„Wir wollten zwar immer eine Gitarrenband sein, nur wollten wir nie wirklich wie eine klingen“ – PHILIPP KRIKAVA (FAMP) im mica-Interview

Eine Band, die erwachsen geworden ist und den hippen Indie-Pfad gegen einen zeitlosen Sound ausgewechselt hat. FAMP zeigen sich auf ihrer neuen EP „Tide“ (Lyla Records) als eine Band, die dem Begriff „Stadionrock“ auf wirklich eindrucksvolle und wunderbar eigenständige Art neues Leben einhaucht. PHILIPP KRIKAVA, der Sänger und Gitarrist der Band, sprach mit Michael Ternai über die intensive Suche nach dem eigenen Sound, die Notwendigkeit eines Inputs von außen und die Freude, dass die ganze Geschichte nach vielen Jahren Arbeit letztlich Fahrt aufgenommen hat.

Zwischen Ihrem Debüt „Shining Lightning“ und der neuen EP „Tide“ sind mittlerweile einige Jahre vergangen. Hört man sich durch die bisherigen Veröffentlichungen wird eines sofort augenscheinlich: Die Band hat sich im musikalischen Sinne rasant weiterentwickelt.  

Philipp Krikava: Als wir begonnen haben, war es mehr ein Spaß. Wir waren vier beste Freunde, die einfach gemeinsam Musik machen wollten. Irgendwann hat sich daraus dann das Debüt ergeben, das, wenn man heute zurückblickt, ein ziemlich wildes Sammelsurium aus unzusammenhängenden Songs war. Uns hat damals einfach noch ein Konzept gefehlt, eine Idee, wie wir unsere Vorstellungen musikalisch auf den Punkt bringen.

Mit der Entwicklung einhergegangen ist auch, dass der Ton Ihrer Musik einen deutlich ruhigeren Charakter angenommen hat.

Philipp Krikava: Wir sind einfach nicht mehr die lauten Jungs von früher. Wir sind alle in unseren späten Mittzwanzigern angekommen und haben auch den ruhigeren Sound zu schätzen gelernt. Das heißt jetzt nicht, dass wir in Zukunft nur noch Balladen spielen werden. Wir haben mittlerweile auch schon ein paar neue Songs geschrieben, die zwar von der Stimmung her ähnlich klingen, nur nicht mehr so langsam, schwer und balladenhaft, sondern etwas flotter und tanzbarer sind.

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„Das Einzige, was bei uns auf der Gitarre passiert, ist das Songwriting.“

Von einer lauten Gitarrenband zu einem großformatigen Indie-Pop-Act. Haben Sie diese Richtungsentscheidung eigentlich bewusst getroffen?

Philipp Krikava: Ich kann mich an diesen einen Moment noch ganz genau erinnern. Nach dem ersten Album und schon mit ein paar neuen Songs für das zweite Album „Exist“ in der Hand sind wir zusammengesessen und haben uns gefragt, was wir jetzt eigentlich machen wollen. Wir hatten zwar einige ganz feine Songs und ein paar coole Riffs beisammen, nur wussten wir nicht, wie wir aus diesen das besondere Etwas herausholen konnten. Zudem hat es uns zu diesem Zeitpunkt bereits richtig genervt, dass wir im Grunde genommen so klangen wie jede andere Gitarrenband auch. Unser Sound war einfach zu austauschbar. Wir wollten zwar immer eine Gitarrenband sein, nur wollten wir nie wirklich wie eine klingen. Das Einzige, was bei uns auf der Gitarre passiert, ist das Songwriting. Live arbeiten wir mittlerweile viel mit Samples, die letztlich unserer Musik auch diesen großen Stadionsound verpassen. Wir hatten damals die Vorstellung, musikalisch in eine Richtung zu gehen, für die Bands wie Coldplay, Oasis, The Verve und Travis, die uns allesamt stark beeinflusst haben, stehen.

Und dann kam Ihr neuer Produzent Johannes Herbst ins Spiel.

Philipp Krikava: Genau. Wir haben uns gesagt: „Okay, die Songs gibt es jetzt auf der Gitarre, aber wir wollen, dass sie sich anders anhören.“ Um das zu erreichen, haben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Produzenten gemacht und ihn in Johannes Herbst gefunden. Mit dem haben wir uns, noch bevor es überhaupt mit den Aufnahmen losgegangen ist, erst einmal zwei Tage lang zusammengesetzt und darüber gesprochen, wohin wir mit unserer Musik eigentlich wollen. Und schon der erste Song, den wir gemeinsam aufgenommen haben – das war der „Ticket to the Stars“, die erste Nummer unseres letzten Albums –, war ein Augenöffner. Als wir das Ergebnis gehört haben, wussten wir: Das ist es jetzt. Die Nummer war zwar immer noch ein Gitarrensong, klang im Sound aber viel, viel breiter und größer, also genau so, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich glaube, das war der für uns entscheidende Moment. Ab dann haben wir begonnen, uns musikalisch wirklich zu finden. Und ich denke, dass wir uns auf „Tide“ erstmals wirklich auch gefunden haben. Man kann sagen, dass „Exist“ einiges in Bewegung gesetzt hat, was man jetzt als Resultat auf unserer neuen EP „Tide“ hören kann.

„Du blendest das, was das Publikum hören will, eigentlich komplett aus.“

Inwieweit hat sich die Zusammenarbeit mit Johannes Herbst auf die Entstehung der Songs ausgewirkt?

Philipp Krikava: Die Zusammenarbeit war eine wunderbare neue Erfahrung und zugleich eine Erleichterung, weil endlich jemand da war, der der ganzen Geschichte eine zusätzlich Linie gab. Beim ersten Album haben wir uns ein Studio für drei Wochen gebucht. Wir hatten zwar einen Tontechniker und einen Produzenten, waren aber mit der Zusammenarbeit alles andere als zufrieden. Im Endeffekt war es so, dass wir unser erstes Album quasi im Alleingang produziert haben. Und das hat man auch den Songs auch angehört. Wir hatten damals noch keine Tontechniker-Skills und haben einfach so drauflosproduziert. Was einerseits ja ganz cool war, weil wir unsere Ideen direkt ausleben konnten. Auf der anderen Seite aber haben wir uns einfach im Sound verloren. Wenn du dich als Band selbst produzierst und niemand da ist, der dir Input gibt, produzierst du dich automatisch nischiger als nischig, weil du eben genau nur das machst, was du für richtig hältst. Du blendest das, was das Publikum hören will, eigentlich komplett aus.

FAMP (c) Carina Antl

Bei mir ist es so, dass ich einen Gegenpart brauche, an dem ich mich reiben kann und der mir neue Wege aufzeigt. Und so ein Gegenpart ist Johannes. Das ist mir schon nach den ersten Tagen unserer Zusammenarbeit klar geworden. Wir haben damals mit den Aufnahmen von „Exist“ begonnen. Da ist es schon vorgekommen, dass ich hie und da angefressen im Studio gesessen bin, weil Johannes gemeint hat, dass – zum Beispiel – der Refrain nicht gut genug sei und geändert werden müsse. Wir haben dann so lange an diesem herumgefeilt, bis er eben wirklich gepasst hat. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt und weiß jetzt, wie etwas klingen kann und was möglich ist.

Durch Ihre neuen Songs zieht sich ein melancholischer Grundton. Auch der ist neu im Vergleich zu den Anfangstagen.  

Philipp Krikava: Ja, das stimmt. Auf unserem ersten Album klang alles noch ein wenig, sagen wir, funky. Aber wir sind älter und reifer geworden und haben in den letzten Jahren einiges durchgemacht und erlebt. Trennungen zum Beispiel und auch andere weniger schöne Sachen sind passiert. Das färbt natürlich auf die Musik ab. Es ist schon ein gewisser Grundblues da, eine gewisse Melancholie. Aber jetzt nicht in der Form, dass jetzt nur noch getrauert wird. Es schwingt in den Songs schon immer auch ein Quäntchen Optimismus mit.

Auffallend an Ihrem Sound ist, dass er sehr zeitlos klingt und auch Platz für eine gewisse Hymnenhaftigkeit bietet. Aktuell Angesagtes dürfte auf der Liste Ihrer musikalischen Einflüsse nicht unbedingt ganz oben stehen, oder?

Philipp Krikava: Wir waren nie so eine Band, die irgendwie tief in einer Szene verhaftet war oder irgendwie einem hippen Trend hinterhergelaufen ist. Wir sind nicht die supercoolen Typen vom Schulhof und werden es auch nie sein, ganz einfach auch deswegen, weil wir das nicht können und wollen. Warum sollten wir uns auch verbiegen? Wir schreiben Musik, die auch Anfang der 2000er-Jahre hätte erscheinen können. Und genau das ist es, was wir wollen.

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„Es ist schön zu sehen, dass sich gerade einige Sachen zusammenfügen und alles plötzlich Sinn ergibt.“

Nach Ihrem zweiten Album „Exist“ ist es für Sie richtig abgegangen. Hat Sie der Erfolg überrascht?

Philipp Krikava: Ja, eigentlich schon. Eben weil wir uns gerade in dieser Trübsal-Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Album befanden, in der wirklich nichts weitergegangen ist und wir eigentlich völlig konzeptlos von Show zu Show gefahren sind. Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich sagen, dass damals die Freude schon ein wenig weg war. Du investierst zehn Jahre lang viel Energie in ein Projekt und es passiert quasi nichts. Das super Echo auf „Exist“ hat uns dann aber wieder positiv gestimmt. Es hat uns richtig glücklich gemacht und erleichtert, dass die Platte so gut angenommen wurde. Von einem großen Hype war zwar immer noch nicht zu sprechen, aber es war zu beobachten, dass sich unsere Fanschar stetig vergrößerte. Wirklich abgegangen ist es dann nach unserem Auftritt bei der deutschen TV-Show Circus Halligalli, der uns mit einem Schlag viele neue Fans beschert hat. Es war schön zu sehen, dass die Leute uns und unsere Musik mögen, wenn wir eine solche Plattform, eine solche Bühne bekommen. Das hat uns wirklich einen richtigen Push gegeben. Es ist schön zu sehen, dass sich gerade einige Sachen zusammenfügen und alles plötzlich Sinn ergibt.

Wo soll es mit FAMP noch hingehen?

Philipp Krikava: Wir haben in den letzten Jahren sowohl im Studio wie auch auf unseren Tourneen viel gelernt. Wir haben gesehen, dass es, wenn man erfolgreich sein will, vielmehr bedarf als eines guten Songs. Es muss der Sound stimmen, das Marketing und die Videos müssen passen und das gesamte Rundherum muss funktionieren. Man muss professionell arbeiten und mit einem Gesamtkonzept agieren. Musik können viele machen. Sie aber so zu machen, dass sie das Interesse weckt und bei den Leuten hängen bleibt, ist die eigentliche Kunst. Und genau das ist es, was wir in Zukunft noch optimieren wollen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Michael Ternai

FAMP live
16.12. Backstage, München /w Killerpilze
29.12. Jahresabschluss-Show, Outback, Wolkersdorf

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