Am 12. März, fand im SCHÖMER-HAUS in Klosterneuburg das Finalkonzert des 2. internationalen Kompositionswettbewerbes mit Uraufführungen junger europäischer KomponistInnen statt. Vor vollem Haus wurden die unter strenger Anonymität ausgewählten 5 Werke uraufgeführt, die die Fachjury für das Finale nominiert hatte. Als Gewinner des 1. Preises (€ 6.000.-) ging der in Thailand lebende Italiener Roberto David RUSCONI hervor. Sein Werk „De Arte Respirandi“ überzeugte die Jury, das Publikum hingegen gab sein Voting dem Spanier Juan CRUZ-GUEVARA. Allgemeine Begeisterung rief die Leistung des KAIROS QUARTETTES (Berlin) hervor, das die 5 sehr unterschiedlichen und technisch höchst ansprunchsvollen Werk mit größter Intensität und Professionalität umsetzte.
ZEITklang – Internationaler Kompositionswettbewerb
Konzept:
In Zusammenarbeit mit musik aktuell – neue musik in niederösterreich hat die Sammlung Essl einen europäischen Kompositionswettbewerb ausgeschrieben. Gesucht waren neue Werke für Streichquartett, die sich mit den veränderten künstlerischen und gesellschaftlichen Bedingungen des 3. Jahrtausends auseinandersetzen und diese in eigenständiger Weise kompositorisch reflektieren. Gewünscht waren ein „avancierter Umgang“ mit dem Klangkörper des Streichquartetts sowie eine Auseinandersetzung mit den Phänomenen des Klanges und des Raumes. Aus den nahezu 80 eingelangten Partituren aus ganz Europa hat die Jury eine Vorauswahl von fünf Werken getroffen, die in diesem Konzert uraufgeführt werden. Nach dem Konzert werden die Preisträger ermittelt; das Publikum vergibt einen Sonderpreis.
Die Jury:
Gerd Kühr (künstlerischer Leiter 2011) – Universität Graz, Komponist und Dirigent (A)
Joanna Lewis – Koehne Quartett (A)
Klaus Lang – Komponist (A)
Christoph Cech – Universität Linz, Komponist und Ensembleleiter (A)
Claudius v. Wrochem – Mitglied des Kairos Quartett (Berlin, DE)
Die Preisgelder:
1. Preis € 6.000.-
2. Preis € 4.000.-
3. Preis € 2.000.-
2 Anerkennungspreise: je € 1.000.-
1 Publikumspreis
Die Zielgruppe:
Zur Teilnahme am Kompositionswettbewerb ZEITklang waren Komponistinnen und Komponisten aller EU-Mitgliedsländer eingeladen, die nach dem 01.01.1971 geboren wurden.
Der Veranstalter:
Sammlung Essl in Zusammenarbeit mit musik aktuell – Neue Musik in Niederösterreich
SCHÖMER-HAUS Aufeldstraße 17 – 23, 3400 Klosterneuburg
Info: 02243-370 50 150, www.essl.museum/musik oder www.musikfabrik.at / Zeitklang
Zur Uraufführung bei der Finalrunde gelangten Streichquartette von:
Ansgar BESTE, Schweden,
Juan CRUZ-GUEVARA, Spanien,
Martin IDDON, England,
Roberto David RUSCONI, Italien und
Nicolas TZORTZIS, Griechenland.
Der Gewinner des ersten Preises und sein Werk: Roberto David Rusconi: „De Arte Respirandi“
Geboren in Venedig, entwickelte Rusconi früh ein Interesse an klassischer und ebenso zeitgenössischer Musik. Er wuchs in einer Musikerfamilie auf und lernte Violine unter der Betreuung seines Großvaters, der erster Geiger unter Toscanini war. Rusconi besuchte das Konservatorium in Padua und schloss seine Studien in Komposition, Klavier, Chordirigat und Elektronischer Musik ab. Weitere Studien führten ihn u.a. zu Beat Furrer und Friedrich Haas nach Deutschland. 1994 übersiedelte er nach England, wo er seither als freier Produzent, Komponist und Lehrer arbeitet. Er war künstlerischer Leiter des Intrasonus Festival in Venedig von 2006 bis 2009. Zurzeit unterrichtet Roberto Rusconi an der British International School Phuket in Thailand und an der Madidhol Universität Bangkok.
Der Kompositionskatalog umfasst eine große Zahl an Kammermusik und Ensemblestücken, der Komponist ist aber auch bekannt für seine elektronischen Produktionen als „Kryon“. Seine Werke wurden u.a. von den Ensembles Klangforum Wien, Contrechamps, Mitgliedern des Arditti Quartet, JACK String Quartet und Trio Fibonacci in ganz Europa aufgeführt. CD-Produktionen und die Publikation eines Manifests über die Notwendigkeiten der klassischen zeitgenössischen Musikszene sowie die Gründung der theosophischen Musikbewegung „Sound Samadhi“ runden sein Werk ab.
De Arte Respirandi
Das Werk untersucht den unterschiedlichen östlichen bzw. westlichen Zugang zu künstlerischen Produktionen: der Westen betrachtet den künstlerischen Output als Ware, die möglichst hohe Verkaufszahlen produzieren sollte; auf der anderen Seite sieht der Osten das künstlerische Werk als einen Weg, etwas bisher Unbekanntes zu enthüllen, das es vielleicht möglich macht, die innere Bedeutung des Selbst und seines Lebens zu begreifen. Als Komponist, Musiker, Lehrer und Wanderer in der Welt der europäischen Klassik und der zeitgenössischen Musikwelt des 21. Jahrhunderts glaubt Roberto Rusconi, dass der kapitalistisch-kommerzielle Zugang nicht nur die Kreativität und die Seele des Künstlers vernichtet, sondern auch Jahrhunderte altes traditionelles Musikverständnis zerstört.
So ist die Absicht seines Werkes, mit alten Instrumenten und präziser Technik zu einem Weg zurückzukehren, der den Klang als etwas interpretiert, das in sich selbst existiert. Die Aufgabe der Ausführenden ist eine genaue Erforschung des Atems als primitivstem und körperlichstem Akt des Lebens und des Spielens. Die ganze Struktur, Phrasierung, Artikulation und Dynamik eines Werkes baut auf Atmung auf und versucht, eine Verbindung zwischen menschlicher Physiologie und dem Produzieren und Hören des Klanges herzustellen. Alle musikalischen Traditionen und alten Meister betonen die Wichtigkeit der korrekten Haltung und des richtigen Atmens, um den gewünschten Klang zu produzieren und so das Hören zu einem einzigartigen, fast spirituellen Erlebnis zu machen. Um so neue Einsichten in Klangwelten zu ermöglichen, müssen die Tugenden des sorgfältigen Zuhörens wieder geübt werden.
Die moderne Konsumwelt überflutet uns täglich mit Werbung und Musik, sodass die Menschen automatisch weghören. „De Arte Respirandi“ möchte zum genauen, aufmerksamen, meditativen Zuhören führen und verführen.