„IHR MACHT OPTIK, ICH MACH SKILLS“ – KITANA IM MICA-INTERVIEW

KITANA rappt nicht über Gucci-Shirts und Balenciaga-Taschen. Die Villacherin flext mit Flow und Punchlines, für den die Deutschrap-Szene im Duden blättert. Mit „Lorbeeren” erschien gerade das erste Album von KITANA. Eine Platte, auf der sie ihre Geschichte – und mit Deepness von Drogensucht und Einsamkeit erzählt. Im Hinterkammerl von Beats and Beans, einem Gasthaus im 15. Bezirk, hängen Platten an den Wänden. KITANA bestellt Kürbissuppe und Bier. Wir sprechen eine Stunde lang über ihr Leben. Danach bin ich überzeugt: Von KITANA wird man zukünftig noch viel mehr hören.

Du erzählst mit deinem Album eine Geschichte wie als Roman. Die Vibes hatte ich im Hip-Hop das letzte Mal bei der Platte von OG Keemo.

Kitana: Viele Tracks von „Lorbeeren” standen schon, bevor die Keemo-Platte „Mann beißt Hund” rauskam. Sie hat mir aber bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin – und mich inspiriert, diesen Weg weiterzugehen.

Die Platte war ein instant classic.

Kitana: Es war seit langem wieder mal ein Album, das ich als Ganzes durchgehört habe. Trotzdem funktionieren die einzelnen Songs für sich. Das ist mir auch wichtig. Es muss eine Geschichte sein, aber ihre Teile müssen für sich stehen.

Du schaffst es, aus einzelnen Teilen etwas Größeres zusammenzubauen. Woher kommt dieser Drang zum Geschichtenerzählen?

Kitana: Weißt du, was mich dazu angetrieben hat? Als Lyriker:in stößt man irgendwann an, wenn man immer nur die Ich-Perspektive wählt. Es nervt sogar richtig! Deshalb ist es spannend, die Dinge von außen zu betrachten. Wenn ich nicht aus meiner Perspektive schreibe, habe ich manchmal einen leichteren Zugang in der Erzählform. Ich kann andere Worte wählen und Sichtweisen aufzeigen.

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Ist das die Distanz zur eigenen Geschichte, die es interessant macht?

Kitana: Auf jeden Fall – gerade bei „Lorbeeren”. Ich erzähle damit auch eine Geschichte, die für mich schwierig ist, weil ich zu dieser Zeit sehr gelitten hab. Erzähl ich die Story aus der Geschichte dieser Freundin, fällt es mir leichter, mit den Themen umzugehen. Außerdem wollte ich nicht nur die traurige Seite beleuchten. Es gibt ein Happy End. Wir machen beide, wovon wir vor zehn Jahren gesprochen haben.

Trauer kommt mit Freude zusammen.

Kitana: Oft versteht man nicht, wie wichtig manche Dinge sind, die im Moment passieren, weil man keinen Kopf dafür hat, wenn man mitten in der Scheiße sitzt. Erst im Nachhinein merkst du: Gott sei Dank hab ich diese Erfahrung gemacht. Man blickt positiv auf die Situation zurück, kann Positives aus ihr ziehen – obwohl es vielleicht die schlimmste Zeit deines Lebens war. Dann realisierst du, dass dich diese Momente prägen. Mein Weg, meine Karriere, die Drogenthematik – all das hat mit diesem Moment begonnen. Es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Einer, der es in einem Kunstwerk zusammenfassen konnte. Das ist ein geiles Gefühl.

Du sprichst aus einer künstlerischen Perspektive über deine Vergangenheit. Magst du mit mir auch persönlich darüber sprechen?

Bild Kitana
Kitana (c) Matthias Leidinger

Kitana: Ja, mir ist aber wichtig, eines gleich klarzustellen: Es geht um Benzodiazepine. Der Entzug von Benzodiazepinen ist wie der von Heroin. Wenn ich daran denke, wie ein gesunder Mensch vor mir auf einmal in den tiefsten Abgrund rutscht, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Das Problem ist: Heute sind Benzos unter Jugendlichen wie eine Modedroge. Aber: Auf Benzos gehst du den Bach runter – ich hab das miterlebt. Deshalb würd ich niemals auf solche Drogen kippen. Trotzdem hat es mich dazu gebracht, selbst zu konsumieren, um das Erlebte zu verarbeiten. Es war ein Ereignis, das mich mitgenommen hat – zum Glück hab ich es zum Guten wenden können.

Die Krise führt entweder in die Depression oder man kann sie wie du in etwas Kreatives kanalisieren, das einen therapeutischen Effekt hat.

Kitana: Ich hab auch nicht immer topmotiviert meine Träume verfolgt, trotzdem bin ich – und das alles liegt über neun Jahre zurück – noch immer auf meinem Weg, den ich damals gehen wollte. Natürlich, da liegen viele Steps auf die Seite, mehrere Haltestellen und manche Abrutscher dazwischen. Ich will aber alle motivieren, straight auf ihrer Schiene zu bleiben – egal, wofür man brennt.

Hast du zuerst rausfinden müssen, was du nicht willst, um zu wissen, was du willst?

Kitana: Schon! Ich wusste zwar, dass ich Musik machen will, aber ich bin zwischendurch abgedriftet. Plötzlich hab ich geglaubt, dass ich in der Wirtschaft erfolgreich werden könnte und mir Gedanken gemacht: Ist mein Traum doch zu schwierig zu erreichen? Dazu kommen schlechte Freundeskreise. Man hängt mit Leuten ab, macht sich bummzua. Und: Corona darf man auch nicht vergessen. Fast die gesamte Platte entstand während dieser Zeit. Deshalb ist es so düster geworden.

Ja, es hat einen beklemmenden Vibe.

Kitana: Extrem! Trotzdem musste es sein, es hat mich gereinigt … Aber weißt du, was mir echt wichtig ist zu sagen? Dass es urvielen Jugendlichen schlecht geht. Auch wenn sie auf Partys abhängen oder kiffen – die meisten machen es, weil sie sich leer fühlen. Vielleicht kann diese Platte einigen von ihnen Trost spenden, weil sie hören, dass es anderen auch beschissen ging, aber es besser werden kann.

Find ich cool, dass du das ansprichst! Zu Halloween gab es Ausschreitungen in Linz. In den Medien las man von „gewaltbereiten Jugendlichen mit Migrationshintergrund”. Dass sich hier eine Generation alleingelassen fühlt, es in den letzten zwei Jahren nur Krisen gab …

Kitana: Alter, weißt du, wie viele Leute gerade Depressionen und Panikattacken haben?

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Kitana (c) Matthias Leidinger

Die Leute hauen sich die Benzos nicht einfach so rein.

Kitana: Das ist es, ja! Natürlich nehmen Menschen manchmal Drogen, um Spaß zu haben. Wenn man das dauerhaft macht, lindert man aber nur seelische Schmerzen, die immer stärker zurückkommen. Ich kann mich gut erinnern, warum ich damals begonnen habe, Hip-Hop zu hören: Ich hatte so viel körperliche Wut in mir, gleichzeitig war da ein tiefer Schmerz … Plötzlich hab ich Songs von Sido gehört, „Straßenjunge” oder „Herz”, und mich verstanden gefühlt. Sie haben mir Trost gespendet und mich auf einen guten Weg gebracht. Dasselbe will ich auch bewirken.

Du willst Menschen erreichen, die wütend sind?

Kitana: Es ist egal, sie können auch fröhlich sein und Spaß haben! Momentan ist mir die Musik aber zu viel auf partymaty-oberflächlich.

Es sind nur noch Feel-Good-Vibes. Kein Schatten, kein Gegenteil.

Kitana: Genau, man kippt sich Lean, macht Party – irgendwann liegt man da und will sich umbringen!

Das! Weil nach jedem High irgendwann das Down kommt. Wenn man nur noch Highs erlebt, wird der Crash umso schlimmer.

Kitana: Das Problem ist: Wenn ein Jugendlicher Musik konsumiert, geht er auf Spotify und klickt auf eine Playlist – „Deutschrap Brandneu” oder „Modus Mio”. Wenn er dort nur High-Musik ist, wo soll er sich wiederfinden? Er müsste graben. Aber macht das ein Jugendlicher heute, der eine TikTok-Aufmerksamkeit von zehn Sekunden hat?

Ich versteh deinen Punkt! Es geht nur ums Stimulieren. Irgendwann kann man nicht mehr ohne.

Kitana: Deshalb bin ich froh, dass Spotify ein paar meiner Tracks auf Listen genommen hat. Wenn dabei zwei Leute hängengeblieben sind, reicht mir das schon!

Abgesehen davon: Auf Playlisten zu landen, ist mittlerweile essentiell, oder?

Kitana: Man kann das umgehen und zu Erfolg kommen, auch wenn man nie geplaylisted wird. Klar, es ist schwieriger, weil man sich was überlegen muss. Aber wenn man es wirklich will …

Bild Kitana
Kitana (c) Matthias Leidinger

Glaubst du an Berufung?

Kitana: Im Sinn von: Du bist bestimmt, etwas zu machen?

Ja, genau.

Kitana: Hundertprozentig! Im Song „Passion” geht es darum, dass ich mich dazu berufen fühle, Musik zu machen! Und ich bin absolut davon überzeugt, dass es klappen wird. Ich weiß zwar nicht, wann ich es schaffe. Aber dass es passieren wird, weiß ich genau, weil meine einzige Aufgabe ist, auf dem Weg zu bleiben. Wenn man diese Kraft hat und dabeibleibt – egal, wie viele Umwege man gehen muss – führt es irgendwann zum Ziel.

Vielleicht sind gerade die Umwege wichtig. Einfach nur ans Ziel zu kommen, wäre zu einfach.

Kitana: Ich hab letzthin über Ying und Yang nachgedacht. Es geht um Kontraste. Nur wenn dir etwas Negatives passiert, kannst du wissen, was gut für dich ist. Wenn man abdriftet, merkt man: Das ist nichts für mich …

Du meinst, eine innere Stimme weist dir den Weg?

Kitana: Auf das Bauchgefühl, ja! Deshalb muss man manchmal Risiken eingehen. Weißt du, ich hatte ein perfektes Bilderbuch-Leben in Villach. Alles war geregelt. Ich konnte halbwegs gut Musik machen, hatte ein funktionierendes Privatleben, meine Familie in der Nähe und sogar ein Auto. Dann bin ich ausgebrochen – und hab alles verloren. Mich hat meine Überzeugung angetrieben: dass ich in Wien nice Leute kennenlernen und meine Musik machen kann.

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Wann bist du nach Wien gezogen?

Kitana: Ende 2017. Danach durchlebte ich Höllenjahre. Ich hatte einen mental breakdown, weil ich mir immer wieder die Frage gestellt habe: War es richtig zu gehen? War es das wert? Meine Familie lebte weit weg, meine Freundin verließ mich. Dazu kamen viele Abstürze in irgendwelchen Wohnungen, außerdem befand ich mich in schlechten Kreisen mit noch schlechteren Leuten, die mir Versprechungen gemacht, aber nie eingelöst haben. Für mich als empathischen Menschen war das schwierig.

Weil du enttäuscht wurdest, nehme ich an. Das ist schade, weil man deswegen den naiven Zugang verliert, mehr hinterfragt …

Kitana: Ich versteh das. Als ich endlich richtige Leute kennengelernt hab, war ich zuerst urmisstrauisch. Ich dachte: Warte nur, sie werden dich ficken wie alle anderen davor. Man wird voreingenommen …

Man traut niemandem mehr. Dabei ist das die Grundlage für alle Beziehungen.

Kitana: Ich hab das auf dem Track „Slenderman” thematisiert. Dort spreche ich über fake friends: „Wer ist echt und wer von ihnen lügt / jeder Mensch Gefahr /wenn ich auf Herz und Nieren prüf.” Das ist der struggle! Aber was machst du? Du ziehst dich zurück in dein Kämmerchen und fühlst dich wie von Geistern beobachtet – wenn auch nur auf einer metaphorischen Ebene!

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Kitana (c) Matthias Leidinger

Wir sprechen von Erwartungen und Enttäuschungen. Wie gehst du mit dieser Spannung um?

Kitana: Es ist wichtig deine Schwächen zu erkennen, um deine Einstellung zu ändern, damit es dir besser geht. Deshalb befinde ich mich in Therapie – ich nenne es Coaching. Dort bespreche ich Dinge aus meiner Kindheit und traumatische Erlebnisse in der Jugend. Außerdem kann ich Druck aus meinem Alltag ablassen. Das ist für mich essentiell, sonst würde mich diese Welt kaputtmachen.

Wie offen du mit deiner Therapieerfahrung umgehst, respektiere ich voll! In der Gesellschaft ist das häufig noch ein Tabu …

Kitana: Weißt du warum? Weil das Wort so negativ besetzt ist. Sag doch einfach, dass es ein Coaching ist! Andere trainieren im Fitnessstudio oder lesen ein Buch – warum sollte man nicht zu einer Person gehen, die darauf spezialisiert ist, mental zu helfen? Stattdessen redet man immer nur von Krankheit. Ich finde: Personen, die in der Öffentlichkeit stehen oder Reichweite haben, müssen diese Themen ansprechen. Um anderen Leuten die Motivation zu geben, einen ähnlichen Weg einzuschlagen.

Ich hab heute den Trailer zu einem neuen Film von Jonah Hill gesehen. Er hat eine Doku über seinen Psychotherapeuten gedreht.

Kitana: Ich find das ultranice! Vor Kurzem hab ich gelesen, dass ein ehemaliger GZSZ-Schauspieler seine Therapiestunden öffentlich gemacht hat. Ich hab das zu Hause geschaut und war berührt, weil … Alter, das ist so stark! Das kann so vielen Leuten was geben!

Wir müssen einfach mehr darüber …

Kitana: Reden und wahrnehmen! Check doch mal, wie es deinem Bro oder deiner Freundin geht! Hab ein Auge für die Realität! Das Problem ist: Wir schauen uns gar nicht mehr an. Dabei bin ich davon überzeugt, dass man es spürt, wenn es jemandem schlecht geht. Das merken sogar Tiere. Wenn ich weine, kommt mein Hund sofort zu mir.

Sie spüren es besser als Menschen.

Kitana: Ja, sie sind einfach da. Das ist der Unterschied. Weißt du, meine Therapeutin meinte, dass ich Probleme habe, im Hier und Jetzt zu sein. Wenn ich mit meinem Hund Gassi geh, denk ich währenddessen darüber nach, was ich mache, wenn ich wieder zu Hause bin. Sie hat mir eine Übung vorgeschlagen: Immer wenn ich merke, dass ich abdrifte, sag ich mir innerlich fünf Dinge auf, die ich gerade sehe, rieche und höre.

Das ist eine Achtsamkeitsübung für die Gegenwart, oder?

Kitana: Genau! Wir sind nicht in der Gegenwart, weil wir permanent versuchen uns abzulenken. Dafür bin ich das schlimmste Beispiel: Ich fliehe die ganze Zeit aus meiner Realität.

Ich versteh das. Sich in eine Vergangenheit reinzudenken oder sich eine Zukunft vorzustellen, ist oft einfacher, als sich mit der Scheiße in der Gegenwart auseinanderzusetzen.

Kitana: Die Gesellschaft will – absichtlich oder nicht –, dass wir nicht im Hier und Jetzt sind. Man lenkt uns andauernd ab, damit du weiter konsumieren kannst.

Bild Kitana
Kitana (c) Matthias Leidinger

Manche Menschen machen Geschäfte damit, dass sie uns eine Zukunft verkaufen, die nie eintreten wird.

Kitana: Warum machen sie das? Weil Geld dahintersteckt, klar!

Diese Welt kennst du auch. Du hast für die Finanzbranche gearbeitet, oder?

Kitana: Leider kenn ich sie zu gut. Trotzdem: Das sind nicht meine Werte. Es ist ein Brotjob. Dadurch habe ich nicht den Anspruch anderer Künstler:innen, mit dem ersten Werk so viele Streams wie möglich zu machen. Ich will einfach Kunst machen.

Brenk Sinatra hat mir letzthin seine Story dazu erzählt. Er habe nebenbei über Jahre einen „Scheißjob” gemacht, bis er auf dem Weg zur Arbeit an einem Kiosk vorbeigekommen sei und sein Gesicht auf dem Cover eines Magazins gesehen habe. Danach ging er All-in für die Musik.

Kitana: Ey, wir haben da grad Deeptalk, oder?

Du erzählst mir etwas, ich erzähl dir etwas – das verlangt nach gegenseitigem Vertrauen, aber: So wird das auch für Leute interessant, die das lesen, weil sie sich mit dir identifizieren können.

Kitana: Das ist der Grund, warum ich gewisse Leute gefeiert habe und andere nicht! Sie haben Dinge gesagt, in denen ich mich wiederfinden konnte, weil sie emotionale Themen angegriffen haben und ehrlich waren. Schaffst du es, so zu connecten, hast du krasse Supporter-Fans.

Man könnte auch fragen: Was bringen dir 100.000 Insta-Follower, wenn niemand auf dein Konzert kommt?

Kita: Oder: Was bringt es dir, wenn du in den Playlists landest? Die Leute konsumieren nicht deine Musik, sie konsumieren nur die Playlist. Dann sehen sie dich auf der Straße, aber haben keine Ahnung, wer du bist.

Ich merk: Du willst kein Konsumprodukt sein. Du willst echte Kunst machen.

Kitana: Ich kann zehn verschiedene Sparten von Songs feiern, aber ich muss merken, dass jemand einen hohen Anspruch an die eigene Kunst hat – indem jemand Flows bringt, die ich noch nie gehört habe, ein emotionales Thema auf persönliche Weise verarbeitet oder beattechnisch einen neuen Sound prägt. Diese Leute merk ich mir! Wer aber kopiert, bekommt von mir keine Credits!

Es muss real sein …

Kitana: Das ist wie mit Charisma. Wenn ich ein Interview lese und mir denke: „Boah, ultranice, wie die redet!” Dann muss der Sound noch nicht perfekt sein, ich kann die Person trotzdem feiern, weil sie nice Werte vertritt. Das Problem ist: Heute geben neue Artists nicht mal mehr Interviews. Weißt du warum? Weil sie zu dumm sind, um überhaupt ein Gespräch führen zu können!

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Manche meinen: Es ist einfacher, in zwei Minuten auf Insta eine Story rauszuhauen, als sich eineinhalb Stunden mit jemandem über das Leben zu unterhalten.

Kitana: Wär eh OK, aber dann erzähl zumindest nicen shit in deinen Storys!

Nicen Shit, den niemand klickt, weil alle lieber Leuten zusehen, die 24/7 Bullshit labern.

Kitana: Es ist krass, wie manche noch Support aus der Musikszene bekommen, obwohl man weiß, was sie für Menschen sind. Weißt du, als Künstler sind wir in einer Cancel Culture. Wenn du gegen die falschen Personen was sagst, bist du weg. Aber manche Personen können sich alles erlauben und haben Erfolg.

Weil manche eine Marke sind, an denen viele Leute Geld verdienen.

Kitana: Trotzdem glaube ich, dass man es auch anders schaffen kann. Dass man Kunst über den Konsum stellen kann und mit Musik, die aus dem Herzen kommt, Erfolg haben kann. Davon gibt es zwar nicht so viele Beispiele, aber es ist möglich.

Welche Beispiele gibt es?

Kitana: Sierra Kidd zum Beispiel. Der Junge hat ein gutes Herz und mit „Living Life In The Night“ einen Welthit gelandet. Cheriimoya, die Main Artist auf dem Song, hat in den USA jetzt einen Sony-Deal gesignt. Das ist eine der größten Dinge, die in der deutschen Musikszene passiert sind.

An der Geschichte merkt man auch: Echte Gefühle sind möglich. Das merkt man auch an einer neuen Generation, die andere Werte in den Vordergrund stellen.

Kitana: Darf ich dich was fragen? Wie nimmst du Rapperinnen wahr, die gerade erfolgreich sind?

Du meinst optisch? Als Barbies?

Kitana: Genau. Es geht um Sex-Sells-Style! Weißt du, auch mir haben Berater und Manager und solche Leute geraten: „Mach doch mehr auf sexy.” Die Sache ist: Viele Frauen fügen sich dem! Ich hab gesagt: „Ich mach das nicht, weil ich das nicht bin. Ihr macht Optik, ich mach Skills!“ Wenn Männer Kitana hören, bekommen sie keine Sex-Vibes, sondern krasse Bars und fette Punchlines. Das soll nicht heißen, dass ich nicht respektiere, wenn Frauen so eine Kunst machen. Aber: Was ist mit den Frauen, die sich damit nicht identifizieren können? Viele haben nicht den Mut, ihren Weg in der Kunst einzuschlagen, weil ihnen die Vorbilder fehlen. Das muss sich ändern. Daran arbeite ich!

Danke für das Gespräch!

Christoph Benkeser

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Links:
Kitana (Instagram)