Die Ökonomie des K-Pop – Teil 2: Der südkoreanische Musikstreamingmarkt

In dieser Blogfolge soll der Musikstreamingmarkt in Südkorea analysiert werden, der in erster Linie dank des K-Pop in den letzten Jahren so stark wachsen konnte und den heimischen Musikstreamingdiensten Umsatzrekorde bescherte. Allerdings drängten in den 2020er Jahren internationale Konkurrenten auf den Markt, die auf Kosten der südkoreanischen Streaminganbieter Marktanteile gewinnen konnten. Warum das so ist, wird in weitere Folge noch analysiert werden.

In den letzten Jahren hat sich der Wettbewerb auf dem südkoreanischen Musikstreamingmarkt intensiviert. Jahrelang hatten sich die lokalen Musikstreamingdienste den Markt untereinander aufgeteilt. Das änderte sich am 22. Mai 2018, als Google in Südkorea das zahlungspflichtige YouTube Premium mit werbefreien Videos und das werbefinanzierte YouTube Music Streamingservice auf den Markt brachte.1

YouTube war zu diesem Zeitpunkt in Südkorea schon sehr populär, wie die steigenden Einnahmen aus dem werbefinanzierten Musikvideo-Streaming belegen, die bis 2021 auf US $59 Millionen stark angestiegen waren, wohingegen die Einnahmen aus dem werbefinanzierten Audio-Streaming zwischen 2016 und 2021 bei rund US $6 Millionen stagnierten (siehe Abb. 1).

Abbildung 1: Die Einnahmen aus dem werbefinanzierten Audio- und Video-Streaming in Südkorea, 2016-2021

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Quelle: IFPI Global Music Reports 2016-2021

Der Game Changer war, dass Google seine beiden Angebote bündelte und YouTube Music in YouTube Premium integrierte. Da die K-Pop-Ästhetik sehr performativ ist und auf Tanz, Performance und Outfits beruht, waren Musikvideos für die Fans von großer Relevanz, was das YouTube-Angebot sehr attraktiv machte. Viele NutzerInnen, die bislang die heimischen Musik-Bezahldienste genutzt hatten, stiegen nun auf YouTube Music um. Hatte YouTube Music 2021 lediglich 4,03 Millionen aktive monatliche NutzerInnen (MAUs), womit es deutlich hinter dem Marktführer MelOn mit 6,89 Millionen lag,2 so war es ein Jahr später mit 6,27 Millionen MAUs an MelOn mit 6,61 Millionen MAUs herangerückt (siehe Abb. 2). Auf den weiteren Plätzen folgten 2022 die koreanischen Anbieter Genie Music (3,32 Millionen MAUs) und FLO (2,13 Millionen MAUs), die noch vor Spotify mit 0,79 Millionen MAUs lagen. 2025 hatte sich das Bild vollständig geändert. YouTube Music lag mit 10,12 Millionen MAUs klar an erster Stelle, gefolgt von MelOn mit 6,23 Millionen MAUs. Der Aufsteiger des Jahres war aber Spotify, das sich mit einem Wachstumssprung von 168 Prozent auf 4,24 Millionen MAUs an die dritte Stelle katapultierte. Hingegen gingen die NutzerInnen-Zahlen der koreanischen Dienste Genie Music (2,57 Millionen MAUs) und FLO (1,76 Millionen MAUs) 2025 zurück (siehe Abb. 2).

Abbildung 2: Der Musikstreamingmarkt in Südkorea nach Marktanteilen, 2022-2025

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Quelle: Eigene Darstellung nach Lee Kyung-tak. 2025. Spotify climbs to third place in South Korea music streaming market. Chosun Biz, 23. September. https://biz.chosun.com/en/en-it/2025/09/23/KLQLRSGEXVEZHPRQVREMVYCX2E/. Zugriff 16. Dez. 2025

In der Bundling-Strategie von Google sahen die koreanischen Musikstreamingdienste eine Wettbewerbsverzerrung und prangerten den US-Internetriesen dafür an. Sie erhielten 2024 Unterstützung durch die koreanische Fair Trade Commission (FTC), die den „Platform Competition Promotion Act“ auf den Weg brachte, um gegen monopolistische Marktpraktiken und den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung effektiver vorgehen zu können. Das neue Gesetz zielte nicht nur auf die koreanischen Tech-Giganten Naver, Kakao und Coupang ab, sondern nahm vor allem die großen US-Internetkonzerne wie Google, Meta und Apple ins Visier. Dabei sollte auch die Rolle der Musikstreamingdienste genauer unter die Lupe genommen werden, wie der FTC-Chairman, Han Ki-jeong, in einer Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in Seoul ankündigte.3

Die darauf folgenden Untersuchungen der FTC ergaben, dass Google mit dem Bündeln von YouTube Premium und YouTube Music gegen die Wettbewerbsregeln verstieß. Die FTC argumentierte, dass ein monatliches Abo von YouTube Premium in Korea KRW 14.900 (US $10,78) kosten würde und für den werbefinanzierten Streamingdienst YouTube Music monatlich KRW 11,990 (US $8,67) ausgegeben werden müsste, ohne dass der Umstieg auf eine reine Premium-Option möglich wäre. Die FTC schlussfolgerte, dass damit der Wettbewerb verzerrt und andere Musikstreamingdienste benachteiligt würden, weil die KonsumentInnen dann gleich auf YouTube Premium umsteigen könnten, und eröffnete ein Strafverfahren gegen Google Korea.4

Um die im Gesetz vorgesehenen saftigen Strafen abzuwenden, trat Google Korea in Verhandlungen mit der FTC ein, die nach einem langen zähen Ringen, ein für beide Seiten befriedigendes Ergebnis brachten. Google stimmte zu, YouTube Premium Lite auf den Markt zu bringen, das für NutzerInnen von Android-Geräten KRW 8.500 und Apple-Devices KRW 10,900 kosten sollte. In der Lite-Version wird Werbung aus den meisten Videos entfernt, allerdings nicht in YouTube-Shorts. Zudem sind Funktionen wie Offline-Downloads und die Hintergrundwiedergabe nicht möglich.5

Die FTC zeigte sich mit diesem Kompromiss zufrieden, weil KonsumentInnen, die wenig Interesse an YouTube Music hätten, nun in die Lite-Version wechseln und andere Musikstreamingdienste abonnieren könnten. Im Gegenzug verpflichte sich Google, den Abo-Preis für YouTube Premium Lite zumindest ein Jahr lang unverändert zu lassen und bei zukünftigen Preisänderungen die Preisdifferenz zwischen der YouTube-Vollversion und dem Lite-Angebot beizubehalten. Darüber hinaus verpflichtete sich Google KRW 30 Milliarden an den öffentlich-rechtlichen Sender Korean Broadcasting System (KBS) zu bezahlen, damit dieser die koreanische Musikindustrie und heimische KünstlerInnen besser unterstützen kann.6 Ob dieser Kompromiss die Lage der koreanischen Musikstreamingdienste verbessern wird, bleibt noch abzuwarten und es gibt auch schon Kritik vonseiten der koreanischen YouTube-Konkurrenten.7 Jedenfalls sind sie nach Jahren des Wachstums durch die ausländische Konkurrenz massiv wirtschaftlich unter Druck geraten.

Peter Tschmuck

Dieser Artikel erschien erstmal am 30. März 2026 auf der Seite hhttps://musikwirtschaftsforschung.wordpress.com/2026/03/30/die-okonomie-des-k-pop-teil-2-der-sudkoreanische-musikstreamingmarkt/


Die Ökonomie des K-Pop – Teil 1: Eine Marktanalyse


Peter Tschmuck ist Professor am Institut für Popularmusik (ipop) der mdw.


Endnoten

  1. Snapes, Laura und Mark Sweney. 2018. YouTube to launch new music streaming service. The Guardian, 17. Mai. https://www.theguardian.com/music/2018/may/17/youtube-music-new-streaming-service-launch. Zugriff 16. Dez. 2025 ↩︎
  2. Lee, Gyu-lee. 2025. Will domestic music streaming services regain market share after YouTube’s new subscription program? The Korea Times, 23. Mai. https://www.koreatimes.co.kr/business/tech-science/20250523/will-korean-music-streaming-services-regain-market-share-after-youtubes-new-subscription-program. Zugriff 16. Dez. 2025 ↩︎
  3. Lee, Jae-lim. 2024. Antitrust watchdog mulling inclusion of music streaming sites under platform regulation. Korea Joong-Ang Daily, 7. März. https://koreajoongangdaily.joins.com/news/2024-03-07/business/industry/Antitrust-watchdog-mulling-inclusion-of-music-streaming-sites-under-platform-regulation/1997097. Zugriff 19. Dez. 2025 ↩︎
  4. Lee, Jae-lim. 2024. FTC opens penalty review against Google for bundling subscriptions. Korea Joong-Ang Daily, 8. Juli 2025. https://koreajoongangdaily.joins.com/news/2024-07-08/business/industry/FTC-opens-penalty-review-against-Google-for-bundling-subscriptions/2085507. Zugriff 19. Dez. 2025 ↩︎
  5. Lim, Jeong-won. 2025. Google to launch YouTube Premium Lite plan in Korea after FTC approval. Korea Joong-Ang Daily, 27. November 2025. https://koreajoongangdaily.joins.com/news/2025-11-27/business/industry/Google-to-launch-YouTube-Premium-Lite-plan-in-Korea-after-FTC-approval/2464732. Zugriff 19. Dez. 2025 ↩︎
  6. Ibid. ↩︎
  7. Lee, Gyu-lee. 2025. Will domestic music streaming services regain market share after YouTube’s new subscription program? The Korea Times, 23. Mai. https://www.koreatimes.co.kr/business/tech-science/20250523/will-korean-music-streaming-services-regain-market-share-after-youtubes-new-subscription-program. Zugriff 19. Dez. 2025 ↩︎