Meretrio (c) Thomas Radlwimmer

MERETRIO – „CHOROS“

Mit ihrer Musik loten der in Graz lebende EMILIANO SAMPAIO (Gitarre/Posaune), sowie GUSTAVO BONI (Bass), und LUIS OLIVEIRA (Schlagzeug/Perkussion) die Möglichkeiten instrumentaler Musik immer wieder aus, und bedienen sich dabei oft unterschiedlichster Stile bzw. Herangehensweisen. Auf „Choros“ (Sessionwork Records) sind nun trotz des stets erkennbaren Einflusses traditioneller brasilianischer Musik, auch immer wieder Elemente von Jazz, sowie kammermusikalischen Zugängen zu hören.  

Cover “Choros”

MERETRIO wurde bereits 2004 in Sao Paolo gegründet, und widmet sich seitdem der Vielschichtigkeit von Populärmusik. Über die Jahre konnten die drei jungen Musiker ihr gemeinsames Talent auch schon oftmals auf großen Jazzfestivals und Konzerten in Europa, Brasilien, sowie Australien präsentieren, und haben nun ihr mittlerweile achtes Studioalbum veröffentlicht. Damit legen sie einen klaren Fokus auf eigenständige Interpretationen brasilianischer Klassiker des „Choro“-Genres. 

CHOROS GEGEN CORONA

„Choros“ entstand im vergangenen Jahr, als Antwort auf die mehr als widrigen Umstände aufgrund der Pandemie. Mehr als 40 Konzerte mussten Sampaio und seine Bandkollegen absagen, Gustavo Boni konnte nicht mehr zurück in seine Heimat reisen, und sogar gemeinsame Proben waren aufgrund der Covidregelungen nicht mehr möglich. Trotzdem entschlossen sich die Künstler dafür, die nun freigewordene Zeit nicht ungenutzt zu lassen, und begannen einige traditionelle Stücke, welche das Trio zum Teil seit Jahren immer wieder live präsentiert, im Heimstudio aufzunehmen. So besteht das aktuelle Album, bis auf eine Eigenkomposition, aus  Klassikern des traditionellen, brasilianischen Choro –Genres.

Laut Sampaio eine der ersten Formen brasilianischer, urbaner Musik. Diese Klassiker bekommen vor allem auch durch gewählte Instrumentierung und Arrangement eine spannende, zeitgenössische Farbe. So wird man zwar immer wieder daran erinnert, musikalisch in Brasilien unterwegs zu sein, gleichzeitig werden aber auch Klänge und Spielweisen anderer Stile gekonnt miteinbezogen. Dabei werden treibende Rhythmen, mit Elementen „klassischer“ Jazzballaden (etwa „Ingenuo“), oder einen nach Bill Frisell klingenden Gitarrensound („Santa Morena“) auf grandiose Art und Weise verbunden. Überhaupt brilliert die Mehrheit der zehn Titel durch ein sehr geschmackvolles Spiel auf der Gitarre. Sowohl Begleitung als auch Melodie- bzw. Solospiel faszinieren immer wieder. Aber auch Bass und Schlagzeug sind auf höchstem Niveau zu verorten und präsentieren einen Groove, der durch die jahrelange gemeinsame Arbeit hörbar geprägt wurde.

„Choros“ überzeugt mit einer musikalischen Lebensfreude die man zurzeit sicher gut gebrauchen kann. Wirklich schöne Musik, dargeboten von grandiosen Instrumentalisten!

Alexander Kochman

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Links:
Emiliano Sampaio / Meretrio
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Session Work Records