WOLFGANG MUTHSPIEL mit EHRENKREUZ ERSTER KLASSE DER REPUBLIK ÖSTERREICH ausgezeichnet!

Wien, 21.10.2026 (OTS) – Der international renommierte österreichische Gitarrist und Komponist Wolfgang Muthspiel wurde mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.

Mit dieser hohen staatlichen Auszeichnung würdigt die Republik Österreich das außergewöhnliche künstlerische Schaffen eines Musikers, der seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der internationalen Jazzszene zählt und die österreichische Musiklandschaft weit über die Landesgrenzen hinaus repräsentiert. Die feierliche Überreichung erfolgte durch Sektionschefin Mag.a Theresia Niedermüller, MSc. Die Laudatio hielt der renommierte Musikjournalist und Radiomoderator Albert Hosp, während der Trompeter Mario Rom für die musikalische Gestaltung der Feier sorgte.

Auszug aus der Rede von Wolfgang Muthspiel zur Verleihung des Ehrenkreuz
für Wissenschaft und Kunst erster Klasse der Republik Österreich:

“… Das Wunder, ein Musikstück zu betreten, sich eine Zeit lang darin aufzuhalten und dann wieder in die sogenannte Realität zurückzukehren – sei es im Übezimmer oder auf der Bühne, als Zuhörer oder als Spieler –, hat mich schon sehr früh fasziniert.

Besonders erstaunlich finde ich, dass man beim Komponieren oder Improvisieren eine Art inneres Gebäude errichtet. Einen Raum, der zunächst nur in der eigenen Vorstellung existiert – den dann aber alle betreten können, die zuhören oder mitspielen.

Ich habe meine musikalische Arbeit von Anfang an als Abenteuer empfunden. Als ich erst einmal diesen Sog gespürt und die Möglichkeiten erahnt hatte, bin ich einfach drangeblieben.

Talent ist schön. Aber Gott sei Dank übe ich auch gerne.

Denn wenn ein Musiker nicht gerne übt, hat er wahrscheinlich ein ziemlich schwieriges Leben.

Mich in meinen Konzerten jenem Ideal anzunähern, das für mich in einem mühelosen, spontanen Erkunden des Augenblicks liegt, hat mich all die Jahrzehnte angetrieben. Und es hat mich auf viele verschiedene Wege geführt – immer in der Hoffnung, diesem Ideal ein kleines Stück näherzukommen.

Heute kann ich sagen: Ich bin dort nie angekommen.

Und wahrscheinlich liegt genau darin die Schönheit dieser Arbeit.

Vielleicht ist mir die Bedeutung der Musik aber auch deshalb immer stärker bewusst geworden, weil mir die Welt außerhalb der Musik nicht immer leicht zugänglich erscheint.

Wenn ich nicht Musik mache, erscheint mir die Welt oft fragmentiert und gefährdet. Um Zuversicht muss ich mich bemühen.

In der Musik dagegen erscheint mir die Welt plötzlich als ein Raum von Möglichkeiten – und von Wahrheiten. In manchen Phasen meines Lebens hat mich die Musik buchstäblich gerettet.

Ich empfinde einen großen Unterschied zwischen einer Welt der Meinungen, die oft unverbindlich und beliebig nebeneinanderstehen, und der Welt der Kunst, in der sich etwas für einen Moment klar als wahr erweist.

In der Musik kann man sehr unmittelbar spüren, ob etwas trägt. Ob zwischen den Musikern eine wirkliche Verbindung entsteht. Ob ein Augenblick eine eigene Wahrheit bekommt.

Die Essenz der Jazzmusik ist die Improvisation. Sie lebt vom Spiel mit dem Puls, von Beweglichkeit, vom Zuhören – und vor allem vom Vertrauen in den Moment.

Wenn man nur versucht, das Gelernte möglichst perfekt abzuliefern, kann jener magische Moment, den wir in der Musik suchen, kaum entstehen.

Für mich war der Jazz deshalb immer auch ein Weg, meine Aufmerksamkeit zu schulen und den Mut zu entwickeln, in unbekannte Gewässer zu springen…..”

++++

Link:
Wolfgang Muthspiel