Human x AI – Teil 2: FIIO

Die Serie “Human x AI” beleuchtet Künstliche Intelligenz und wie Musikschaffende damit umgehen aus unterschiedlichen Perspektiven. In kurzen schriftlichen Interviews geben acht Musikschaffende Einblicke in ihre Erfahrungen, und zeigen, wie sie den Einfluss von KI auf ihre Arbeit und die Zukunft der Musikbranche beurteilen. Im zweiten Teil spricht FIIO aka Flo Stundner über Bedrohungen, Autorschaft und eine analoge Renaissance.

KI in der Musik: Nutzt du KI bereits in deinem kreativen oder technischen Workflow? Wenn ja, wofür konkret?

Also ich versuchs so gut es geht zu vermeiden. Logisch such ich manchmal hier und da mal ein schnelles Wort das sich reimt oder versuch den Texthänger irgendwie damit zu überbrücken aber da sind die Tools eben nur so gut wie der Input dem man ihnen gibt. Auch bei den ganzen Plug Ins die man in so ner modernen Musiksession laufen hat hab ich fairerweise keine Ahnung was da mit KI funktioniert oder was nicht. Grundsätzlich bin ich aber weit weg von der Idee einen ganzen Song oder einen Songtext von so Programmen anfertigen zu lassen. Das find ich einfach nur deppert

Bild des Musikers Fiio
Bild © Fiio

Chancen & Risiken: Siehst du KI eher als Bedrohung für musikalische Berufe oder als Chance – und warum?

Also bedrohend find ichs schon. Gerade weil die Kennzeichnung, Einordnung oder Gesetzlichkeiten sich nicht so schnell entwickeln wie die KI im Musikbereich. Dadurch hinkt die Regulierung halt immer hinterher. Und genau während diesen Zeiten wo das eben noch nicht eingeordnet werden kann, passieren immer scheiß Sachen. KI Bands oder KI Künstler*Innen die man für echt hält oder riesige Datenbänke echter Musik die einfach, ohne zu fragen, als Trainingsmaterial für KI Programme verwendet werden.

Chancen seh ich irgendwie deshalb nicht so richtig. Wie gesagt is es für mich ab und zu ganz nett da ein Reimwort zu suchen aber das hab ich halt davor mit Reimwörter.de oder sowas gemacht haha. Ich seh im musikalisch- kreativen Prozess ehrlicherweise nix was sich durch KI großartig erleichtern lassen sollte. 

Kreativität & Autorschaft: Verändert KI deiner Meinung nach den Begriff von Kreativität oder musikalischer Urheberschaft? Wo ziehst du persönlich die Grenze?

Also ich würde sagen KI rückt das Thema Autorschaft oder Urheberschaft einfach extrem ins Rampenlicht. Jetzt, mit diesen aktuellen Entwicklungen, ist es umso wichtiger das wir diese Themen wie beispielsweise: “Wem gehört diese Musik? Wer hat diese Musik gemacht?“ konkret definieren, festhalten und absichern. Ich hab keine Lust das meine Musik für irgendwelche KI Trainingsprogramme hergenommen wird ohne das ich darüber entscheiden darf. Meine Musik is für Menschen da. Nicht für Maschinen. 

“Am ende MUSS DIE POLITIK AUF DIE KNÖPFE DRÜCKEN. ES BRAUCHT GESETZE UND VERBOTE. KEIN HUNDERTSTES GESPRÄCH.”

Ästhetik & Sound: Glaubst du, dass KI den Sound von Musik prägen könnte – oder führt sie eher zu Vereinheitlichung und Austauschbarkeit?

Also ich glaube es passiert gerade beides. 

Auf der einen Seite gibt es, zumindest in meiner Wahrnehmung, ein Rückbesinnen in Richtung roheren Sounds und Musik die eigen klingt. Der superglatte Pop Sound aus den 2010ern is ja auch nimma wirklich Chart- reif heute. I guess es gibt grad eine Art Analog Renaissance. Und dieser Schritt hat ja auch etwas reaktionäres. KI macht vieles in der Musik zugänglicher aber eben auch einfacher, einheitlicher und austauschbarer. Also reagiert vieles in der Musik mit: “Aso na wenn das so is dann will ich das alles klingt wie von vor 50 Jahren. Spul die Gitarre durch eine Tonbandmaschine. Nimm irgendwas über einen gottlos schlecht klingenden Verstärker auf. Deine Stimme hat paar Kratzer oder Eigenheiten die man im Song hört? Perfekt.“ 

Wie sollten Labels, Verwertungsgesellschaften oder die Politik im Umgang mit KI agieren (Stichwort Transparenz, Rechteverwertung etc.)?

Agieren. Agieren. Agieren. Wenn ich noch einmal irgendwas von einer blöden Taskforce lese krieg ich glaub ich Krise. Dieses Thema zeigt halt mal wieder wie gottlos langsam unsere Staatsapparate funktionieren. Weil die haben es ja leider dann oft in letzter Instanz in der Hand was durchzusetzen. Musiker*Innen haben schon so lange eine, würd ich sagen, mehrheitlich einige Meinung zu diesen Themen. Auch Verwertungsgesellschaften, Labels oder Künstler*Innenvereinigungen haben sich positioniert. Aber am Ende muss die Politik auf die Knöpfe drücken. Es braucht Gesetze und Verbote. Kein hundertstes Gespräch. 

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