Bild Hannelunder
Hannelunder (c) Hannelunder

„WIR SPIELEN MITEINANDER UND HABEN SPASS“ – HANNELUNDER IM MICA-INTERVIEW

HANNELUNDER haben eben ihr Album „Animals & Beasts“ (375 Media) veröffentlicht. Jürgen Plank hat mit der HANNES OUD und SARAH BRAIT darüber gesprochen, warum bei dessen Entstehung zwei Produzenten mitgewirkt haben und inwiefern auch Kinderlieder als Referenzpunkt für die Musik von HANNELUNDER stehen. STEFAN SCHWEIZER spielt in der Band die Ukulele und erzählt von einem Ukulele-Festival auf Hawaii, an dem er teilgenommen hat.

Wie ist denn der Bandname Hannelunder entstanden? Ist das eine Verballhornung oder ein Akronym?

Hannes Oud: Eine Musik-Kollegin hat mich eine Zeitlang zum Spaß Hannelunder genannt, weil sie die Endung „lunder“ lustig fand und diese mit Hannes kombiniert hat. Und das ist rund 15 Jahre später unser Bandname geworden.

Stefan Schweizer: Wir haben auch andere Namen gesammelt, aber wir haben keinen anderen besser gefunden.

Sarah Brait: Man muss akzeptieren, dass manche Hanneluder sagen.

Hanneluder würde auch passen, denn euer Album heißt „Animals & Beasts“. Animals verstehe ich, aber was sind für euch Biester?

Hannes Oud: Auf der einen Seite haben wir die Tiere, die Animals. Wenn man die umdreht, dann hat man auf der anderen Seite eine Unterwelt, mit echten Gefühlen. Mit düsteren Erscheinungen und Beziehungen, die nichts geworden sind und das sind die Beasts. Auf einem früheren Album hatten wir etwa ein Lied über einen Werwolf. Die Beasts sind die emotionale Schicht unter allem anderen.

Sarah Brait: Im Moment ist für mich das größte Biest die Langeweile. Das ist ein aktuelles Biest, das ich normalerweise nicht gewohnt bin. Sonst sind das Emotionen von früher, die sich manifestiert haben und die man nicht immer so leicht los wird. Die einen immer noch ein wenig heimsuchen, obwohl man sich schon weiterentwickelt hat.

Die Tiere kommen bei euch in den Liedtiteln vor: das gibt es einen Frosch, ein Krokodil, auch die Kaulquappe wird besungen. Kann es sein, dass die Lieder auch in Richtung Kinderlied gedacht worden sind? Inwiefern war das ein Ansatz?

Sarah Brait: Eigentlich nicht. Aber ich glaube, dass Hannelunder eine Band ist, die das Kind im Menschen, auch in Erwachsenen gerne adressiert. Vielleicht gar nicht so bewusst, sondern weil wir diese Seite mit Hannelunder ausleben wollen. Das ist vor allem bei Konzerten schön zu beobachten: Menschen, die sich auf diese Unbeschwertheit, dieses Kindliche einlassen können. Das sprudelt einfach aus uns heraus, weil wir eben diese Seite gerne leben.

„Es gibt durchaus einige Lieder wie ‘Under the table’, bei denen die Leute beginnen mitzugrölen”

Und es gibt bei euch, wie bei Kinderliedern, Refrains, die zum Mitsingen einladen. Singen die Leute bei euren Konzerten auch mit?

Hannes Oud: Ja. Manche der Lieder sind zu wechselhaft, da kann man nicht unbedingt mitsingen. Aber: es gibt durchaus einige Lieder wie „Under the table“, bei denen die Leute beginnen mitzugrölen. Oder beim Lied „Girino“, da singen wir dansa come un girino. Da tanzen und springen die Leute, das ist immer schön zu sehen.

Dansa come un girino bedeutet so viel wie: Wie eine Kaulquappe tanzen. Das Stück finde ich musikalisch interessant, weil ihr den Refrain in italienischer Sprache singt und euch musikalisch auf traditionelle brasilianische Musik, auf Forró, bezieht. Wie kam diese Mischung zustande?

Bild Hannelunder
Hannelunder (c) Hannelunder

Hannes Oud: Das ist eine gute Frage, das Lied habe ich ursprünglich mit einem Freund in Deutschland geschrieben, eine italienische Freundin hat mir ein paar Worte beigebracht, unter anderem girino, Kaulquappe. Beim Refrain wollte ich, dass sich die Akkordfolge immer weiter überschlägt und dann wieder zurückkommt. Dieser treibende, vielleicht südamerikanische Rhythmus hat sich so ergeben.

Stefan Schweizer: Es war nicht bewusst so gemacht, dass das Lied brasilianische Anklänge hat.

Im Pressetext steht, dass es euch um das Schöne und um das Schwierige des modernen Lebens geht. Woran arbeitet ihr euch da ab?

Hannes Oud: Aus meiner Sicht ist das Schöne, dass wir sehr frei sind – vergessen wir mal Corona – und wir haben unglaubliche Möglichkeiten an Dingen, die wir unternehmen können. Wir leben an einem Ort, in einer Zeit, in der man nicht existenziell gefährdet ist und sich sehr frei entfalten kann. Somit hat man auch die Möglichkeit, einfach Spaß zu haben und gaga zu sein und das innere Kind zu feiern. Dadurch, dass viele Menschen sich so frei entwickeln können und über social media alles teilen wollen und sich gegenseitig beeindrucken wollen, entsteht auf der anderen Seite auch ein großer Vergleichsdruck. Dazu gibt es das Lied „Left behind“, weil man sich mittels social media ständig verrückt machen könnte.

Stefan Schweizer: Mir kommt immer vor: Unsere Themen sind eher persönlich und weniger politisch. Oder gesellschaftskritisch.

„Wir sind keine Perfektionismus-Band“

Ihr habt euch zwei Produzenten ins Studio geholt, warum war das notwendig?

Hannes Oud: Als wir das Album angefangen haben, gab es schnell das Konzept, dass wir zwei Seiten – eben animals und beasts – machen wollen. Ich wusste, dass Patrick Sischka einen direkten, knackigen Stil hat, leicht rotzig. Nicht high-fidelity, das passt zu uns: Wir spielen miteinander und haben Spaß. 

Sarah Brait: Wir sind als Band auch nicht glattgebügelt, wir sind keine Perfektionismus-Band. Wir sind nicht überprobt und das ist auch unser Charme. 

Hannelunder: Snowflake – Official Music Video from Hannelunder on Vimeo.

Hannes Oud: Bei Patrick Sischka hatte ich das Gefühl, dass er diesen Charme gut einfangen kann. Für Lieder wie „Snowflake“ ging es darum, eine feinere Klangwelt aufzubauen. Ich habe etwas von Sixtus Preiss gehört und er macht selbst elektronische Musik und hat ein anderes Klangvorstellungsvermögen. Das wird ein bisschen räumlicher und ich fand, dass sich das für die andere Seite des Albums gut eignen würde. 

Das Stück „Left behind“ habt ihr schon erwähnt. Ich habe das als Lied über das Musikbusiness gehört, weil es um andere Musiker und Musikerinnen geht, die schon Stars sind.

Hannes Oud: Ja, der Auslöser für das Lied war, dass mein Bruder mich angerufen hat und gesagt hat, dass er heiratet. Das hat das Gefühl ausgelöst, dass die anderen es schaffen und wir zurückbleiben. Das trifft genauso auf das Musikbusiness zu: Wir, in der Band, sind alle keine Marketingprofis und posaunen nicht immer hinaus, was wir gerade machen. Und wir posten auch nicht Stories darüber, was wir gerade machen. Viele Musiker und Musikerinnen machen das aber und man sieht so die Erfolge der anderen. Das Lied bildet das Gefühl ab, dass die anderen es irgendwie besser machen.

Was ist denn für dich, Stefan, bei Hannelunder möglich, was in anderen Bands nicht möglich ist?

Cover Animals & Beasts
Cover “Animals & Beasts”

Stefan Schweizer: Hannelunder ist aktuell, die einzige Band, in der ich spiele. Früher, als Jugendlicher, wollte ich in Richtung Jazz gehen und habe Jazz-Gitarre gespielt. Daran habe ich irgendwann die Lust verloren. Jetzt spiele ich ein Instrument, das ich nicht so ernst nehme: Ukulele. Als ich Hannes zum ersten Mal gehört habe, wollte ich gleich mitmachen. Für mich ist bei Hannelunder viel möglich, weil ich auch musikalisch viel lernen.

Die Ukulele kennt man noch von ganz früher: Marilyn Monroe im Film „Some like it hot“. Seit einigen Jahren wird die Ukulele immer öfter in der Pop-Musik eingesetzt. Bist du auch auf dieser Welle?

Stefan Schweizer: Ich glaube, ich bin erst auf die Idee gekommen Ukulele zu spielen, als ich das bei anderen Musikern gesehen habe. Später habe ich mich für ältere Musik mit Ukulele interessiert, zum Beispiel mit dem britischen Ukulele-Spieler George Formby. Und ich war auf einem Ukulele-Festival auf Hawaii.

Wie war das Festival, was hast du auf Hawaii gelernt?

Stefan Schweizer: Das Festival habe ich positiv und negativ erlebt, denn ich interessiere mich mehr für Songs und weniger für das virtuosenhafte Spiel. Am Festival waren sehr gute Musiker, die sehr gut gespielt haben, das waren vor allem Hawaiianer und Hawaiianerinnen.

Ihr veröffentlicht euer Album während eines Lockdowns. Wie werdet ihr weiter vorgehen?

Sarah Brait: Pläne zu machen, ist im Moment schwierig. Wir sind eine Live-Band und müssen deshalb einfach ein bisschen warten, bis es wieder möglich ist, Konzerte zu spielen. Live können wir dann das Album gut präsentieren. Jetzt versuchen wir, das Album ein bisschen unter die Leute zu bringen. Vielleicht finden sich noch im Lockdown ein paar Abnehmer für die LP, die Freude daran haben.

Sarah, fällt dir ein besonderes Live-Erlebnis ein?

Sarah Brait: Zuletzt im Kramladen, da haben wir zum ersten Mal mit Sebastian am Schlagzeug gespielt, da haben wir gut zusammengespielt und die Energie war gut. Wir hatten eine gute Zeit miteinander. Wir haben auch schon auf WG-Parties gespielt, auf denen der Schweiß nur so geronnen ist, weil alle mitgetanzt haben.

Herzlichen Dank für das Gespräch. 

Jürgen Plank

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