommer nach. Abgewickelt wird alles über CDBaby, einer Plattform für Indie-Musiker zum Online-Verkaufen, und das klappt auch ganz gut.

War es von Anfang an geplant, die CD selbst raus zu bringen, oder hast du schon auch bei Labels angefragt?

Das Label, auf dem ich mein Album veröffentlicht habe, ist nicht mein eigenes, sondern es gehört dem Fii, einem Beatboxer aus Österreich. Ich habe aber auch nicht so dezidiert nach einem Major gesucht, dem ich das jetzt reindrücken kann. Die Frage war vielmehr die, “was kann ein Major, das ich nicht auch selbst machen kann?”. Im Endeffekt, das was der Major hat, ich aber nicht, ist ein gewisser Bekanntheitsgrad und gute Vertriebsmöglichkeiten – aber das war’s dann auch schon wieder. Geld steckt ja mittlerweile noch nicht einmal ein Major in ein Produkt hinein, weswegen es meiner Meinung nach heutzutage völlig egal ist, wo du deine Musik platzierst.

Im Endeffekt kommt es darauf an, wie die Musik zu den Hörern kommt und irgendjemand muss die Arbeit ja sowieso machen – ich kann es jemandem geben, wo zwar ein großer Firmenname dahinter steht, die Leute aber vielleicht nicht ok sind, die das machen, bzw. diese vielleicht gar nichts machen, wie es oft der Fall ist, oder ich kann es eben gleich selbst erledigen, wo ich genau weiß, wie ich es haben will. Da ziehe ich jedenfalls die letztgenannte Variante vor.

 

 
Also bestehen auch keinerlei Ambitionen deinerseits, in Richtung größeres Label zu gehen?

Ich bin natürlich für alles offen. Wenn jetzt jemand daher kommt und mir ein tolles Angebot macht, dann denke ich natürlich darüber nach, aber bis jetzt war das noch nicht wirklich der Fall. Wie gesagt, das, was mir bisher untergekommen ist, an größeren Firmen, war nichts, wo ich mir gedacht hätte, dass das für mich passen könnte.

Du hast ja heuer auch den Austrian Newcomer Award gewonnen. Merkst du irgendwie schon, dass im Zuge dessen das Interesse an deiner Musik gestiegen ist? Also, einerseits auf Publikumsseite, aber auch etwa durch Anfragen von Labels?

Hinsichtlich des Publikums macht es sich vor allem im Ausland bemerkbar, in Österreich hingegen, ist es den Leuten, wie so vieles einfach egal. Hier hat es aber auch sehr wohl einige Spuren hinterlassen, bezüglich medialem Interesse vor allem, es klopfen aber auch Labels und Leute aus der Branche an, die sich für meine Musik interessieren. Von dem her war es jedenfalls ein Erfolg und außerdem habe ich zuvor in meinem Leben noch nie irgendetwas gewonnen, insofern ist es also schon sehr cool, so einen Preis jetzt zu Hause im Wohnzimmer stehen zu haben.

Du hast einmal gesagt, es sei schön, in Deutschland zu spielen, weil das Publikum dort viel aufmerksamer wäre, als in Österreich. Inwiefern macht sich das bemerkbar?

Du hast das ja sicher auch schon selbst beobachtet, wenn du öfter in Wien auf Konzerten bist. In Österreich stehen die Leute meistens relativ weit hinten, mit verschränkten Armen und schauen erst einmal, was da jetzt so passiert und eventuell, wenn es ihnen gefällt, kommen sie dann doch noch ein oder zwei Schritte nach vorne. In Deutschland, so habe ich die Erfahrung gemacht, hören die Leute irgendwie mehr zu, hören auf die Texte und sie gehen einfach viel mehr mit der Musik mit. Dort spielen wir generell aber auch sehr viel in Theatern oder Varietees, also Locations, die vielleicht doch etwas edler sind, als beispielsweise das B72 – nicht, dass es dort nicht gut wäre, aber Theater ist es halt keines.

In Deutschland kommt es mir vor, als ob die Musik für die Leute nicht so diese Hintergrundberieselung ist, sondern sie beim Hören einfach mehr mitdenken. Also, zumindest habe ich das Gefühl, dass das so ist. Nach den Konzerten sprechen wir ja natürlich auch mit den Leuten und da war es tatsächlich so, dass das Interesse an mir und der Musik größer ist – die fragen auch zu den Texten nach, etwa, was ich damit ausdrücken will, oder was sie sich selbst dabei denken. Da ist der Austausch einfach vielleicht ein bisschen mehr als hier in Österreich – diese Erfahrung habe ich jedenfalls gemacht.

Es ist dir also wichtig, dass man sich auch mit deinen Texten auseinander setzt.

Ja, auf jeden Fall. Ich glaube einfach, meine Texte sind das, was im Endeffekt die Musik ausmacht. Ich mache auch gerne Musik – aber zusammen mit dem Text muss das für mich einfach immer eine Einheit darstellen. Ich bin Songwriter, ich schreibe Songs – am Ende soll da jedenfalls ein großes Ganzes stehen. Ich finde Texte sehr wichtig. Das ist auch das, worauf ich bei anderen Künstlern immer als Erstes achte. Ein Song muss eine Aussage haben – leeres Blabla haben wir in den Charts ohnehin genug. Und der Weg, sich von dem zu unterscheiden, besteht einfach darin, gute Texte zu schreiben, die eine Aussage haben und die Menschen berühren.

Wie gehst du mit Kritik an deiner Musik um? Gerade wenn es um die Texte geht, nimmt man es ja vielleicht doch noch etwas persönlicher, als bei Kritik, rein auf instrumentale Passagen bezogen. Inwieweit nimmst du dir so was zu Herzen bzw. berücksichtigst du das auch?

Ich höre mir natürlich jede Kritik an und muss ehrlich zugeben, dass bisher noch nie irgendetwas dabei war, wofür ich mich in Grund und Boden geschämt hätte. Die meisten Kritiken waren eigentlich eher sehr positiv, sage ich jetzt einmal, was mich auch sehr freut. Aber gerade bei Texten ist es ja das Schöne, dass jeder etwas Anderes hinein interpretieren kann und ein bestimmter Song für verschiedene Leute unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Das ist auch oft bei mir selber so – wenn ich etwas schreibe und ein halbes Jahr später denke ich noch mal über den Text nach, dann hat er für mich selbst sogar manchmal wieder eine andere Bedeutung.

Gerade das fasziniert mich aber am Songwriting, weil es so variabel ist und für jeden eine andere Bedeutung annehmen kann. Vielleicht hört sich derjenige, der heute einen meiner Texte negativ kritisiert, diesen ein Jahr später noch einmal an und plötzlich gefällt er ihm – das kann man nie wissen. Wie gesagt, das ist eben das Spannende am Songwriting.

Modifizierst du deine Songs auch – wenn du beispielsweise nach einer gewissen Zeit mit bestimmten Textstellen nicht mehr zufrieden bist?

Das kommt vor. Was ich oft und gerne mache, ist, dass ich live bei Konzerten die Texte absichtlich verdrehe, oder irgendetwas rein baue, das mir grade in den Sinn kommt. Das kommt immer ganz gut an und die Band freut sich auch immer, wenn ich über Sushi, Maki und so Zeug singe, obwohl eigentlich etwas Anderes hingehört. An und für sich stehen die Songs aber schon. Da bin ich wirklich stur, weil für mich alles in mein Gesamtkonzept hinein passen muss. Wirklich grobe Abweichungen gibt es da nicht, aber so Kleinigkeiten verändere ich schon immer mal wieder – auf jeden Fall live.

Wenn du jetzt, etwa wenn es ans Aufnehmen geht, eine bestimmte Vorstellung von einem Song hast, arbeitest du dann so lange daran, bis er wirklich genau dieser Vorstellung entspricht?

Ja, eigentlich schon. Gemeinsam mit Michael, meinem Produzenten, arrangiere ich die Songs, aber zuvor sind sie in meinem Kopf eigentlich schon fix und fertig – also, was die Komposition und den Text betrifft. Ein Demo-Layout mache ich meistens schon entweder zu Hause oder innerhalb von zehn Minuten im Studio. Zu diesem Basic-Track nehmen wir dann verschiedene Sachen auf, probieren sehr viel aus natürlich, aber prinzipiell ist die Grundvorstellung schon in meinem Kopf und die will auch so hinaus. Ich arbeite sehr gerne mit dem Michael, weil er schon etwas älter ist, eben die Erfahrung mitbringt und weiß, was man verwirklichen kann und was nicht. Da kommen wir eigentlich immer sehr gut zusammen, aber zu 90 % werden die Songs auch immer so verwirklicht, wie sie in meinem Kopf klingen.

Ich habe das große Glück, mit Musikern zusammen zu arbeiten, die einfach kapieren, was ich will, ohne dass ich es ihnen großartig sagen muss. Gerade beim Michael ist es oft einfach so, dass wir uns ohne Worte verstehen – ich spiele ihm einen Song vor und sage vielleicht nur ganz wenig dazu und er weiß sofort, was ich meine und kann das auch umsetzen. Eine wunderbare Basis für eine Zusammenarbeit, worüber ich sehr glücklich bin.

Du hast schon erwähnt, dass die Streicher-Arrangements vom Geiger kommen; liegt der Rest ansonsten vollständig bei dir und die Bandmitglieder übernehmen nur die ausführende Position oder bringen sie auch Ideen ein?

Bei der Komposition an sich nicht – wie gesagt, der Song steht, wenn wir ins Studio gehen oder in den Proberaum. Die Musiker bringen sich natürlich auch selbst ein, gerade was beispielsweise das Schlagzeug betrifft – wir haben wirklich einen sehr guten Schlagzeuger. Auch die anderen sind alle super Musiker. Es studieren bis auf mich eigentlich alle in der Band Musik und die wissen, was sie tun. Aber es ist schon so, dass Michi und ich die Songs arrangieren und wir dann Demos haben, die die Band bekommt, sich das anhört und sich daran hält, zum Teil aber auch die Möglichkeit hat, sich selbst einzubringen. Das ist für uns einfach der beste Weg, um gut zu M

 
Das Album ist jetzt seit ziemlich genau einem Jahr heraußen. Bist du nach wie vor noch zufrieden damit, sofern du dir alte Songs von dir überhaupt noch anhörst, oder gibt es Sachen, bei denen du dir mittlerweile denkst, dass man das doch lieber anders hätte machen sollen?

Wie du schon erwähnt hast, ich höre mir meine eigenen Sachen eigentlich selten an. Aber letztens hatte ich wieder einmal das Vergnügen, weil ich geschäftlich unterwegs war und da ist dann natürlich auch die CD eingelegt worden. Ich habe sie da also gehört und mir gedacht, dass das schon ziemlich gut ist. Eigentlich sehr überraschend, weil ich doch ziemlich selbstkritisch bin. Ich würde es wahrscheinlich wieder ganz genau so machen. Auf jeden Fall die Arrangements, weil wirklich alles super gespielt ist – tolle Musiker, der Sound passt auch, also, ich wüsste jetzt nicht, was ich anders machen würde. Ich bin daher nach wie vor zufrieden mit dem Album.

Wenn du komponierst, schreibst du da multi-tasking-mäßig an mehreren Stücken gleichzeitig, oder konzentrierst du dich immer auf einen Song, den du abschließt, bevor du mit einem anderen beginnst?

Dieser Songschreibe-Prozess ist eigentlich auch ganz verschieden, ich würde sagen, da gibt es verschiedene Phasen bei mir. Manchmal bin ich sehr zerstreut, jetzt gerade zum Beispiel, wo ich irgendwie an zehn Sachen auf einmal herum bastle und das zieht sich dann ewig hin und dann ist es aber wieder mal so, dass ich mich hinsetze und innerhalb von fünf Minuten einen Song schreibe. Es kann aber auch schon mal passieren, dass ich an einem Song ein halbes Jahr sitze und gar nichts anderes mache.

Wie gesagt, das ist alles ganz unterschiedlich. Im Moment schreibe ich gerade einiges, was vielleicht sogar erst in einem Jahr fertig sein wird – mal schauen. Ich mache mir da auch keinen Stress, weil ich eine dicke Mappe habe, in der ich alle meine Sachen sammle und das sind jetzt insgesamt so an die hundert Songs. Wirklich Angst, dass ich kein zweites oder drittes Album machen könnte, habe ich also nicht. Das zweite ist sogar schon aufgenommen – da sind wir gerade am Mischen und Material für ein drittes Album ist auch ausreichend vorhanden. Das, was ich gerade jetzt schreibe, ist daher einfach bloß ein Bonus.

Wird sich beim neuen Album stilistisch irgendetwas ändern oder wird es im Großen und Ganzen den Weg des Debuts fortführen?

Jain. Es wird weniger romantisch klingen, als das erste. Natürlich sind aber Streicher dabei – soweit ich das beurteilen kann, wird das neue Album noch abwechslungsreicher. Dadurch, dass ich sehr viel unterschiedliche Musik höre und ebenso die einzelnen Bandmitglieder, die auch aus verschiedenen Richtungen kommen, sind sehr viele Sachen mit hinein geflossen. Jetzt haben wir auf dem neuen Album sowohl Rock-/Pop-Elemente als auch solche aus den Bereichen Drum’N’Bass und Disco, in einer Nummer sogar gleichzeitig. Heavy Metal und Reggae kommt auch in irgendeiner Form vor und ja, es wird auf jeden Fall ein sehr buntes Album. Ein bisschen weniger verschmust und dafür aggressiver vielleicht, als das erste, aber im Großen und Ganzen, erkennt man natürlich, dass es von mir ist. Die Art des Songwritings an sich hat sich ja nicht geändert, weil es ja immer noch ich bin, die da werkt. Der rote Faden zieht sich jedenfalls durch – eben ich und mein Klavier und die Band rundherum. Es ist aber, wie gesagt, sehr abwechslungsreich.
Besteht nicht auch die Gefahr, wenn allzu viele stilistische Elemente auf einer Platte vereint werden, dass das Endprodukt auf den Hörer vielleicht irgendwie bemüht wirkt?

Ich denke nicht. Einfach aus dem Grund, weil die Sachen wirklich nicht bemüht sind, sondern einfach natürlich kommen. Wie gesagt, ich schreibe einen Song und der klingt dann so in meinem Kopf. Das ist jetzt nichts, wo ich irgendwie absichtlich hin wollte, sondern das passiert einfach so und ist etwas ganz Natürliches. Ich glaube, dass das auch die Leute sehr wohl beim Zuhören merken und sehe nicht die Gefahr, dass es als zusammenhangloser Mischmasch wahrgenommen werden würde. Es ist einfach bloß vielfältig. Ich habe das Album noch nicht vielen Leuten vorgespielt, bin aber wirklich gespannt, wie es ankommen wird. Was das betrifft, so bin ich aber optimistisch.

Ich mache mir da auch nicht wirklich Druck, weil das ja auch den künstlerischen Prozess einengt – wenn man sich Stress macht, wird es automatisch schlecht. Ich ziehe ganz einfach mein Ding durch, komme, was wolle und bisher war das für alle Beteiligten auch immer ok so und für diejenigen, die es kaufen, ebenfalls. Natürlich gibt es auch Kritiker, aber die sollen es erst einmal besser machen.

Du warst jetzt auch auf Tour in Österreich, Deutschland und Frankreich. Was ist dir davon noch in Erinnerung geblieben, was hast du davon mitgenommen?

Was wir davon im Endeffekt mitgenommen haben, war eine Grippe – wirklich die ganze Band. Aber es war super cool. Wir haben so viele nette Menschen kennen gelernt, super Konzerte gespielt und ein bisschen die Welt gesehen. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben in Frankreich – zwar nicht weit weg, sondern “nur” in Elsass, was ja doch nah an der deutschen Grenze liegt und die Leute dort teilweise sogar auch noch Deutsch können. Das ist mir aber eh entgegen gekommen, weil ich eher miserabel Französisch spreche.

Wir planen auch schon die nächste Tour. Im Mai geht es einmal nach Deutschland, diesmal ein wenig mehr in den Norden – Berlin und so steht auf dem Programm und dann geht es auch noch nach Polen. Auf Tour fahren ist eigentlich das Coolste überhaupt, das es gibt. Eigentlich ist das ein wesentlicher Grund, warum ich Musik mache, weil du einfach in der Welt herum kommst. Ich könnte natürlich auch so einfach irgendwo hin fahren, aber mit einer Band unterwegs zu sein, mit deren Mitgliedern man auch befreundet ist und man eine Aufgabe hat, nämlich täglich Konzerte zu spielen, ist das, was ich immer schon machen wollte und jetzt auch in die Tat umsetze. Wie gesagt, das ist das Größte, was es gibt.

Bleibt neben den Auftritten und dem täglichen Herumfahren überhaupt noch genügend Zeit, sich von der jeweiligen Gegend etwas anzuschauen?

Nein, viel Zeit ist da nicht. Wir bemühen uns schon, auch immer wieder ein bisschen wegzugehen und uns etwas anzuschauen. In Stuttgart gibt es ja nicht unbedingt viel zu sehen und in Frankreich waren wir auch eher in ländlichen Gegenden unterwegs. In Géradmer, wo wir beispielsweise waren, ist es wunderschön gewesen. Da gibt es einen riesigen See und gerade im Herbst waren überall gemischte Laubwälder, knallbunt, rosa, gelb und rot und das, zusammen mit dem Sonnenuntergang überm Berg, war einfach sensationell schön. In Trier waren wir jetzt schon zum zweiten Mal, deshalb haben wir uns dort schon ein bisschen besser ausgekannt. Was wir aber immer gut kennen lernen, sind meistens irgendwelche Pubs, in die es uns nach den Auftritten verschlägt. Ich glaube, das ist eh in jeder Band das Gleiche. Aber wir bemühen uns schon, auch ein wenig etwas von der jeweiligen Gegend mitzubekommen, soweit es der Tour-Alltag eben zulässt.

 
  Wenn ihr nicht gerade an schönen, bunten Orten auf Tour seid, wann kann man dich im grauen und tristen Österreich wieder einmal live sehen und hören?

Im Moment arbeiten wir gerade an der nächsten Tour. Der nächste bestätigte Termin ist Wiener Neustadt am 19. Februar, ansonsten weiß ich das jetzt alles aber auch nicht auswendig. Wir sind ja auch gerade am Mischen vom neuen Album und darauf lege ich jetzt primär mein Augenmerk. Wir spielen aber bestimmt wieder in Wien, nur kann ich jetzt noch überhaupt nicht sagen, wann und wo das sein wird. Aber ich muss auch gestehen, dass ich mich jetzt vor allem auch aufs Ausland konzentrieren will, vor allem Polen, wo jetzt im Jänner dann das Album veröffentlicht wird. Da laufen gerade auch Promo-Aktivitäten, im Zuge derer es eine größere Polen-Tour geben wird.

Danke fürs Interview.

Fotos 1,2: Patrizia Gapp
Foto 3: Klaus Engelmayer

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