„Ich glaube, dass wir und unsere Musik sehr nahbar sind“ – JANKA im Mica-Interview

Wenn eine Band ihr Debütalbum „Nicht von dieser Welt“ (VÖ: 23.10.2026) tauft und sich für die visuelle Umsetzung einen Astronautenhelm der österreichischen Weltraumforschung ausborgt und überstülpt, rechnet man vermutlich mit Space-Pop oder eskapistischer Konzeptkunst. Bei der vierköpfigen Indie-Band JANKA ist das genaue Gegenteil der Fall: Ihre Musik ist zutiefst irdisch, voller Gefühle und direkt aus dem Alltag gegriffen. JANKA verpacken auf dem Album das Gefühl des Außenseiterseins in Pop-Melodien und zeigen auf, dass man in Wirklichkeit nie ganz alleine ist. Im Gespräch mit Katharina Reiffenstuhl erzählen Sängerin Bianca Ehrenstraßer und Schlagzeuger Finn Achatz über die Arbeit an der Platte, potenziell noch fehlende Bandmitglieder, und wieso Intimität am Ende absolut keine großen Stadionbühnen braucht.

Demnächst erscheint euer allererstes Album. Seit wann arbeitet ihr daran?

Bianca Ehrenstraßer: Die Songs gibt es teilweise schon ziemlich lang. Ich glaube, da sind Songs drauf, die hat es in der ersten Idee schon vor der Band gegeben. Manche sind aber auch erst im Laufe des letzten Jahres entstanden. Der Gedanke oder das wirkliche Ziel, ein Album daraus zu machen, existiert seit ungefähr einem Jahr. Das war ein schöner Prozess dorthin, und ich glaube, es ist jetzt einfach eine schöne Ansammlung an Songs entstanden, hinter denen wir voll stehen. Es ist toll, dass man das jetzt mal gesammelt auf einer Platte hat.

Wie hat das euren musikalischen Prozess verändert, dass ihr ab einem gewissen Punkt auf ein Album hinarbeiten wolltet?

Finn Achatz: Ich finde schon, dass es eine sehr intensive Zeit war, weil dieses Thema im letzten Jahr eigentlich immer präsent war.

Bianca Ehrenstraßer: Ja, es hat uns einen klaren Fokus und ein klares Ziel gegeben. Es ist schön, wenn man gemeinsam als Band darauf hinarbeitet. Auf dem Weg dahin sind dann auch noch neue Songs entstanden, was cool war, weil wir gleich gemerkt haben: „Ah ja, das integriert sich auch noch ganz gut ins Album, das nehmen wir direkt mit rein“. Das Album heißt ja „Nicht von dieser Welt“ und wir haben aber eigentlich eher im Nachhinein erst gemerkt, dass es in vielen Songs um dieses Außenseiter-Gefühl geht, dass man sich selbst so ein bisschen als Außenseiter wahrnimmt. Ob man das dann wirklich ist oder nicht, sei dahingestellt.

Finn Achatz: Eigentlich geht es ja gerade darum, dass thematisch alle davon betroffen sind und jeder sich manchmal ein bisschen als Außenseiter fühlt. Dadurch ist es am Ende vielleicht auch wieder verbindend.

Bianca Ehrenstraßer: Genau. Dieses „Nichts von dieser Welt“ bezieht sich also eher auf den Gedanken des Außenseiter-Daseins und nicht auf etwas Abgespacedes wie Aliens.

Was war euer größtes Learning im Album-Entstehungsprozess?

Bianca Ehrenstraßer: Dass es doch sehr hilfreich ist, wenn man nicht alles alleine macht. Die vorherigen EPs haben wir alle in Eigenregie gemacht, wir hatten kein Label. Wir sind jetzt sehr froh, dass wir das Album gemeinsam mit FEBER WOLLE veröffentlichen. Wir hatten auch eine PR-Managerin am Start und haben Geld in die Promo investiert, was wir bisher noch nie gemacht haben. Das macht schon Sinn.

Finn Achatz: Ich finde es auch richtig cool, so ein großes Projekt zu haben, das man dann auch wirklich abschließen kann. Dass es wieder ein Ende hat. Im Gegensatz zu den EPs davor, das fühlte sich immer sehr fortlaufend an.

 Bianca Ehrenstraßer: Das war dann immer ein „Passt, jetzt haben wir fünf Songs, jetzt ist es eine EP“. Und dann ging es direkt wieder weiter.

Bild der band JANKA
JANKA © Dino Bossnini

Fühlt es sich für euch an, als wäre es jetzt abgeschlossen?

Bianca Ehrenstraßer: Ich finde, ab dem Moment, wo wir es für die Vinyl-Pressung rausgeschickt haben, war es irgendwie abgeschlossen. Da hat man dann das Cover und die Reihenfolge der Songs richtig finalisiert. Das war ein schönes Gefühl, und jetzt freuen wir uns auf die Testhörung.

Was glaubt ihr, ist der Eindruck von eurer Musik, wenn Leute euch hören, die euch bis dato nicht gekannt haben?

Bianca Ehrenstraßer: Ich glaube, dass sich viele Menschen in den Songs wiederfinden, weil es oft sehr alltagsbezogene Themen sind oder einfach Dinge, die viele Menschen irgendwann im Leben mal beschäftigen. Deswegen hoffe ich, dass viele damit relaten können. Das kriegen wir auch als Feedback zu den Songs, die schon draußen sind oder die wir live gespielt haben. Ich glaube, dass wir und unsere Musik sehr nahbar sind, auch auf der Bühne. Das spiegelt sich in unserer Musik wider.

„DIE MUSIK IST AUCH DAZU DA, DASS MAN SICH SICHERER FÜHLT ODER EINE BEGLEITUNG HAT, WENN MAN VIELLEICHT EINSAM IST“

Ihr empfehlt, das Album alleine im Zug zu hören. Warum?

Bianca Ehrenstraßer: Das ist ein Satz, den ich einmal geschrieben habe, und der verfolgt uns jetzt ein bisschen. (lacht) Ich selbst höre sehr gerne Musik im Zug oder wenn ich alleine unterwegs bin. Der Zug war einfach der erste Moment, der mir dazu eingefallen ist, als die Frage gestellt wurde.

Finn Achatz: Die Musik ist auch dazu da, dass man sich sicherer fühlt oder eine Begleitung hat, wenn man vielleicht einsam ist. Und um das geht es ja: Gerade, wenn man alleine im Zug ist, ist es vielleicht eine gute Erinnerung daran, dass man mit den ganzen Themen eigentlich nicht alleine ist.

Ihr habt sehr hörbare Einflüsse von WIR SIND HELDEN und ähnlichen Bands. Wie viel davon hört ihr aktuell noch privat?

Bianca Ehrenstraßer: Ich höre schon noch sehr viel WIR SIND HELDEN, DIE HÖCHSTE EISENBAHN, MOLA oder VON WEGEN LISBETH. Aber natürlich nicht nur deutschsprachige Musik, auch ein bisschen PARCELS zum Beispiel. Das ist ganz unterschiedlich, wir kommen in der Band alle aus verschiedenen Bereichen. Finn hat mehr Kontakt mit Jazz.

Finn Achatz: Ich höre aber auch viel Indie-Pop.

Bianca Ehrenstraßer: Carole kommt auch aus der Klassik. Da fließt sehr viel hinein.

Wie seid ihr dann gemeinsam im Indie-Pop gelandet?

Bianca Ehrenstraßer: Ich glaube, das ist dadurch entstanden, dass ich irgendwann entschieden habe, deutschsprachige Lieder zu schreiben und nicht mehr auf Englisch. Das hat sich für mich richtiger angefühlt, und ich konnte mich besser und direkter ausdrücken. Ich habe das Gefühl, die Texte kommen in der Muttersprache noch mal besser rüber. Zu der Zeit, als die ersten Songs für JANKA entstanden sind, habe ich auch sehr viel deutschsprachige Musik gehört. Der Sound der Band hat sich gemeinsam im Proberaum geformt. Auch als Carole dann als viertes Mitglied mit der Trompete dazugekommen ist, war das noch ein wichtiges Element. Erst als wir zu viert waren, hat sich das richtig rund und komplett angefühlt. Da wusste ich: „Okay, das ist der Sound und da geht’s hin.“

Würdet ihr sagen, ihr seid jetzt komplett?

Finn Achatz: Ich frage mich schon manchmal, ob nicht noch eine fünfte Person cool wäre.

Bianca Ehrenstraßer: Ich hätte eigentlich sehr gern noch eine fünfte Person dabei, eine Lead-Gitarristin. Ich sehe mich mehr als Rhythmus-Gitarristin.

Finn Achatz: Manchmal wäre es schön, wenn alles noch ein bisschen fetter klingen würde. Aber zu fünft ist dann auch wieder alles komplizierter. Zu viert sind wir jetzt eine ganz schöne Gruppe.

Bianca Ehrenstraßer: Es harmoniert auf jeden Fall. Ich wäre aber offen dafür, das zu erweitern, wenn wir eine fünfte Person finden, die menschlich und musikalisch voll gut passt. Vielleicht auch als Add-on, dass man fix zu viert ist und sich manchmal noch jemanden dazuholt.

Bild der Band JANKA
JANKA © Dino Bossnini

Ihr seid vor Kurzem im ZDF-Morgenmagazin aufgetreten. Wie war diese Erfahrung für euch?

Bianca Ehrenstraßer: Ja, sehr aufregend natürlich – und sehr früh. Unser Auftritt war zwar erst um 8:20 Uhr, aber man wird halt um 5:45 Uhr abgeholt. In dem Moment, wo es hieß: „Okay, wir sind live in zehn, neun, acht…“, habe ich versucht, nicht daran zu denken, wie viele Menschen das jetzt gerade live im Fernsehen sehen. Danach war es eigentlich ganz entspannt.

Finn Achatz: Ich fand es auch richtig gut, alle dort waren extrem professionell und haben sich sehr gut um alles gekümmert. Das war wirklich sehr besonders.

Seid ihr generell vor Shows und Auftritten noch aufgeregt oder legt sich das mit der Zeit?

Bianca Ehrenstraßer: Der erste Fernsehauftritt war natürlich besonders aufregend. Aber ich bin schon meistens noch ein bisschen nervös. Das kommt immer darauf an, wer gerade im Publikum ist.

Jetzt spielt ihr morgen am Waves. Wie bereitet man sich darauf vor?

Bianca Ehrenstraßer: Unsere Setlist gut überlegen und proben. Wir haben einen neuen Bassisten, der erst seit einem Monat dabei ist, deswegen war die Probezeit für dieses neue Set generell ein bisschen kürzer. Aber wir bereiten uns eigentlich ähnlich vor wie auf jedes andere Konzert. Man versucht ja immer, eine gute Show zu liefern.

„WIR PROBIEREN IM PROBERAUM VIEL AUS, BIS ES SICH FÜR ALLE RUND ANFÜHLT“

Gibt es einen Bühnenmoment aus dem letzten Jahr, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Finn Achatz: Bremen. Oder Hamburg jetzt gerade. In Hamburg am Reeperbahn Festival auf dem Spielbudenplatz, das war eine sehr große Bühne. Der Gig kam ein bisschen unerwartet und recht kurzfristig, aber es hat sich wirklich riesig angefühlt. Das war cool.

Bianca Ehrenstraßer: Da habe ich mich auf der Bühne auch sehr wohlgefühlt. Wir haben, glaube ich, alle ausgeblendet, wie viele Menschen da sind, und einfach Spaß gehabt. Es war toll, auch mal spät um 21 Uhr auf einem Open Air zu spielen. Zwar bei strömendem Regen. Aber als Newcomer-Band hat man auf Festivals ja oft eher die Nachmittags-Slots.

Eure Songs handeln von unterschiedlichsten Themen, teilweise auch sehr tiefgründigen. Gleichzeitig finde ich, dass eure Musik rein melodisch eher positiv und nach guter Laune klingt. Wie funktioniert das?

Bianca Ehrenstraßer: Wir probieren im Proberaum viel aus, bis es sich für alle rund anfühlt. Ich habe auch schon oft gesagt, dass diese Leichtigkeit in den Songs einfach vorhanden ist – das ist nicht so, dass wir das bewusst erzwingen. Vielleicht sind wir einfach chillige, leichte Menschen. (lacht)

Das bringt in schwere Themen zumindest eine gewisse Leichtigkeit hinein. Ein Beispiel ist „Bitte geh“, wo es ja um Gewalt in der Beziehung geht.

Bianca Ehrenstraßer: Der Song klingt für mich persönlich gar nicht so leicht, aber vielleicht nehme ich den auch anders wahr. Da habe ich schon das Gefühl, dass er oft sehr schwer ist, aber er gibt halt auch irgendwie Hoffnung. Im Endeffekt hat es die Freundin, um die es da geht, wirklich geschafft, sich aus dieser toxischen Beziehung loszureißen. Sie hat den Schritt gewagt, die Anzeige gemacht und all das. Das war am Ende dann doch etwas Schönes.

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Habt ihr einen persönlichen Favoriten auf dem Album?

Bianca Ehrenstraßer: Wir haben alle unterschiedliche Favoriten. Meiner ist „Wenn du dann weg bist“, das war die erste Single. Als ich die ersten Zeilen vom Refrain geschrieben habe, hat sich der sofort ein bisschen wie ein Hit angefühlt. Das klingt jetzt voll blöd, aber ich war auf diese ersten Zeilen irgendwie total stolz, weil es so catchy war. Ich finde sehr cool, was aus dem ganzen Song entstanden ist, und ich spiele den auch live am allerliebsten.

Finn Achatz: Mein Lieblingssong gerade ist „Nicht alleine in der U-Bahn“. Ich weiß gar nicht genau warum, aber ich finde ihn sehr schön anzuhören, und die Welt, in die man dabei kommt, ist ganz fein und sehr wohltuend. Er macht auch großen Spaß zu spielen, weil wir den lange nicht live im Set hatten. Das ist eigentlich einer unserer ältesten Songs, den wir fürs Album noch mal ein bisschen aufgefrischt haben.

Wieso wolltet ihr den so lange nicht spielen?

Finn Achatz: Wie das so mit Songs passiert: Manche liegen einfach irgendwo herum und dann singt man sie nicht. Man hat irgendwie andere Songs…

Bianca Ehrenstraßer: … neue Songs, die machen meistens mehr Spaß beim Spielen, weil sie wieder frischer sind. Und dann müssen andere eben von der Setlist weichen. Wir haben das Privileg, dass wir mittlerweile so viele Songs haben und uns aussuchen können, was wir live spielen und was nicht.

Gibt es Songs aus eurer Anfangszeit, die ihr heute eigentlich nicht mehr so gern habt?

Bianca Ehrenstraßer: Ein paar spielen wir nicht mehr live, aber ich finde sie eigentlich alle ganz gut. Es gibt keinen Song, bei dem ich mir denke: „Oh Gott, mir wäre lieber, der wäre jetzt nicht auf dieser EP gelandet.“

Finn Achatz: Vor allem zum Album hin hat sich unser Stil ein bisschen verändert. Die ersten Singles und EPs klangen noch ein bisschen anders.

Bianca Ehrenstraßer: Der Sound ist jetzt homogener. Früher hatten wir vielleicht noch mehr Bossa-Nova-Elemente in den Songs drin. Das macht auch mal Spaß zwischendurch, aber jetzt passt es halt nicht mehr so. Und das ist auch okay.

Wie geht es jetzt weiter? Nach Album & Tour?

Bianca Ehrenstraßer: Pause. (lacht) Na, ich hoffe, dass wir nächstes Jahr einige coole Festivals spielen können. Darauf habe ich am meisten Lust.

„DER BESTE MOMENT FÜR MICH WIRD SEIN, WENN WIR IRGENDWANN EINE AUSVERKAUFTE SHOW SPIELEN UND EINFACH ALLE DEN TEXT MITSINGEN KÖNNEN – EGAL WIE GROß DER SAAL IST“

Was wäre der Traum?

Bianca Ehrenstraßer: Es gibt nicht den einen konkreten Traum, aber ich liebe solche kleinen Festivals wie das Acoustic Lakeside. Das sind auch realistische Ziele, glaube ich. Ich weiß gar nicht, ob ich unbedingt am Frequency spielen will. Ich glaube, ich spiele tatsächlich lieber auf einem Acoustic Lakeside. (lacht)

Finn Achatz: Ich hätte Lust, ein bisschen mehr zu touren. Mir macht das Rumfahren mit der Band sehr viel Spaß.

Bianca Ehrenstraßer: Nightliner!

Finn Achatz: Ein Nightliner, ja, das wäre für nächstes Jahr schon was.

Bianca Ehrenstraßer: Dadurch, dass ich so gerne kleine Konzerte spiele, finde ich es auch okay, wenn es einfach so weitergeht wie bisher. Solange unsere Musik noch mehr Menschen erreicht, das wünsche ich mir natürlich schon. Der beste Moment für mich wird sein, wenn wir irgendwann eine ausverkaufte Show spielen und einfach alle den Text mitsingen können – egal wie groß der Saal ist.

Danke euch!

Katharina Reiffenstuhl

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JANKA live:
24.10. Salzburg, Jazzit mit Kommando Blaubart
29.10. Innsbruck, mariatheresia
18.11. Graz, Cafe Wolf
19.11. Wien, Lucia mit Spink
21.11. Kirchdorf an der Krems, Cafe Hildegard

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