ELEKTRO GUZZI veröffentlichen ein neues Album. Das ist eine gute Nachricht für alle, die anständigen Techno mögen. Und also eine gute Nachricht für den anständigen Techno. Was sich im Loop tut, haben Breuer, Hammer und Schneidewind mit Christoph Benkeser im Studiokeller besprochen.
Ihr macht aktuell eine Mediation, wollt ihr darüber sprechen?
Alle: Nein!
Ja?
Bernhard Breuer: Na, es ist viel passiert, allein in den letzten zwei Jahren …
Jakob Schneidewind: Und zusammen sind wir seit fast 20.
Bernhard Hammer: Irgendwann brauchst du so etwas wie eine … Paartherapie.
Bernhard Breuer: Ja, wir bekommen Werkzeuge, mit denen wir besser miteinander umgehen können.
Weil das davor nicht mehr so war?
Bernhard Hammer: In den letzten Jahren hatte jeder von uns mit gesundheitlichen Dingen zu tun. Das Ding ist: Sobald einer ausfällt, steht das Ganze. Das erzeugt …
Unzufriedenheit?
Bernhard Hammer: Ja, trotzdem haben wir nie aufgehört, immer weitergemacht …
Es erscheint immerhin das neunte Album.
Bernhard Hammer: Das elfte sogar! Dazu machen wir mit dem Label alles selbst und betreuen den Prozess der Veröffentlichung von Anfang bis Ende. Weil wir sehen, dass wir das als Gruppe zusammenbringen, wollen wir das weiterhin tun. Deshalb stecken wir auch Energie in uns.
„DIESE ZUSTÄNDE ZU FINDEN, WAR MÜHSAM.”
Reden wir über das Produkt dieser Energie: „Liquid Center”
Bernhard Hammer: Wir haben das Album über ein Jahr produziert. Das war lang … Die letzten Monate haben keinen Spaß mehr gemacht. Es war eher eine richtige Hackn!
Jakob Schneidewind: Na ja, jedes Album hatte so einen …
Geburtsschmerz?
Jakob Schneidewind: Man fängt jedes Mal mit einem leeren Blatt an. In unserem Fall sind es sogar drei leere Blätter, die wir zusammenführen müssen. Das heißt nicht, dass wir nicht dazulernen, wir beginnen immer woanders. Aber …
Der Drang ins Detail verursacht einen größeren Schmerz?
Bernhard Breuer: Es sollte akustischer werden und cinemascopischer als zuvor. Deshalb haben wir auch eher von Zuständen als von klassischen Technotracks gesprochen. Diese Zustände zu finden, war mühsam. Und oft frustrierend.
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Bernhard Hammer: Ja, wir hätten auch vor einem halben Jahr fertig sein können. Wir sind aber im Suchmodus geblieben und haben gewartet, bis etwas kommt, das uns kickt. Das ist – in dieser damaligen Phase – schwierig gewesen. Weil wir uns auf das Probieren einigen mussten und nicht auf das Ausführen.
Jakob Schneidewind: Außerdem wollten wir nicht mehr nur Clubenergie in den Tracks haben – einfach weil wir weniger in Clubs gespielt haben …
Bernhard Hammer: Ich würde schon gern wieder in Clubs um vier Uhr früh spielen.
Bernhard Breuer: Der Wille wäre bei uns allen da.
Woran scheitert es?

Bernhard Hammer: Man versteht es dort nicht mehr … Deshalb gibt es wenig Anfragen in diese Richtung. Außerdem bedient unsere jetzige Agentur stärker das Konzert- und weniger das Club-Klientel.
Jakob Schneidewind: Und … wir werden älter, sind nicht mehr jedes Wochenende auf Partys unterwegs …
Bernhard Breuer: In einem Club zu spielen, war schon damals speziell. Einfach, weil richtige Technoclubs keine Live-Band veranstalten. Selbst der Gig in der Panorama Bar war einzigartig.
Bernhard Hammer: Ja, sie haben das danach nie wieder gemacht.
Jakob Schneidewind: Weil sie dort eine Bühne reinstellen mussten …
Trotzdem ging es eine Weile – jetzt nicht mehr?
Jakob Schneidewind: Die Clubkultur leidet unter den ökonomischen Nachwirkungen der Coronazeit – sie hat sich stärker in andere Formate wie Festivals verlagert. Uns hat der Club aber nie losgelassen. Auch wenn man das auf diesem Album vielleicht anders wahrnimmt.
„DAS WAR EINE ENTDECKUNG FÜR UNS, EIN HIGH!”
Bernhard Hammer: Dabei ist es gerade im Club interessant, akustische Elemente zu hören. Sie klingen dort anders, man erwartet sie nicht. Für „Liquid Center” haben wir auch zum ersten Mal eine neue Aufnahmetechnik verwendet. Wie sich die Instrumente neu zusammenfügen, war eine Entdeckung für uns, ein High!
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Kannst du das so erklären, dass ich es verstehe?
Bernhard Hammer: Wir wollten das Schlagzeug hörbar machen, so wie wir es hören, wenn wir im Raum stehen. Das Problem bisher war: Die Verstärker haben dafür gesorgt, dass der Bass auf der einen und die Gitarre auf der anderen Seite standen. Irgendwann haben wir gecheckt: Auf derselben Höhe des Schlagzeugs müssen Boxen stehen, die Bass und Gitarre gleich laut abspielen. Auf einmal wirkt es, als wäre alles aus einem Guss.
Bernhard Breuer: Ein Guss, den wir mit einem Stereo-Mikrofon abnehmen konnten. „Lithosphere” ist zum Beispiel ausschließlich so entstanden.
Bernhard Hammer: Ja, was wir hören, ist das fertige Ding. Einfach, weil die Abstimmung zwischen den Instrumenten im Raum stimmt.

Jakob Schneidewind: Dadurch können wir leise spielen, es klingt akustisch, luftig.
Wie das Cover …
Bernhard Hammer: Von Klaus Pichler. Er hat diesen Natur-Touch eingefangen.
Ein Touch, mit dem ihr euch zuletzt auch präsentiert. Hat fast schon was von den Beatles in Indien.
Bernhard Hammer: Ja, voll. Die Outfits stammen von der Wiener Designerin Ferrari Zöchling.
Bernhard Breuer: Außerdem wollten wir uns in die Natur stellen. Aber in etwas, das sie konterkariert. Deshalb sind die Outfits eine Steigerung zum Hippiemäßigen. Es ist absurd hippie.

Bernhard Hammer: Es gibt noch Fotos, die das stärker zeigen.
Bernhard Breuer: Wir – also Jakob und ich – sind nur zu feig, uns so zu zeigen. Berni ist in Sachen Outfits viel mutiger.
Das heißt, für dich wäre es eine Verkleidung, für Bernhard Hammer ein Outfit?
Bernhard Breuer: Ich kann mich an unseren ersten Japan-Trip 2010 erinnern. Wir sollten in Kostümen auftreten, die Jakob organisiert hat. Zwei Minuten vor dem Auftritt habe ich gesagt: „Ich zieh das nicht an!”
Jakob Schneidewind: Dabei waren die Kostüme im Vergleich zu den aktuellen Fotos harmlos.
Bernhard Breuer: Wir haben die noch. Vielleicht ziehen wir sie im Radiokulturhaus an?
Bernhard Hammer: Ich pass da nicht mehr rein …
Wegen der Muskeln.
Bernhard Hammer: Klar.
Ich dank euch für die Zeit!
Christoph Benkeser
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Elektro Guzzi auf Tour 2025/2026:
20. November 2025, Radiokulturhaus Wien
21. November 2025, Stadtwerkstatt Linz
22. November 2025, Treibhaus Innsbruck
20. Dezember 2025, Spielboden Dornbirn
29. Januar 2026, Cinezone Krems
30. Januar 2026, Röda Steyr
31. Januar 2026, Jazzit Salzburg
27. Februar 2026, Kino Ebensee
28. Februar 2026, A38 Budapest
27. März 2026, Kino Šiška Ljubljana
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