CATASTROPHE & CURE – „Blank Spots“

„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“ ist wohl ein eher unbekanntes Sprichwort, das auf viele Karrieren in der Musikszene zutrifft. Manchmal läuft es aber nicht so mühsam, sondern vielmehr flutschen die Platten und Konzerte nur so dahin. Auf CATASTROPHE & CURE trifft sicherlich Letzteres zu. Bei der sechsköpfigen Band läuft es so gut, dass sie sogar kleine Zwischenschritte einlegen kann: „Blank Spots“ (Ink Music) heißt ihr neues am 7. April erscheinendes Mini-Album.

Sie hätten sich losgesagt, heißt es in der offiziellen Beschreibung dieser Platte, losgesagt von inneren Verpflichtungen und Konventionen. Das klingt ziemlich gut, aber ganz sicher kann man sich nicht sein, was das bedeutet. Wovon sie sich auf jeden Fall losgemacht haben, ist der Zwang, entweder eine Single oder ein Album veröffentlichen zu müssen, um den Musiker-Kanon nicht zu unterbrechen. „Blank Spots“ wird als 10-Zoll-Platte veröffentlicht und enthält „nur“ sechs Songs.

Was man vielleicht in die Formulierung „innere Verpflichtung“ reininterpretieren könnte, ist die bewusste Entscheidung, den musikalischen Stil zu verändern und einen neuen Weg einzuschlagen. Wobei Catastrophe & Cure nicht plötzlich von Indie-Pop zu Hardrock gewechselt sind. Und um nochmal den Begriff des Lossagens zu verwenden: Von verschnörkelten und catchy Pop-Song haben sie sich tatsächlich losgesagt. „Blank Spots“ ist ein minimalistisches, sanftes und sehr melancholisches Album.

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Es führt eine gewisse Trauer mit sich, die es selbst im End-Track nicht ganz verliert, obwohl das Lied mit dem subtilen Namen „Outro“ zwischen Melancholie und Hoffnung changiert. Was das Emotionale betrifft, erinnert „Outro“ an „Bloodflowers“, ein Album der legendären Post-Punk-Band The Cure. Die Lieder auf „Bloodflowers“ ergötzen sich in Cure‘scher Manier an ihren ausufernden Intros und Outros. Sie geben der Musik Zeit, sich zu entfalten und die Gefühlskulisse zu etablieren. Nach zwei Minuten Intro weiß man dann genau, wo man steht, und ist schon längst in dem Song gefangen.

Cover “Blank Spots”

Und so ist es auch beim „Outro“ von Catastrophe & Cure, wobei der Song wegen seiner Kürze so ist, als hätte man das Outro eines „Bloodflowers“-Liedes abgekappt. Die musikalischen Parallelen zu The Cure waren bei den Steyrer Musikern übrigens schon früher spürbar. Die Wahl der Instrumente und das Liebäugeln mit den ausufernden Ein- oder Ausleitungen gingen schon bei ihrem ersten Album „Like Crazy Doves“ in Richtung Post-Punk-Melancholie.

Die Traurigkeit epischer Melodien

Nun hört man die Anleihen aus den Liedern „Debbie Debris“, „Tongue Tied“ und dem besagten „Outro“ heraus. Die Single und der Opener „Blank Spot“ geht da in eine andere Richtung. Da ist viel Dream Pop drin und mit den hellen Synthies im Hintergrund könnte man fast glauben, der Song wäre gut gelaunt. Aber die Stimme von Sänger Johannes Eder ist nicht wirklich das, was man uplifting nennen würde. Seine Art zu singen dämpft die Stimmung auf eine angenehme Weise. Dadurch entsteht eine ganz individuelle Art, die zum Wiedererkennungswert von Catastrophe & Cure beiträgt.

„Blank Spots“ ist ein Mini-Album, das von seiner Kontinuität und Harmonie lebt. Die Lieder scheinen nicht nur solche zu sein, die es nicht auf andere Alben geschafft haben, sondern klingen, als ob sie eigens für das Album komponiert worden wären. Und von der melancholischen und verträumten Stimmung lässt man sich sehr gerne mitreißen.

Anne-Marie Darok

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