HEARTS HEARTS – „Young“

„Gut Ding will Weile haben“, das ist eine sehr ausgelutschte und meist ohne Hintergedanken ausgesprochene Floskel. Doch im Fall von HEARTS HEARTS passt sie wie die Faust aufs Auge. Und um die Sprachklischees nun hinter uns zu lassen, ganz kurz: HEARTS HEARTS haben ihr Debütalbum „Young“ (Tomlab) veröffentlicht, und es ist wunderschön.

Man kann es als übertrieben erachten, gleich mit der Essenz des Reviews herauszuplatzen, aber es ist auch einfach die ehrliche Art. Die Wiener Band hat sehr viel Zeit und Kreativität in dieses Album hineingesteckt, und das kann man sofort hören. Deswegen ist es nur fair, gleich zu sagen, dass es sich lohnt, der Platte eine Chance zu geben. Auf „Young“ treffen verschiedene Musikstile aufeinander, die zuerst schwer zu benennen sind. Nach ein, zwei Liedern kristallisieren sich aber schon die Anspielungen und Anleihen heraus. So wie die Stimme des Sängers David Österle, die eine Mischung aus Jonsi von Sigur Rós und Joe Newman von Alt-J zu sein scheint. Wobei sie in den meisten Liedern aufgrund der sehr eigenen Art zu singen doch eher an Letzteren erinnert.

Viele Genres, einzigartiger Stil

Auch die Musik hat so ein bisschen was von der britischen Band Alt-J. Hearts Hearts sind elektronischer, melancholischer und nicht ganz so rockig, aber die Untertöne wirken präzise abgestimmt und kontrolliert, wenn auch mit eingeplantem Chaos dahinter. Und je weiter man in das Album reinhört, desto stärker wird das Gefühl, dass man das Gehörte irgendwoher kennt. Es ist, als ob einem das richtige Wort auf der Zunge liege, man es aber nicht aussprechen könne. Am ehesten befriedigt der Vergleich mit Radioheads legendärem Album „In Rainbows“. Und nein, daran ist nicht nur Thom Yorkes Tenor schuld. Es sind eindeutig die sehr harschen Drums, die ihren Platz häufig im Vordergrund einnehmen. Es sind auch die Gitarrenmelodien, die gleichzeitig modern, aber auch ziemlich retro sind.

Bei „Young“ kommen dann noch experimentelle Töne und Geräusche dazu, die knistern, ploppen und wummern. Es sind die Freigeister in einer kontrollierten Soundlandschaft. Sie werten die einzelnen Songs nicht nur auf, sondern geben ihnen den wirklich individuellen Touch. Ein gutes Beispiel dafür ist der Art-Rock-Song „Young“, der durch den Drum-and-Bass-Beat einen eigenen Charakter entwickelt, der im Refrain durch ganz eigenartige hohe Töne verstärkt wird. Am ehesten kann man sie mit dem Hintergrundgesang auf Björks „Oceania“ vergleichen, wenn die Stimmen des isländischen Frauenchors wie eine Flutwelle anschwellen.

Effekte, die Individualität erzeugen

Auch „Bent Pyramid“ besticht durch den Einsatz von Effekten. Und natürlich durch die Musik, die irgendwie an brenzlige Situationen in Krimifilmen erinnert. Interessanterweise kann man manchmal gar nicht wirklich sagen, was elektronische Töne und was echte Streicher sind, da alles auf sehr organische Art ineinanderläuft. Man kann die Musik von Hearts Hearts anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig finden, aber spätestens nach dem dritten Lied wird man ganz in diese Soundwelt hineingezogen.

Anne Marie Darok
Foto Hearts Hearts (c) Christoph Hudl

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