Liebhaber des gediegenen modernen Jazz zwischen Komposition, Improvisation und Experiment sollten am 14. September auf jeden Fall einen musikalischen Ausflug nach Kottingbrunn in Erwägung ziehen. Denn mit dem Peter Natterer Quartett konzertiert dort im Markowetztrakt eine Formation, die es ganz vortrefflich und auf höchst virtuose Art versteht, die unterschiedlichsten Spielarten des Jazz in einem an Klangfarben ungemein vielschichtigen Gesamtsound zu vereinen. Der dem Ensemble den Namen gebende Saxophonist Peter Natterer und seine Mitmusiker Gerald Gradwohl (Gitarre), Reinhardt Winkler (Schlagzeug) und Richard Barnert (Bass) sind allesamt bekannt dafür, dass sie sich den traditionellen Strukturen des Jazz nie wirklich unterordnen, sondern immer auch versuchen, dessen Grenzen neu zu definieren. Was also erwartet werden darf, ist ein Konzertabend voller Spielwitz, fantastischem Spiel und vielen, vielen spontanen Wendungen.
Der 1972 in Mödling geborene Peter Natterer zählt, wirft man einmal einen Blick auf die verschiedenen Projekte, in welchen er seine Finger mit im Spiel hat, ganz ohne Zweifel zu jener Sorte von Musikern, die sich vor allem zwischen den verschiedenen stilistischen Stühlen am wohlsten fühlen. Herkömmliche und traditionelle Genredefinitionen sieht der überaus experimentierfreudige Niederösterreicher schlicht als Herausforderung an, diese einfach zu überwinden. Egal ob nun im Umfeld des Jazz, in der Weltmusik oder in der Elektronik, Peter Natterer versucht seine eigene Klangsprache, die ganz besonders in einem immensen Facettenreichtum ihren Ausdruck findet, immer zu allen Seiten hin offen zu halten. Sein Sound offenbart sich als einer, der bestimmt ist von seinem ausgeprägten Sinn für Melodien, die zwar komplexer Natur sind, jedoch niemals in Sperrige und Kopflastige hineinkippen.
Im Quartett mit Gerald Gradwohl, Reinhardt Winkler und Richard Barnert begibt sich der Saxophonist auf eine klangliche Entdeckungsreise, welche ihn und seine Kollegen durch die unterschiedlichsten musikalischen Welten führt. Was von den vier Instrumentalisten gestartet wird, ist eine akustische Kettenreaktion, der wohl kaum Einhalt geboten werden kann. Auf dem Programm steht das kunstvolle Zuwerfen und Weiterverarbeiten von Ideen, das Beschreiten und Erkunden neuer Pfade, die schlicht und einfach überall hinführen können.
Bei solchen Vorzeichen können die BesucherInnen also einem in der Tat faszinierenden und unvergleichlichen Musikerlebnis entgegenblicken. Einem, an dem jeder, der sich nur im Entferntesten mit dem niveauvollen Jazz auseinandersetzt, seine helle Freude haben wird. (mt)