„MEIN TRAUM IST ES, IN DIE SEITENBLICKE ZU KOMMEN“ – pauT IM MICA-INTERVIEW

pauT ist zurück – als Laptop des Finanzministers. Der Wiener Musiker mit der Kapitänsmütze identifiziert sich in seinem neuen Song mit dem Laptop von Gernot Blümel. Und fragt, ob es ihn wirklich gibt. PAUL SCHREIER, der in Bands von NINO AUS WIEN, CLARA LUZIA und WANDA spielt, hat nach 140 Streaming-Konzerten im Lockdown den „plasTik pauT“ aus dem Keller gezaht und striegelt die Ansapanier für den Anruf aus dem Seitenblicke-Magazin. Dort würde er gerne auftreten. Kein Wunder, nach fulminanten Erfolgen der Vergangenheit, beim Musikantenstadl, bei Wetten, dass?! und in der Brieflosshow. Zum Glück ist dem Austro-Lennon das Fernseh-Business noch nicht zu Kopf gestiegen. Sonst hätte er wohl keine Zeit, über bestellte Laptops, das Stadion-Highlight seiner Jugend, und Salami-Träume als Neo-Vegetarier mit Christoph Benkeser zu sprechen. 

Schön, dass man wieder was von pauT hört!

pauT: Im ersten Lockdown habe ich eh 140 Tage in Folge live gestreamt.

Ich kann mich an die Streams auf Facebook erinnern.

pauT: Und auf Instagram. Damals hatte ich noch das Gefühl, dass die Sache mit den Streams passt.

Weil man noch Motivation aufbringen konnte?

pauT: Zu der Zeit haben alle gestreamt. Nochmal einen Konzert-Stream zu starten, hätte niemanden gekümmert.

Man müsste wohl ausgefallene Dinge vor der Kamera aufführen, um durchzustechen. 

pauT: Vergangenen Oktober habe ich zum 80. Geburtstag von John Lennon ein Stream-Konzert gespielt. Vor Kurzem habe ich zum zweiten Mal „die sTunde des kosmischen Genies“ gespielt – also eine Stunde lang den Song in Dauerschleife gestreamt. Das habe ich letztes Jahr als Hymne an das kosmische Genie gestartet. Und heuer – traditionellerweise – wieder gemacht. Es sind also eher Themen-Konzerte, einfach ein Live-Stream-Konzert zu spielen, ist durch.

Deshalb widmet man sich wieder seriöseren Themen wie dem wandernden Laptop des Finanzministers. 

pauT: Ich bin sonst gar nicht der politische Songschreiber, obwohl der Song nicht per se politisch ist. Er ist eher eine Seitenblicke-Story. Trotzdem: Es ist schon schräg, über welche Themen man derzeit Lieder schreiben kann – und könnte! Wenn ich jedes Thema aus der Innenpolitik aufgreife, ginge sich bald ein Doppelalbum aus.

Würde man politische Lieder schreiben, hätte man genügend Material. 

pauT: Viele Lieder schrieben sich von selbst. Geschredderte Festplatten und spazierende Laptops …

Wo geht dein Laptop spazieren? 

pauT: Ich habe grad einen bestellt, aber es dauert noch zwei Monate, bis er geliefert wird.

Das ist verdächtig lange. 

pauT: Wahrscheinlich kommt der Laptop zu Fuß.

Oder er fährt mit dem Kinderwagen vor, wie in deinem Song. 

pauT: Ich habe mich ja in die Situation des Laptops hineinversetzt und gefragt, wie er sich fühlt. Schließlich weiß man nicht mal, ob es ihn gibt. Sein oder nicht sein, das hat ein bisschen was von Shakespeare.

In deinem Fall gibt’s ihn ja. Für mich stellt sich die Frage: Was ist da Tolles drauf, dass man mit ihm Spazierenfahren muss. 

pauT: Darüber habe ich mir bisher gar keine Gedanken gemacht. Aber es müssen tolle Sachen sein, wenn man liest, was auf anderen Handys drauf ist … 2500 ist eine super Zahl, das ist die Postleitzahl von Baden, da, komm ich her.

Das kann doch kein Zufall sein! 

pauT: Lustigerweise kam die Meldung an dem Tag raus, als das „Laptop“-Video 2500 Klicks auf YouTube erreicht hat. 2500 Klicks mit 2500 Pics in 2500 Baden! Da ist doch was im Busch!

Bestimmt. Wobei 2500 Fotos von … na ja, am Diensthandy … 

pauT: Gut, ich habe sicher auch 2500 Fotos auf meinem Telefon.

Ich nehme aber an, es sind nicht 2500 Dickpics. 

pauT: Das nicht. Aber Fotos sind Fotos.

Du machst da keinen Unterschied? 

pauT: Kaum. Außerdem ist das ja auch Privatsache, oder?

Vorstand einer Beteiligungsholding des Bunds zu sein und solche Sachen mit dem Diensthandy zu machen gibt aber nicht das beste Bild ab.  

pauT: Zu viel verurteilen sollte man nicht. Wenn man die Fotos beruflich verwendet …

Könnte man sie vielleicht sogar steuerlich absetzen! Aber ich weiß, was du meinst: Die Leute zerreißen sich gern das Maul über andere. 

pauT: Es ist Klatsch und Tratsch.

Womit wir wieder bei den Seitenblicken wären. 

pauT: Mein Traum ist es, in die Seitenblicke zu kommen. Für ein paar Sekunden habe ich es letztes Jahr schon geschafft.

Und wegen des Laptop-Songs hat noch niemand angerufen? 

pauT: Das ist zu steil für die Seitenblicke! Bis wir das Zeitalter, in dem es ein Computer in die Sendung schafft, erreicht haben, dauert es noch ein paar Jahre.

Und zu steil ist es, weil sich pauT auflöst und in den Computer übergeht.  

pauT: Ich habe mich in den Laptop hineinidentifiziert und seine Computer-Stimme angenommen. Sprache ist Gefühl. Um das Gefühl des Laptops rüberzubringen, muss ich natürlich seine Stimme annehmen.

Der Song heißt eigentlich „Jackpot“. Wo kommt der ins Spiel? 

pauT: Spiel ist das Stichwort! Es geht um das „Wer bin ich“-Spiel. Der Laptop weiß nicht, dass er ein Laptop ist und muss erraten, was er ist – bis er den Jackpot knackt.

Am Anfang klingt es so, als stünde man in der Lugner-Spielhalle. 

pauT: Weil’s in den Taschen klingelt?

Na ja, in den eigenen aber nicht, oder? 

pauT: Das wäre natürlich schön.

Spielt’s halt nicht. Vielleicht wäre 2021 das Jahr, um endlich wieder alles anzuzünden. 

pauT: Anzünden kann man eh immer alles. Ich war heuer beim Protestsongcontest in der Vor-Jury. Viele Lieder haben das Thema Moria aufgegriffen. Generell ging es viel ums Brennen. So gesehen hat der Sepp immer noch seine Finger im Spiel … aktuell müsste man dem Brennen aber wieder eine Pause geben, weil es negativ besetzt ist. Statt Moria müssen andere Dinge brennen.

Was? 

pauT: Der Rest vom Schweinebraten, Ladycracker und Piraten, Bankomat und Kreditkarten. Ich müsst jetzt den Text googlen.

Der Sepp war in dieser Hinsicht immer visionär. 

pauT: Er ist ein weiser Mensch, aus ihm sprechen viele Jahre der Lebenserfahrung.

Trotzdem bleibt er eine mythische Figur. 

pauT: Er ist ein Mythos, aber es gibt ihn wirklich.

Wann hattest du das letzte Mal mit ihm Kontakt? 

pauT: Vor drei Jahren oder so. Er ist immer ganz stolz, wenn er anderen erzählen kann, dass er der Sepp aus dem „Liadl“ ist.

Hat ja gut funktioniert. Wieso konsultierst du ihn dann nicht öfter? 

pauT: Gute Frage! Aber das lässt sich nicht wiederholen. Es war eine sehr gute, einmalige Kooperation, die man zerstören würde, wenn man es übertriebe.

Dann doch lieber den Blümel-Laptop verkörpern. 

pauT: Und den Sepp in neuem Gewand aufleben lassen.

Gewand ist ein guter Punkt. Mir schrieb letzthin ein Freund, der mit dir vor einigen Jahren für ein Interview Sackrutschen war. Du seist zweimaliger Teilnehmer der Sackrutsch-Staatsmeisterschaft. Gleichzeitig habe ich auch gehört, dass an diesem Tag einige Biere im Spiel waren … ist das alles nur eine Sepp-Geschichte? 

pauT: Was soll das heißen, nur so eine Sepp-Geschichte? Da werden ja zwei Geschichten in einem Aufwasch in Frage gestellt! Die Sackrutsch-Meisterschaft am Toboggan im Prater gibt’s tatsächlich jedes Jahr. Ich habe zwei Mal mitgemacht – es aber nie ins Finale geschafft, obwohl ich mein Bestes gegeben hab.

Das ist schade.  

pauT: Dafür bin ich in Baden beim Wasserrutschen-Contest Zweiter geworden.

Bitte was? 

pauT: Ja, auf der langen Wasserrutsche.

Also richtig so mit Badehose runterziehen und dann am blanken Oarscherl? 

pauT: Genau! Wobei wir auch andere Techniken ausgetüftelt haben, die noch schneller gehen. Man darf sich nur auf den Schulterblättern und Fersen abstützen, wenn’s richtig dahingehen soll.

„ICH FIND RUTSCHEN SUPER, WEIL ES VON SELBST FUNKTIONIERT.“

Dafür braucht man aber eine gute Körperspannung. 

pauT: Auf jeden Fall. In allen internen Tests, die wir im Freundeskreis gemacht haben, war ich immer Erster. Wir haben uns da runtergehaut, Positionen ausprobiert, Sonnencremes getestet … beim Contest hat dann jemand mitgemacht, der auf einmal schneller war als ich. Das habe ich bis heute nicht verstanden. Der hat nicht mal trainiert!

Jedenfalls magst du Sportarten, bei denen man rutschen kann. 

pauT: Ich find rutschen super, weil es von selbst funktioniert.

Nur der umgekehrte Weg ist hart. 

pauT: Das ist der harte Weg nach oben!

Dafür müsste man den gestorbenen Plastik-pauT reaktivieren. 

pauT: Plastik stirbt ja nicht, es ist für immer! Gestorben würde ich deshalb nicht sagen. Es gab das Album „PopsTars aus PlasTik“, danach die Weltraumkatzen und jetzt vielleicht ein Ausflug in die Seitenblicke mit dem Laptop. Und vielleicht gibt’s irgendwann eine PlasTik-pauT-TribuTe-Tour

Starmania hätte doch gepasst. 

pauT: Das habe ich bei der zweiten Staffel mit 20 probiert. Ich war beim Casting, bin aber gleich rausgeflogen.

Die haben schon damals nicht gewusst, wer das Star-Potenzial mitbringt! 

pauT: Ich habe aber, ehrlich gesagt, keine einzige Folge der neuen Staffel mitverfolgt. Früher habe ich das gern geschaut. Das war ein Ding, das alle geschaut haben. Mittlerweile …

… müsste man nicht alles aufwärmen. Du wärmst den Sepp ja auch nicht mehr auf! Manche Dinge müssen bleiben. 

pauT: Und zwar von selbst bleiben … Magst du einen Kuchen? Ich habe frisch gebacken?

pauT packt einen Milka-Kuchen aus.  

Das ist für mich wie Kokain! 

pauT: Ich mag am liebsten die Milka-Keksschokolade. Wenn die offen ist, ist die Packung weg!

Bist du ein Süßer? 

pauT: Eher ein Salziger, eigentlich! Aber für Milka-Keksschokolade gibt’s einen anderen Magen.

Den Milka-Magen.  

pauT: Man gönnt sich ja sonst nix!

Milka wird übrigens in Bludenz gemacht. Wenn dort der Wind gut steht, riechts in der ganzen Stadt nach Milka-Schokolade. Das ist wie die Ottrakinger-Manner-Mischung im 16. 

pauT: Ich war bisher erst einmal in Bludenz. Die Remise ist dort, oder?

Ja, genau. 

pauT: Dort haben wir ein Konzert gespielt. Am Tag, nachdem das Ibiza-Video veröffentlicht wurde. Wir saßen vor der Remise und haben die ganze Zeit darauf gewartet, dass endlich die Ansprache des Bundeskanzlers kommt.

Die dann irgendwann kam. 

pauT: Ja. Genug ist genug, Betrug ist Betrug!

Seitdem hat sich einiges getan.  

pauT: Es gibt noch ein paar Positionen, von denen man sich wünschen könnte, dass sie andere Personen übernehmen.

Das ist eine diplomatische Aussage. Weit lehnst du dich damit nicht aus dem Fenster! 

pauT: Na, das ist nicht so meins. Da bin ich eher der Seitenblicke-Typ.

Vielleicht muss man sich zuerst weit rauslehnen, um den Kopf in die Seitenblicke reinzulehnen? 

pauT: Ich warte lieber, dass die zu mir ins Wohnzimmer kommen und ich ihnen meinen Laptop zeigen kann.

Das würde aber nicht viel hermachen. Die Leute, die in den Seitenblicken landen, haben ja meistens nichts gemacht und trotzdem was zu zeigen. 

pauT: Ich würde denen gern meine Set-Lists zeigen von den Fensterkonzerten aus dem ersten Lockdown. Die gehen über vier Seiten!

Das ist aber nicht so spektakulär! 

pauT: Ich würde ihnen auch den Plastik-pauT zeigen, der steht noch im Keller.

Das passt schon eher in die Seitenblicke! 

pauT: Außerdem könnte ich denen Videos zeigen, wo ich in Fernsehsendungen aufgetreten bin! Alle, bei denen ich zu Gast war, existieren mittlerweile nicht mehr.

Im Musikantenstadl warst du, das habe ich gelesen. 

pauT: Das war 2000, da war ich als Klarinettist im Blasorchester Bad Vöslau zu Gast.

Das war ja noch zu Zeiten von Karl Moik. 

pauT: Ich habe zwei Original-Karl-Moik-Autogrammkarten! Später war ich übrigens auch bei Wetten, dass?!. Das war allerdings schon die Markus-Lanz-Ära. Und beim Peter Rapp in der Brieflosshow waren wir mit dem Nino auch!

Na, heast! 

pauT: Die Musikantenstadl-Gschicht ist aber super. Der Hallenwart ist damals während der Show nervös herumgerannt, niemand hat gewusst, wieso. Im Nachhinein, da haben schon alle zusammengepackt, hat sich rausgestellt, dass es eine Bombendrohung gegeben hat.

Bist du gescheit. Der Musikantenstadl als Vorstufe des Radikalismus.  

pauT: Ein bisschen schon! Zum Glück habe ich rechtzeitig den Absprung geschafft.

Weißt du, was mich an diesem Business immer fasziniert hat? Egal wie oarg die Leute unterwegs waren, sobald die Kamera auf sie gerichtet war, haben sie funktioniert. 

pauT: Das sind die Seiten des Show-Business, die man nicht sieht! In Wahrheit ist es harte Arbeit.

So richtig ins Show-Business hineingezogen hat es dich aber nicht. 

pauT: Das darf ruhig noch werden! Die „PopsTars aus PlasTik“-Platte war ein Schritt in diese Richtung. Lieber größer als kleiner! Also wenn der … na ja, Musikantenstadl nicht, Wetten, dass?! auch nicht … welche Sendungen gibt’s denn eigentlich noch?

Den ZDF-Fernsehgarten, vielleicht? 

pauT: Na, eher so Jan Böhmermann. Die Toni-Tellerlift-Sache fand ich schon gut.

„DAS SCHLAGER-BUSINESS IST EINE HARTE SACHE.“

Eine Schlager-Karriere unter neuem Pseudonym, das wäre was für dich? 

pauT: Na ja, das Schlager-Business ist schon eine harte Sache.

Man müsste Leute dafür bezahlen, die für einen auftreten. 

pauT: Längerfristig ist das eh der Plan, dass ich das nicht mehr selber machen muss, sondern die Marke pauT an andere weitergebe, die die Arbeit für mich übernehmen. 

Aber nicht im Schlager. 

pauT: Das Business wird unterschätzt! So einfach machst du dort keine Kohle! Die Leute, die auf die Musik stehen, spüren schon, ob das jemand ernst meint oder es nur wegen der Kohle macht.

Am Ende geht’s ums G’fühl! 

pauT: Das man für Geld nicht kaufen kann!

Der Toni-Tellerlift-Song stieg trotzdem in die Charts ein. 

pauT: Wirklich?

Ja, aber ich versteh deinen Punkt: Die Fans vergöttern ihre Schlager-Stars. Wo gibt’s denn das noch, dieses Fan-Sein? Sogar der Fußball macht’s einem heute schwierig, Fan zu sein. 

pauT: Das stimmt schon. Ich war immer Rapid-Fan. Manchmal frag ich mich, wieso überhaupt. Der Manu von Wanda hat mir gesagt, dass sich das Fan-Sein von einer Mannschaft väterlicherseits vererbe. Mein Vater ist aber Austria-Fan.

So richtig mit Stadion-Gehen und so? 

pauT: Na, eher so ein Ergebnisse-im-Radio-hören-Fan. Wieso ich bei Rapid gelandet bin, weiß ich trotzdem nicht.

Der Erfolg macht halt geil. 

pauT: Aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Als Casino Salzburg in den 90ern so erfolgreich war, riss das viele mit. Das war leiwand, da hat man mitgefiebert. Wenn heute jemand daherkommt und meint, dass er Salzburg-Fan sei, würde ich mir schon was denken.

Trotzdem halten alle zu ihnen, wenn sie Champions League spielen. 

pauT: Aber mit einem anderen Gefühl als bei Casino Salzburg 93/94 gegen Sporting Lissabon.

Fußball war immer ein Thema bei dir? 

pauT: Grad ein bisserl weniger. In meiner Kindheit aber schon, da habe ich das richtig verfolgt. In der Europcup-Saison 1996 war ich beim Halbfinale von Rapid gegen Feyenoord Rotterdam. Das war das Highlight für mich! Michael Hatz, der damals bei Rapid spielte, bringt jetzt ein Buch über diese Zeit heraus. Der war ein paar Mal bei Konzerten vom Nino, irgendwann stand er in St. Pölten im Backstage-Raum. Der Nino und ich saßen da wie die ärgsten Fanboys und ließen uns alle Geschichten aus der Saison 95/96 erzählen.

Das ist das wahre Fan-Sein, oder? 

pauT: Na ja, mittlerweile kommt man via Social Media viel leichter an Informationen. Da brauchst du 20 Jahre später niemanden mehr fragen, wie das damals eigentlich war.

Bild pauT
pauT (c) Carina Antl

Social Media nimmt was von der Mystik weg. Deshalb gibt’s ja auch die großen Samstagsabend-Sendungen nicht mehr. 

pauT: Man kann sich die Gschichtln mittlerweile selber zusammenbasteln, genau.

Eigentlich eine blöde Zeit, um „PopsTar“ zu werden. 

pauT: Das denk ich mir auch oft. Dabei habe ich mit 13 oder 14 schon so was Ähnliches wie Facebook vor meinem inneren Auge gehabt. Damals dachte ich: Heast, ich habe ein gutes Outfit und will es allen zeigen, es ist aber grad Sonntag und niemand sieht mich … wäre es nicht super, wenn man das teilen könnte? Die ganze Social-Media-Sache habe ich also vorgespührt. Ich mag das auch gern, selbst wenn ich dort viel Zeit verplempre.

Wieso verplempert? 

pauT: Im Moment, wo ich’s mach, eh nicht. Danach denk ich mir aber schon: Jetzt hätte ich auch was anderes machen können.

Besteht bei dir die Gefahr, dass du voll reinkippst? 

pauT: Die Gefahr besteht schon. Ich habe als Kind einfach zu wenig Computerspielen dürfen, jetzt darf ich’s ja selber entscheiden.

À la: So viel Süßigkeiten wie man will! 

pauT: Na, schau. Ich bin seit einem Jahr Vegetarier. Alle paar Monate habe ich einen Traum: Ich steh vorm Kühlschrank, alle schlafen. Und ich denk mir im Traum: Jetzt könnte ich eine Salami essen und niemand würde es merken.

Was Freud wohl dazu sagen würde. 

pauT: Im Traum habe ich die Salami sogar gegessen.

Und warum ernährst du dich vegetarisch? 

pauT: Eh auch aus moralischen Gründen. Wenn ich am See bin und die Fische seh und am nächsten Standl gibt’s die Steckerlfische … dann geht sich das für mich nicht mehr aus. Klar könnte man für sich selber wegschauen und nicht darüber nachdenken. Meine Tochter wird aber irgendwann fragen, wieso man auf Käfer nicht draufsteigen darf, den Fisch aber essen kann. Ich wüsste dann keine gute Antwort. Außerdem habe ich immer viel Fleisch gegessen … 

Jeden Tag ein Schnitzerl? 

pauT: So eh nicht. Zu Hause habe ich immer wenig Fleisch gegessen. Sobald ich unterwegs war und die Wahl hatte zwischen einem Schnitzel und einem Gemüsestrudel, habe ich immer die Fleischvariante genommen.  Ich war ein Fleisch-Fanatiker. Aus Prinzip.

Das andere wäre ja nur Beilage! 

pauT: Ja, und aus klimapolitischen Gründen habe ich mir irgendwann gedacht: Jetzt hör ich auf.

Danke für das Gespräch!

Christoph Benkeser

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pauT (Facebook)