„Es ist unsere Art, real zu sein“ – DISKOROMANTIK im mica-Interview

Mit „Besoffene Lover“ haben DISKOROMANTIK ihr Debüt-Album veröffentlicht. Das Trio rund um HEISSE LUFT-Labelgründer HIPHOP JOSHY, JONAS HERZ-KAWALL und Produzent MELONOID bricht Boom bap mit AutoTune und Herzen mit Hooks, die in der Sonntagspanier in den Club marschieren – um sich zu betäuben, aber außer schlechten One-Night-Stands nur einen flauschigen Kater abbekommen. Zwischen Chilly Cheese Nuggets und Koks auf Reggae-Platten staut sich ein Flow aus Sudern und Reflexion an, weil zwei, drei Piccolo nicht lügen. Tinder bleibt keine Lösung, Schmonzetten mit Jennifer Aniston werden sie nie sein. „Besoffene Lover“ ist die Platte für Herzbruch-Patienten und Kalendersprüche, die im Familienchat zwei Ehrenrunden drehen. Eine Ode an die Verflossene, den Rausch und die Hoffnung, dass alles so bleibt, wie es war, haben DISKOROMANTIK im Interview mit Christoph Benkeser besprochen. 

Den Förderantrag für „Besoffene Lover“, eure Debüt-Platte, habt ihr im Dezember 2018 beim Musikfonds gestellt. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Herzkawall: Damals gab es den Namen Diskoromantik noch gar nicht. Wir haben einfach beantragt, ohne uns was Größeres dabei zu denken – und waren überrascht, dass wir die Förderung bewilligt bekamen.

HipHop Joshy: Dann haben wir uns zweieinhalb Jahre Zeit genommen.

Stand damals schon das Herzbruch-Konzept der Platte? 

Herzkawall: Wir haben fünf oder sechs Skizzen produziert und eine grobe Idee bekommen, wussten aber nicht, in welche Richtung es sich bewegt.

HipHop Joshy: Den Albumtitel „Besoffene Lover“ gab es aber sehr früh. Wir haben eine Kennenlern-Session gemacht, uns alle in einer Hütte in der Steiermark getroffen. David [aka Melonoid; Anm] kannten wir davor zwar, hatten aber nichts mit ihm zu tun. In der Hütte entstanden fünf Tracks, zwei davon führten zur EP „Hütte im Wald“. Irgendwann hat ein Freund von uns diese Line „Besoffene Lover“ gebracht – wir fanden das cool und dachten uns gleichzeitig, dass es ein guter Aufhänger für unser Projekt sein würde.

Die Texte zwischen Herzbruch, Reue und ein bisschen Scheiß-Drauf-Attitüde entsprechen einem Lebensgefühl, das man bei einer Trennung durchmacht. Wie real ist der „Besoffene Lover“?

Melonoid: Das sind wir. Für einen kurzen Moment haben wir sogar überlegt, uns als Gruppe so zu nennen. Es sind Geschichten von uns, die alle mit Liebe zu tun haben und sich aus unseren Erfahrungen ergeben haben. Gleichzeitig geht es viel um den Rausch, weil wir keine Kinder von Traurigkeit sind.

Bild Diskoromantik
Diskoromantik (c) Maša Stanić

In zweieinhalb Jahren Produktionszeit kamen sicher einige „Besoffene Lover“-Situationen zusammen.

HipHop Joshy: Manches, was ich auf der Platte verarbeite, hab ich auch aus der Beziehung gezogen, die ich vor der Albumidee hatte. Da kommt in zweieinhalb Jahren schon was zusammen. Außerdem sind wir drei Freunde geworden, haben uns ein Studio gebaut. David hat in der Zwischenzeit das Hunney Pimp-Album produziert. Und wir haben einen neuen Sound für uns entdeckt.

Du hast vorhin die Sessions in der Hütte angesprochen. Wie habt ihr David kennengelernt?

Herzkawall: Der Joshy hat ihn richtig aufgerissen.

HipHop Joshy: Ich kannte Hunney Pimp durch einen komischen Zufall. 2017 hat sie im Rahmen des Popfests im Roxy gespielt, David war ihr DJ – und ich schon damals Fan von ihm. Hunney Pimp hat mich spontan gefragt, ob ich als Backup einspringen möchte. Ich war also dort und irgendwann ziemlich betrunken, habe bei einem Track von Hunney Pimp das Backup gemacht … alle anderen Tracks kannte ich nicht.

Und dann?

HipHop Joshy: Ging ich nach Hause. Einige Zeit später brachten wir auf Heiße Luft einen Instrumental-Sampler raus. Ich hab David gefragt, ob er Bock hat, was beizusteuern. Wirklich viel Kontakt hatten wir bis dahin aber nicht. Jonas und ich wollten kurz danach zur Hütte in der Steiermark, um Mukke zu produzieren. Unsere Stammproduzenten hatten keine Zeit, also haben wir bei David angerufen.

Melonoid: Ich hatte gerade viel Zeit, war arbeitslos – und sowieso in Wien. Joshy hat mich auf die Hütte eingeladen, ganz spontan.

Klingt richtig romantisch. 

Herzkawall: Ja, voll. Wir kannten David halt echt nicht richtig, haben ihn einfach abgeholt und sind zu Dritt zur Hütte gefahren.

HipHop Joshy: Es kam uns aber überhaupt nicht komisch vor, dass wir da jemanden fragen, den wir eigentlich gar nicht kennen.

„Was? Das war ein Fan-Shirt unserer ersten Crew. Die hatten nur wir und unsere Freunde.“

Joshy, du hast vorhin gesagt, dass du David über Hunney Pimp kennengelernt hast, und sie durch einen komischen Zufall. Wie kam das? 

Melonoid: Da gibt’s noch die Vorgeschichte. Ich hab mit Hunney Pimp einen Auftritt gespielt in der Postkutsche Mattsee. Wir haben beim Booker, der uns gebucht hat, geschlafen.

HipHop Joshy: Ihr habt dort doch gar nicht gespielt!

Melonoid: Ah, stimmt, aber wir waren trotzdem dort und haben beim Booker gepennt. Für einen Track von Hunney Pimp haben wir am nächsten Tag mit einer trashy Kamera ein Video gedreht. Babsi hat sich dann ein Shirt, auf dem eine Ritalin-Packung gedruckt war, fürs Video angezogen. Irgendwann kam eine Nachricht von Joshy, dass wir sein Shirt gefladert hätten.

Herzkawall: Ja, wir haben die Video-Premiere auf Juice gesehen – in dem Hunney Pimp unser Shirt trägt. Und wir so: Was? Das war ein Fan-Shirt unserer ersten Crew. Die hatten nur wir und unsere Freunde.

War das ein Emzetka-Shirt? 

HipHop Joshy: Genau! Wir wurden damals im Zuge unserer ersten EP “WSDG & Fidibus“ das erste Mal außerhalb von Wien gebucht. Jonas war gerade für ein Jahr in Deutschland, Fidibus konnte nicht. Zur Postkutsche nach Mattsee bin ich also mit einem anderen Freund gefahren, der seine Texte übernommen hat. Deshalb haben wir beim Booker geschlafen. Ich hatte einige T-Shirts als Merchandise mit. Eines dürfte dann liegengeblieben sein, was ich aber nicht wusste. Drum hab ich David geschrieben, dass die Babsi unser Shirt gefladert hat.

Eh richtig gut, dass das Shirt dann im Video landet, oder? 

HipHop Joshy: Ja, total. Später hab ich Hunney Pimp im fluc gesehen und bin zu ihr hin – und hab ihr die Geschichte mit dem Shirt erzählt. Seitdem sind wir Freunde.

„Kein Internet, kein Telefonempfang – nichts.“

Die Idee mit der Hütte in der Steiermark kam anschließend. 

Bild Diskoromantik
Diskoromantik (c) Maša Stanić

HipHop Joshy: Ja, genau. Wir sind dort hin – es gab gar nichts. Kein Internet, kein Telefonempfang – nichts.

Herzkawall: Das war genau das, was wir suchten. Wir wollten fokussiert an unserer Musik arbeiten, ohne abgelenkt zu werden. Außerdem muss man dort mit offenem Feuer kochen, man muss selber einheizen, das ist schon gut.

Melonoid: Dass es keinen Kontakt zur Außenwelt gab, war das Beste. Wir werden da auch noch mal hinfahren.

Herzkawall: Die Hütte ist für uns mittlerweile eine Art Kultstätte.

Das hört sich ein bisserl Zurück-zum-Ursprung-artig an.  

Herzkawall: Es funktioniert für uns auch ohne Hütte. Aber mit Hütte funktioniert es besser.

Die Natur als Inspirationsquelle.

HipHop Joshy: Naja, wir gehen da nicht mal raus.

Melonoid: Ja, so viel mit Natur ist’s bei unseren Sessions nicht.

Herzkawall: Vielleicht eine Runde spazieren, weil wir Internetempfang gesucht haben. In Wirklichkeit sperren wir uns da ein Wochenende ein.

HipHop Joshy: Und dich ruft niemand an! Also wahrscheinlich rufen sie dich eh an, aber es geht halt niemand dran, weil’s nicht geht.

Herzkawall: Genau, wenn du sonst bei Sessions bist, checkst du permanent dein Handy und wischt auf Insta rum. Das machst du dort einfach nicht, weil es ohnehin nicht funktioniert.

Die FOMO fällt weg.

Melonoid: Am Anfang probiert man noch aus Gewohnheit am Handy rumzudrücken, bis man realisiert, dass man damit grad überhaupt nichts anfangen kann.

Würdet ihr euch als handysüchtig bezeichnen? 

HipHop Joshy: Ich schon, ja.

Herzkawall: Es wird auf jeden Fall schlimmer. Ich arbeite auch acht Stunden am Tag vor dem Computer, sitze die ganze Zeit vor einem Bildschirm.

HipHop Joshy: Aber wenn ich eine Stunde auf Insta bin und andere Freunde in unserem Umfeld teilweise sechs bis neun Stunden auf der App verbringen, bin ich eigentlich ganz OK. Die Sache ist: Bei uns kommt die Promo-Arbeit auf Social Media dazu. Ich betreue neben meinem Account auch den von Heiße Luft und Diskoromantik. Da geht schon Zeit drauf.

Wäre angenehm, wenn das jemand für einen übernehmen würde.

Melonoid: Die gibt’s bei uns zuerst andere Baustellen.

Welche?

Melonoid: Erstmal muss Geld gehen.

Herzkawall: Der ganze Bürokratie-Stuff, die Vereins-Sachen, das würd ich am liebsten auslagern.

Heiße Luft, euer Label, feiert demnächst dreijährigen Geburtstag. Wie seht ihr die Entwicklung? 

Herzkawall: Wir wachsen organisch. Die Sache könnte schneller gehen, aber es passt schon.

Melonoid: Wenn man sieht, wie viel Arbeit alle Leute reinstecken, wachst es wahrscheinlich zu langsam. Von außen bekommen wir aber immer wieder das Feedback, dass es ganz gut ausschaut.

Mit Duzz Down San und Hongidachs geht ihr inzwischen als Institution im DIY-Feld durch. 

Herzkawall: Die machen natürlich was anderes als wir, aber es stimmt schon. Labels, die Musik in unserer Richtung in Österreich bringen, gibt nicht so viele.

„Wir veröffentlichen im Jahr nicht mehr zehn Platten, sondern drei.“

Aus welchem Gedanken heraus entstand Heiße Luft? 

Bild Diskoromantik
Diskoromantik (c) Maša Stanić

Herzkawall: Es war eine klassische Networking-Idee. Wir hatten damals drei Camps, die von Böser Wolf, Huhnmensch und Kopf an Kopf ab, die von JerMc und Fellowsoph und unsere Emzetka-Crew. Wir schlossen uns zusammen, um die Sache unter einem Dach größer aufzuziehen.

HipHop Joshy: Wir haben im ersten Jahr viel rausgebracht, waren permanent mit Releases beschäftigt. Je professioneller wir die Label-Arbeit machen wollten, desto mehr Zeit kostete es. Zeit, die wir für unsere eigenen Projekte verwenden können. Deshalb laufen wir niemandem mehr hinterher, um Musik zu veröffentlichen. Wenn jemand was fertig hat, ist das cool und wir bringen es raus. Ansonsten können wir uns auf eigene Projekte konzentrieren.

Qualität vor Quantität. 

Herzkawall: Wir veröffentlichen im Jahr nicht mehr zehn Platten, sondern drei.

HipHop Joshy: Da steckt aber die Arbeit für zehn Releases drin. Die Gewichtung ist anders – auch auf der Promo-Ebene. Für das Diskoromantik-Projekt hatten wir sieben Singles und vier Videos …

Die alle eine VHS-Ästhetik aus den 90ern haben. Wie wichtig ist dieser Stil für Diskoromantik? 

Herzkawall: Phil Rirsch, mit dem wir die Videos gedreht haben, arbeitet viel mit Film und greift darin alte Medien auf. Das heißt nicht, dass es bei den kommenden Diskoromantik-Veröffentlichungen genauso sein muss. Für das Konzept hinter „Besoffene Lover“ war es aber wichtig.

Wie die zu großen Anzüge in Pastellgrau, in die ihr geschlüpft seid?

Herzkawall: Das sind sogar Slim Fit-Anzüge von Peek & Cloppenburg.

Bild Diskoromantik
Diskoromantik (c) Maša Stanić

Die Vergangenheit holt uns ein – aber natürlich passen die Anzüge gut ins Konzept. Auf der ästhetischen Ebene geht es in Richtung Retro, die textlichen Referenzen beamen in die Gegenwart.

HipHop Joshy: Ich hab zu Beginn des Projekts angefangen, öfter als DJ aufzulegen. Mit Gigolo D war ich oft in Plattenläden, um zu diggen – und fand alte Disco-, Soul und Jazz-Sachen aus den 70ern und 80ern. Die Covers haben alle eine eigene Ästhetik: laszive Blicke, Menschen, die wenig anhaben, crazy Farben – alles trashy, aber irgendwie geil. Außerdem sind wir quasi eine Boyband, es geht um Liebe – es hat sich angeboten, in diese Richtung zu gehen.

Melonoid: Wir packten einen Stapel an alten Platten ein, haben uns mit unserer Grafikerin Magdalena Prieler und Maša Stanić, die für die Fotos verantwortlich ist, zusammengesessen – und gesagt: „So würden wir gerne aussehen, was sind eure Ideen?“ Das erste Shooting fand während des ersten Video-Drehs statt. Damit stand die Ästhetik fest, die wir in allen anderen Videos fortsetzen wollten. Auch weil es gut zum Namen Diskoromantik passt.

Wie kam es zum Namen Diskoromantik? 

Melonoid: Wir haben den Bandname-Creator mit ein paar Schlagwörter gefüttert, so was ähnliches wie Diskoromantik kam raus.

Herzkawall: Dann haben wir gecheckt, ob man das gut googeln kann. Das war geil, weil man echt nichts findet, was so heißt – keine Pizzeria, kein Nachtlokal. Nur wir.

Dabei wäre der Name für eine schummrige Go-go-Bar ziemlich naheliegend. 

HipHop Joshy: Deshalb mussten wir den Namen nehmen. Wir hießen davor WSDG & Melonoid, der Sound hat sich aber auf „Betrunkene Lover“ komplett verändert und war nicht mehr mit dem zu vergleichen, was wir davor produziert hatten.

Davor habt ihr mehr Boom bap produziert. Das neue Album ist viel melodischer, viel facettenreicher. 

Herzkawall: Das Album war der Beginn eines Prozesses für das, was in Zukunft von Diskoromantik kommt. Wir haben uns über zweieinhalb Jahre weiterentwickelt, unterschiedliche Sachen durchgemacht, neue Einflüsse miteingebracht.

HipHop Joshy: Wir haben uns in dieser Zeit auch viel andere Musik reingezogen, um uns von anderen Seiten inspirieren zu lassen.

Melonoid: Gerade musikalisch kommt viel zusammen, auch weil es eine lange Produktionszeit war. „Betrunkene Lover“ ist eine Reise zu dem hin, was im nächsten Jahr kommen wird – mit einem durchgängigeren Sound. Das Album dokumentiert die Ideenfindung und Entwicklung von dem, was Diskoromantik ab jetzt sein wird.

Was hat euch auf dieser Reise musikalisch beeinflusst?

Melonoid: Wir kommen alle aus der klassischen Boom-bap-Rap-Nerdy-Ecke, zumindest ein bisschen. 2012, als die ersten Hanuschplatzflow-Sachen rauskamen, hab ich angefangen, mich für moderne Einflüsse im Hip-Hop zu öffnen. Seitdem ist es ein kontinuierlicher Prozess von einer nerdigen Schiene hin zu extremer Offenheit. Ich hör inzwischen sogar Pop und Indie.

War das früher nicht so?

Melonoid: Dass ich Sachen von Dua Lipa höre – und geil finde, hat sich erst seit den letzten eineinhalb Jahren entwickelt. Und jetzt machen wir als Diskoromantik selbst Pop-ähnliche Musik.

Die Ablehnung von Pop hat sich in Akzeptanz verwandelt. 

Herzkawall: Früher hab ich mir nicht erlaubt, Pop zu hören. Ich hab mir eingeredet, dass es uncool ist, weil man die Nische bedienen will …

HipHop Joshy: Genau, man wollte den Mainstream haten, weil die Nische cool war.

Und das hat sich geändert? 

HipHop Joshy: Mittlerweile bin ich ziemlich open, was alles betrifft. Mit den Schönbrunner Gloriettenstürmern, die Schlager machen, haben wir auf der Platte ja auch zusammengearbeitet.

Herzkawall: Alles außer Schlager, hab ich früher gesagt, wenn mich jemand gefragt hat, was ich höre. Mittlerweile ist es alles außer Rock.

Was interessiert euch am Schlager? 

Melonoid: Es gibt wenig aktuellen Schlager, der wirklich cool ist – aber sogar heute findet man da Musik, die nice ist.

Herzkawall: 60er-Jahre-Schlager ist geil.

HipHop Joshy: Das ist krank.

Melonoid: Da waren aber geile Sachen dabei.

Apropos geil: Auf der aktuellen Platte sind zum ersten Mal Gesangs-Parts zu hören. Wer hat sich als erster getraut zu singen?

HipHop Joshy: Es macht immer mehr Spaß, weil man dazulernt. Eine Überwindung war es am Anfang trotzdem, weil ich mir gedacht habe, dass ich nicht singen kann. Deshalb hatte ich Angst, es überhaupt zu probieren. Wenn man aber drauflossingt und rumprobiert, geht es ziemlich gut. Außerdem hab ich ein paar Gesangsstunden genommen.

Und der Rest glättet AutoTune. 

HipHop Joshy: David hat uns immer motiviert, einfach rumzuprobieren, um catchy Melodien zu finden. Das ist eine neue Herausforderung. Früher haben wir einfach 16er [16 Zeilen, Anm.] geschrieben, inzwischen überlegen wir uns genau, welche Teile in unseren Textes sich dazu eignen, um eine geile Melodie zu finden.

Melonoid: Beim Album hat es verschiedene Phasen gegeben. In den allerersten Tracks, die wir in der Hütte aufnahmen, gab es Ansätze in die Richtung. Irgendwann kam „Nichts“, der erste Track, bei dem wir AutoTune probiert haben. Das war eine Veränderung. Danach haben wir andere Tracks noch einmal überarbeitet, um sie melodischer zu machen. Inzwischen fangen wir meistens mit der Melodie und Hook an.

Eine Anbiederung an den Mainstream ist das trotzdem nicht. 

HipHop Joshy: Das war und ist uns immer noch wichtig. Wir lassen uns von allen Seiten inspirieren und blicken auf Trends, wollen aber nicht das machen, was alle machen. Es soll ein eigener Stempel erkennbar sein.

In Deutschland geht die Erotic Toy Records-Crew gerade ab, die ich mit euch vergleichen möchte. Sie teilen Oldschool-Rap-Referenzen, Selbstironie und Emotionen. Der Mainstream-Hip Hop hat die lange Zeit weggebosst, das verkokste Gaga-Trap-Ding hat es unterdrückt. 

Herzkawall: Was Erotic Toy Records machen, ist total wichtig – und für uns sicher eine große Inspiration.

HipHop Joshy: Als wir das erste Mal auf der Hütte waren, haben wir urviel von denen gehört.

Herzkawall: Genau. Sie positionieren sich gut in der Szene. Und man merkt ihnen an, dass sie gerne Mukke machen. Es ist kreativ, sie bleiben trotzdem offen.

Und sie sprechen – wie ihr – Gefühle an, die man sonst nicht oft hört im Hip-Hop.  

Herzkawall: Das ist ein bewusstes Alleinstellungsmerkmal.

HipHop Joshy: War aber kein geplanter Move. Wir verarbeiten damit unseren Scheiß. Es ist unsere Art, real zu sein.

Danke für das Gespräch! 

Christoph Benkeser

 

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