„ES IST EIN EXTREM ABWECHSLUNGSREICHES PROGRAMM, VON HAYDN BIS JAZZ IST ALLES DABEI“ – THE AUSTRIAN SAXOPHONE PROJECT IM MICA-INTERVIEW

Am 26. Oktober 2026 spielt THE AUSTRIAN SAXOPHONE PROJECT im Rahmen der HAYDNREGION NIEDERÖSTERREICH. Diese Gruppe vereint zwei Saxophon-Ensembles, nämlich MOBILIS SAXOPHONQUARTETT und 4SAXESS. Jürgen Plank hat mit MARKUS HOLZER und MICHAEL KRENN, den künstlerischen Leitern der beiden Ensembles, über den gemeinsamen Auftritt gesprochen. Im Interview geht es daher auch um die Ende Oktober gespielten Werke: von JOSEF HAYDNs Symphonie 104, das ist eine der Londoner Symphonien, bis hin zu FRIEDRICH GULDAs Konzert für Violoncello und Orchester. Mit dem außergewöhnlichen Stück „Klezmer Salsa“ von PHILIPPE GEISS wird das Konzert von THE AUSTRIAN SAXOPHONE PROJECT beschlossen – Geiss ist Saxophonist, Komponist und Professor für Saxophon in Straßburg.

Wie ist The Austrian Saxophon Project entstanden und wie kam es, dass ihr im Rahmen der Haydnregion Niederösterreich spielen werdet?

Markus Holzer: Es ist so, dass der Organisator Michael Linsbauer und ich uns jetzt schon ein bisschen länger kennen. Und es gab die Anfrage, wieder mit meinem Quartett zu spielen. Michael hat mich kontaktiert und gesagt, ihm schwebt etwas Größeres vor. Und wir haben relativ bald gemerkt, dass es zwei Ensembles gibt, eben Mobilis Saxophonquartett und 4saxess, mein Ensemble sozusagen. Und so haben wir die zwei Ensembles miteinander zu The Austrian Saxophone Project verbunden, weil es doch ganz Österreich umspannt. In Wirklichkeit haben wir sogar mit Goran Jurković eine kroatische Komponente drinnen. So ist das Projekt entstanden.

Was schätzen Sie an der Arbeit des Kollegen Michael Krenn und an seinem Ensemble?

Markus Holzer: Michael Krenn und ich kennen uns jetzt schon richtig lange und wir sind schon miteinander in Ensembles gesessen. Aber auch in Jurys. Oft ist es so, dass dann meine Schüler:innen von ihm bewertet werden und seine von mir, als Juror. Er hat einen Lehrauftrag an zwei renommierten Institutionen, in Wien und in Innsbruck. Ich glaube, da braucht man über die Reputation nicht mehr zu sagen. Vielleicht kommt auch noch dazu, dass wir uns menschlich sehr gut verstehen.

„4SAXESS IST WAHRSCHEINLICH DAS AM LÄNGSTEN BESTEHENDE SAXOPHONQUARTETT ÖSTERREICHS UND DADURCH IST ES NATÜRLICH FÜR MICH EINE GROSSE FREUDE, DIE VORBILDER JETZT ALS KOLLEG:INNEN ZU HABEN“

Wie ist das bei Ihnen? Was schätzen Sie am Projekt 4saxess von Markus Holzer?

Michael Krenn: Markus und mich trennen ein paar Jährchen, ich bin ein bisschen jünger als er und das Quartett 4saxess gibt es schon seit meiner Jugend. 4saxess ist wahrscheinlich das am längsten bestehende Saxophonquartett Österreichs und dadurch ist es natürlich für mich eine große Freude, die Vorbilder jetzt als Kolleg:innen zu haben. Ja, es ist schön, dass da eine Wechselwirkung entsteht, die Vorbilder bleiben Vorbilder. Das ist natürlich so, auch wenn man sich selbst weiterentwickelt und man darf jetzt gemeinsam ein Stück des Weges gehen. Das ist für mich besonders schön. Markus Holzerhat eine spezielle Qualität, die nicht jeder Musiker hat, nämlich dass er ein sehr feinfühliges Händchen dafür hat, wie man Projekte angeht und diese dann realisiert. Da kommt einfach diese Managementkomponente dazu, die wirklich nicht jeder von uns hat und wegen der dann auch gewisse Dinge scheitern oder gar nicht erst entstehen. Markus hat mich angerufen, dass es dieses Projekt gibt und er hat mich damit fast ein bisschen überhumpelt, weil mir das Projekt im ersten Moment zu groß vorgekommen ist. Es hat relativ schnell gehen müssen: entweder wir machen das gemeinsam oder es wird höchstwahrscheinlich jemand anderer engagiert. So haben wir entschieden: Wir machen das. Und natürlich war das dann schon Teamwork, von mir ist eher der künstlerische Input gekommen: die Programmierung, das Zusammensuchen der Musiker:innen. Wir haben einen neunten Musiker dabei, den ich nicht unerwähnt lassen möchte. Das ist Miha Ferk, der alle Arrangements geschrieben hat. Ohne ihn würde es nicht gehen.

Bild Mobilis Saxophonquartett
Mobilis Saxophonquartett © Nancy Horowitz

Wie ist das Zusammenführen der beiden Ensembles gelaufen?

Markus Holzer: Ich glaube, wir sind in beiden Ensembles recht basisdemokratisch. Neben Michael und mir sitzt ja auch der Professor von der Linzer Bruckner Universität am zweiten Sopransaxophon. Die Lebensgefährtin von Michael Krennunterrichtet an der Universität in Eisenstadt. Also, insofern haben wir da sehr gute Leute. Georg Palmanshofer unterrichtet an der mdw, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Ich glaube, da sind wirklich sehr gute Saxophonist:innen aus ganz Österreich vertreten.

Fühlt sich The Austrian Saxophon Project fast wie ein Orchester an?

Markus Holzer: Ja, das Saxophonorchester wären ja zwölf, aber mit dieser Neunerbesetzung sind wir vom Klang her gut aufgestellt. Und das Cellokonzert wird sicher eines dieser Highlights im Rahmen des Konzerts werden.

Sprechen wir ganz konkret über das Programm, ihr spielt ja im Rahmen der Haydnregion Niederösterreich. Das Festival widmet sich dem Werk der Brüder Haydn und ihr werdet eine der Londoner Symphonien spielen. Die Symphonie 104 gilt als eines der drei besten Instrumentalstücke Haydns. Wie habt ihr euch diesem Werk mit den Saxophonen angenähert? Da liegt die Latte ja hoch, sozusagen.

Michael Krenn: Und wie! Am Beginn steht wieder das Arrangement. Wie schon erwähnt: Miha Ferk hat mittlerweile, ich übertreibe nicht, Hunderte Arrangements für unterschiedlichste Besetzungen gemacht. Er hat wirklich ein sehr gutes Händchen dafür, wie er die Stimmen aufteilt, wie er sie setzt. Wie nähern wir uns dem an? Erstens mit großem Respekt, zweitens indem wir viele Aufnahmen anhören und uns orientieren und dann ist es wie bei jeder Transkription so, dass Entscheidungen fallen müssen: versucht man das Werk möglichst authentisch zu spielen oder versucht man es so zu spielen, dass es auf dem eigenen Instrument am besten funktioniert und klingt. Das ist der Spagat, mit dem wir bei den Proben arbeiten.

Wie war es in diesem Fall?

Michael Krenn: In dem Fall war es so, dass tatsächlich alles mehr oder weniger eins zu eins gut umsetzbar ist. Natürlich klingt ein tutti Streicher-Staccato-Lauf anders als vier Saxophone. Aber artikulations-technisch und von den Lagen her ist das eins zu eins dasselbe. Und natürlich verändert sich die Musik alleine durch die Tatsache, dass das lauter Blasinstrumente sind. Vielleicht ist es auch ganz interessant zu erwähnen: wir haben ein so genanntes Tubax im Instrumentarium, das ist ein Kontrabass-Saxophon. Das hat die Lage der Tuba und die Spieltechnik des Saxophons.

Es hätte einen gemeinsamen Auftritt mit der Star-Cellistin Harriet Krijgh geben sollen. Der kommt nicht zustande. Warum nicht? Und was macht ihr nun, wer ist statt ihr eingeplant?

Markus Holzer: Mit der Absage hatten wir grundsätzlich überhaupt nichts zu tun. Ich wurde selbst über den Michael Linsbauer informiert. Es ist folgender Fall passiert: mehr oder minder dasselbe Konzert spielen wir im Juli 2027 bei den Musikwochen in Millstatt. Und da gibt es einen jungen Solisten, Alexander Simić, der mit uns im nächsten Jahr spielen wird. Und im Moment ist es so geplant, dass er bereits heuer mit uns spielen wird. Die Premiere spielen wir also nicht mit Harriet Krijgh, sondern mit dem Cellisten Alexander Simić.

Ihr spielt ein Konzert für Violoncello und Orchester von Friedrich Gulda. Wie war die Herangehensweise bei Gulda?

Michael Krenn: Das ist tatsächlich ein bisschen einfacher, würde ich mal behaupten, weil das Konzert ja für Bläser, für Blasorchester geschrieben wurde. Das merkt man dann schon, auch wenn jetzt Blech- oder Holzbläser gemischt sind. Ob man in ein Instrument reinbläst oder ob man es streicht, das ergibt ein ganz anderes Spielgefühl. Da wir fast alle von der Blasmusik kommen und dieses Stück stellenweise stark an Blasmusiktraditionen erinnert, ist es für uns das weniger fremde Stück. Wir haben das vor einigen Jahren in einer bisschen größeren Besetzung, zu zwölft, gespielt. Als es das Vienna Saxophonic Orchestra noch gegeben hat. Damals mit der Solistin Cristina Basili. Das heißt, sechs oder sieben Musiker:innen, die jetzt mitspielen, haben das damals schon mal umgesetzt.

Bild 4saxess
4saxess © Otto Reiter

„WIR ALLE BEWUNDERN GULDA NATÜRLICH SEHR“

Gulda war ein musikalischer Freigeist, der auch mal spontan Programme geändert hat, einmal sogar nackt aufgetreten ist. Wie ist denn das: fühlt man sich auch ein bisschen freier, wenn man sich an so jemanden annähert, der eben auch frei gedacht hat?

Michael Krenn: Schwierig, weil er natürlich ein absolutes Genie war. Der Freiheit eines Genies kommen wir vielleicht nicht unbedingt eins zu eins nach. Ich glaube, die Verantwortung ist nicht geringer, die Musik gibt ein freies Gefühl beim Spielen. Aber es ist dann trotzdem nicht unheikel, dass das funktioniert. Und natürlich, immer wenn irgendwo ein Groove in der Musik entsteht, kommt einfach Spiellust und Laune zustande. Aber Freiheit im Sinne von Lockerheit würde ich nicht behaupten. Eher das Gegenteil, denn: wir alle bewundern Gulda natürlich sehr. So wie eigentlich jeden Komponisten im Programm. Und dann ist es aus meiner persönlichen Warte immer die allererste Aufgabe, dass wir versuchen, der Musik annähernd gerecht zu werden.

Gulda war um diese Grenzverschiebung zwischen E-Musik und U-Musik bemüht und hat auch gerne Jazz gespielt. Ist das für euch ein interessanter Ansatz?

Michael Krenn: Ja, absolut. Ich spreche da glaube ich für alle aus dieser Gruppe, weil das Saxophon sowieso irgendwie ein bisschen ein Hybridinstrument ist. Wir sind alle ausgebildete klassische Musiker und haben uns für den Weg der Klassik entschieden, aber natürlich ist das Saxophon aus dem Jazz nicht wegzudenken und das geht an uns natürlich auch nicht spurlos vorüber. Ich habe zum Beispiel Jazz studiert und habe das jetzt als mein geliebtes Hobby sozusagen behalten und bin halt in der Neuen Musik und in dem ausgewählten Klassikbereich zu Hause, den die Saxophone abdecken. Aber ich finde es immer sehr spannend, gemischte Programme anzubieten. Es ist immer ganz spannend zu sehen, ob das funktioniert und wie. Speziell wenn man die neue Avantgarde-Musik mitdenkt, dann ist es vielleicht noch heikler. Im Programm am 26. Oktober ist es durch die Pause getrennt. Also, der erste Teil sind die Transkriptionen aus den vergangenen Epochen sozusagen, und im zweiten Teil ist Guldas Werk alleinstehend, weil das eben über eine halbe Stunde lang dauert. Und ich glaube, dass das programmatisch fürs Publikum gut funktioniert, dass es am Ende lockerer wird.

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Und dann habt ihr zum Abschluss noch ein Stück im Programm, das heißt „Klezmer Salsa“ und deutet eine Vermischung von Genres allein schon im Titel an. Was ist denn das für ein Stück?

Michael Krenn: Ja, das ist ein sehr cooles und sehr unterhaltsames Stück. Es stammt von Philippe Geiss, der ist Saxophonist und Saxophonprofessor in Straßburg. Unsere Wege haben sich schon mehrmals gekreuzt. Er hat immer schon komponiert und, obwohl er wirklich ein herausragender Klassiker ist, Kooperationen mit Jazzmusiker:innen gesucht. Zum Beispiel mit Jerry Bergonzihat er ein Duo-Programm gehabt, bei dem sie sich gegenseitig inspiriert haben. Er hat dann eher zeitgenössisch improvisiert, Bergonzi war eher jazzig und dann hat sich das teilweise vermischt und da sind ziemlich coole Dinge herausgekommen. Wie der Titel „Klezmer Salsa“ schon sagt: Er steht offenbar sehr darauf diese Crossover-Schiene zu bedienen, da gibt es eine Vielzahl von Stücken von ihm, etwa Saxophonquartette. Ein Stück fällt mir ein, das heißt „Patchwork“, da steckt der Mix auch schon wieder im Titel drinnen. Das beginnt minimalistisch, geht dann in einen Klezmer-Teil über ist zum Schluss total groovy und funky. Das gelingt ihm sehr gut und es fällt vielleicht ein bisschen unter die Kategorie easy listening. Das haben wir als letztes Stück im Programm, nach dem Gulda, da haben wir noch diesen Rausschmeißer. Das ist eine klassische Schlussnummer und sehr lustig zu spielen.

Warum sollten Menschen unbedingt am 26. Oktober, am Nationalfeiertag, nach Klein-Neusiedl kommen, um euch zu sehen?

Michael Krenn: Ich würde sagen: es ist ein extrem abwechslungsreiches Programm, von Haydn bis Jazz ist alles dabei. Das klassische Saxophon ist noch immer ein bisschen ein unterbelichtetes Instrument in der Szene in Österreich. Es hat sich natürlich einiges getan in den letzten Jahren, aber da geht noch viel mehr. Und es ist wirklich sehr oft passiert, wenn wir in größeren Formationen speziell spüren, dass die Leute baff waren, was eigentlich auf dem Instrument geht. Und ich glaube, es ist ein schöner Antrieb zu kommen, sich überraschen zu lassen und einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Abend mit uns zu verbringen.

Herzlichen Dank für das Interview.

Jürgen Plank

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Live:

26.10.2026, Papierfabrik Varieté Theater Klein-Neusiedl, im Rahmen der Haydnregion Niederösterreich, Beginn: 18h

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Links:
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