“kultureller Austausch entsteht aus Neugier” – Alexa Lopez im Mica-Interview

Im Rahmen der QMA Artist Residency kamen Künstler und Produzent zusammen, um gemeinsam an neuen Songs und musikalischen Ideen zu arbeiten. Eine der teilnehmenden Künstler war Alexa Lopez, die sich mit ihrer Musik zwischen Latin, R&B und Pop bewegt und dabei auf Spanisch und Englisch – und bald auch auf Deutsch – singt. In ihren Songs setzt sie sich mit Identität, gesellschaftlichen Strukturen und persönlichen Erfahrungen auseinander und scheut dabei weder politische noch tabuisierte Themen. Während der Residency arbeitete sie an neuen Songs für ihr Debütalbum, das 2027 erscheinen soll. Im Interview spricht Alexa Lopez über die Zusammenarbeit im Studio, ihren Weg in die österreichische Musikszene, strukturelle Barrieren und darüber, warum Repräsentation für sie eine zentrale Rolle spielt.

Zum Einstieg: Kannst du dein Musikprojekt kurz vorstellen? Welche Art von Musik machst du und welche Ideen oder Haltungen stehen dabei im Mittelpunkt?

Alexa Lopez: Mein Künstlername ist Alexa Lopez und mein Projekt versucht, Gegensätze miteinander zu vereinen. Ich schreibe und produziere meine eigene Musik, bei der Authentizität, Vielseitigkeit und Befreiung im Mittelpunkt stehen. Ich produziere sehr ehrliche, rohe Songs, die manchmal politisch sind, manchmal Tabus aufgreifen und sich nicht auf ein Genre beschränken lassen. Musikalisch bewege ich mich zwischen Latin, R&B und Pop und singe auf Spanisch, Englisch und bald auch auf Deutsch.

Wie bist du zur QMA Residency gekommen und mit welchen Erwartungen bist du in diese Woche gestartet?

Alexa Lopez: Ich habe den Open Call auf Instagram gesehen und er hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt. Es war eines dieser Dinge, bei denen man aus dem Bauch heraus spürt: Das ist für mich bestimmt. Das gesamte Konzept entsprach genau dem, was mir in der Musikindustrie fehlt, aber auch dem, wofür ich selbst stehen und was ich verändern möchte. Ich habe mich einfach sehr darauf gefreut, in einem strukturierten und gemeinschaftlichen Rahmen an Demos und Songs für mein Debütalbum zu arbeiten, das 2027 erscheinen wird.

Während der Residency hast du gemeinsam mit Produzent innerhalb nur einer Woche an Songs geschrieben und produziert. Wie sind die Songs entstanden und welche Teile davon fühlen sich besonders nach dir an?

Alexa Lopez: Am ersten Tag habe ich mit Alania Gonzalez gearbeitet. Wir haben einen Song von Grund auf neu geschrieben und ein komplettes Demo fertiggestellt: eine Neuinterpretation des mexikanischen Volkslieds „La Llorona“. Wir hatten beide schon im Vorfeld einige Notizen gemacht und haben den Text dann an das Konzept und die Bedeutung angepasst, auf die wir uns gemeinsam geeinigt hatten.

Am zweiten Tag kam Gatafiera ins Studio, um mit mir an einer Salsa-Fusion zu arbeiten, und wir hatten eine großartige Zeit. Unsere Vorstellungen lagen sehr nah beieinander und wir haben beide Ideen eingebracht, die schließlich in den Song eingeflossen sind. Der Rahmen und die ursprünglichen Visionen für die Songs kamen vollständig von mir, ebenso wie meine Parts. Gleichzeitig entstand sehr viel kollaborative Energie – und genau das habe ich geliebt!

Gab es Momente, in denen eure unterschiedlichen musikalischen Hintergründe zu etwas geführt haben, auf das du alleine vielleicht nicht gekommen wärst?

Alexa Lopez: Auf jeden Fall. Ich habe die gegenseitige Wertschätzung und den Respekt sehr geschätzt, den sich alle im Studio entgegengebracht haben. Es war klar, dass wir an meinem Projekt arbeiten und dass ich die Songs nach dieser Woche selbst weiterproduzieren werde.

Alexa Lopez by kajmakmedia
Alexa Lopez © kajmakmedia

Gleichzeitig wollte ich von allen Beteiligten so viel Input wie möglich bekommen und bin immer offen für neue Ideen. Letztendlich hat jeder Beitrag dazu beigetragen, die Qualität des Ergebnisses zu steigern.

Was nimmst du über die Songs hinaus aus der Residency mit? Neue Arbeitsweisen, neue Kontakte, Einblicke in die Musikbranche oder vielleicht sogar einen anderen Blick auf dich selbst als Künstlerin?

Alexa Lopez: Es war definitiv eine verbindende Erfahrung, bei der ich großartige Künstler kennenlernen und neue Kontakte knüpfen konnte. Musik zu machen ist für mich immer etwas sehr Persönliches, und die Feedback-Session hat mir gezeigt, dass ich mit meiner Karriere auf dem richtigen Weg bin. Gleichzeitig habe ich sehr gutes, konstruktives Feedback bekommen und einige Überzeugungen, die ich bereits hatte, wurden dadurch noch einmal bestärkt. Insgesamt hat es sich so angefühlt, als würde sich ein Kreis schließen.

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Eines der Ziele der Residency ist es, Verbindungen innerhalb des österreichischen Musikmarkts aufzubauen. Wie zugänglich empfindest du die österreichische Musikszene? Ist es relativ einfach, einen Weg hinein zu finden, oder gibt es Barrieren, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind?

Alexa Lopez: Ich habe das Gefühl, dass ich in den vergangenen zwei Jahren endlich meinen Weg in die österreichische Musikszene gefunden habe und heute stärker wahrgenommen werde als je zuvor. Davor hatte ich allerdings ungefähr zwei Jahre lang das Gefühl, meine Musik nur für mich selbst zu machen, bevor ich herausgefunden habe, wie die Szene funktioniert.

“…es kann schwierig sein, ernst genommen zu werden, wenn man keine deutschsprachige Musik macht…”

Wenn man über bestimmte Informationen verfügt, die ich selbst erst durch Erfahrung sammeln musste, kann die Szene meiner Meinung nach durchaus zugänglich sein. Ich glaube aber auch, dass wir diese Informationen offener miteinander teilen könnten. Vieles hat mit Haltung und Eigeninitiative, Begeisterung und echter Neugier zu tun. Gerade diese Neugier vermisse ich häufig bei Menschen, die „wichtige“ oder „einflussreiche“ Positionen in der Musikindustrie innehaben.

Alexa Lopez by kajmakmedia
Alexa Lopez © kajmakmedia

Was sind deiner Erfahrung nach die größten Herausforderungen, wenn man versucht, sich in der österreichischen Musikszene zu etablieren? Geht es vor allem um Netzwerke, Sprache, Wissen über lokale Strukturen, finanzielle Möglichkeiten – oder um etwas ganz anderes?

Alexa Lopez: Ich glaube, es kann schwierig sein, ernst genommen zu werden, wenn man keine deutschsprachige Musik macht und einen anderen kulturellen Hintergrund hat. Ich hatte immer das Gefühl, mindestens doppelt so viel Arbeit investieren zu müssen wie meine weißen, männlichen österreichischen Kollegen, um überhaupt als Künstlerin wahrgenommen zu werden.

Es geht definitiv auch darum, die richtigen Leute zu kennen und manchmal über die entsprechenden finanziellen Mittel zu verfügen, um überhaupt Zugang zu bestimmten Möglichkeiten zu bekommen – besonders dann, wenn man gerade nicht „trendet“. Diese Mechanismen sind oft unterschwellig und strukturell, und wir haben definitiv noch viel Arbeit vor uns. Ich wünsche mir, dass der Fokus stärker auf der Kunst selbst liegt und weniger auf Profit oder Zahlen!

Welche Rolle spielen deine Herkunft und deine persönlichen Erfahrungen in deiner Musik – und darin, wie du hier als Künstlerin wahrgenommen wirst? Thematisierst du deine Herkunft bewusst in deiner Arbeit oder ist es eher etwas, das von anderen an dich herangetragen wird?

Alexa Lopez: Ich würde sagen: beides. Obwohl ich hier geboren wurde, hat Österreich es mir aufgrund meines Aussehens nie besonders leicht gemacht, mich wirklich so zu fühlen, als würde ich von hier kommen. Angefangen habe ich mit englischsprachiger Popmusik. Nachdem ich aber einige Identitätskrisen durchlebt hatte und einfach irgendwo dazugehören wollte, begann ich, mich durch meine Musik intensiv mit meinen Wurzeln auseinanderzusetzen.

Heute habe ich das Gefühl, mich weniger rechtfertigen zu müssen. Gleichzeitig nutze ich die Musik weiterhin als Medium, um meine persönlichen Erfahrungen zu thematisieren und Kritik an bestimmten gesellschaftlichen Strukturen zu äußern, unter denen BIPoC leiden.

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Was kann die österreichische Musikszene deiner Meinung nach von Künstler mit unterschiedlichen kulturellen und musikalischen Hintergründen gewinnen – und was möchtest du persönlich zur Szene beitragen?

Alexa Lopez: Ich glaube, kultureller Austausch entsteht aus Neugier. Er öffnet unseren Blick, ermöglicht uns neue Perspektiven und macht uns als Menschen weniger ignorant. Österreich braucht definitiv mehr expressive, ehrliche, laute, radikale Perspektiven jenseits von hetero, weiß, cis und männlich!

“…kultureller Austausch entsteht aus Neugier.”

Ich möchte in Österreich musikalische Repräsentation für queere FLINTA*-Latinx-Künstler schaffen. Als ich aufgewachsen bin, habe ich hier nie Menschen gesehen, die so aussahen wie ich und erfolgreich genau das gemacht haben, was ich selbst machen wollte. Die Kraft von Repräsentation sollten wir niemals unterschätzen.

Wie geht es für dich nach der Residency weiter? Was sind deine nächsten musikalischen Schritte und gibt es etwas aus dieser Woche, das du unbedingt mitnehmen möchtest?

Alexa Lopez: Ich werde weiter an der Produktion meines Debütalbums arbeiten und alle zwei bis drei Monate Singles veröffentlichen. Außerdem freue ich mich unglaublich auf all die großartigen Kollaborationen, die vor mir liegen. Bis zum Ende des Jahres stehen noch einige Auftritte an und für das kommende Jahr habe ich mir mehrere Ziele gesetzt – zum Beispiel wieder beim Kultursommer und bei der Vienna Pride zu spielen sowie erstmals bei Waves Vienna und beim Popfest aufzutreten.

Mit jedem Release versuche ich außerdem, meine Social-Media-Strategie weiterzuentwickeln und meinen Online-Auftritt stärker mit meiner künstlerischen Vision in Einklang zu bringen. Dazu habe ich während der Residency glücklicherweise viel hilfreichen Input bekommen. Ich freue mich sehr auf alles, was kommt, und darauf, wohin mich mein Weg führt – denn ich fühle mich selbstbewusster und hoffnungsvoller als je zuvor.

Herzlichen Dank für das Interview!


Dominik Beyer

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Links:
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