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WIENER GEMEINDERATSWAHLEN 2020 – DIE PARTEIEN ZUM THEMA WIENER MUSIKSZENE: MARTHA BISSMANN (SÖZ)

Anlässlich der bevorstehenden Wiener Gemeinderatswahlen fragt mica – music austria bei Vertreter*innen der antretenden Parteien nach, wie sie die Lage der Wiener Musikszene einschätzen und wie ihre Pläne, diese in Zukunft zu unterstützen, aussehen. Hier die Antworten von MARTHA BISSMANN von der SÖZ – SOZIALES ÖSTERREICH DER ZUKUNFT.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Musik? Welches Bild haben Sie von der Wiener Musikszene?

Ohne Musik kann ich nicht leben. Ich brauche Musik zum Arbeiten, zum Autofahren, Bahnfahren, beim Aufräumen, Putzen, Essen und beim Tanzen. Wien und Musik sind untrennbar miteinander verbunden. Wien wäre ohne Musik wie ein Weinglas ohne Wein. Wien ist nicht nur internationaler Hotspot für klassische Musik, Jazz und auch Weltmusik, sondern auch spätestens seit Kruder & Dorfmeister auch am Schirm der elektronischen Musikszene.

Das Wiener Kulturbudget wuchs 2020 um ca. 10% gegenüber dem Vorjahr, das sind ungefähr 26 Millionen Euro mehr für Kunst und Kultur. Wie soll es die kommenden Jahre weitergehen? Soll das Budget coronabedingt weiter aufgestockt werden oder muss das Geld erst einmal reichen?

Der Kunst- und Kultursektor leidet massiv unter den massenhaften Ausfällen von Veranstaltungen und Aufführungen. Wir von der SÖZ treten für ein bedingungsloses Grundeinkommen für den Kunst- und Kultursektor ein. Für alle EPUs und Kleinstunternehmer*innen der Branche, inklusive der Eventtechnik.

Das Geld fürs Kulturbudget sollte auf jeden Fall zumindest gleich hoch bleiben.

Es gab in den Jahren 2008 und 2018 jeweils eine Studie über die soziale Lage der Künstler*innen. Die Hälfte der Befragten (aller Sparten) nennt für das Erhebungsjahr 2017 ein Einkommen aus künstlerischer Tätigkeit von unter 5.000 Euro. Deshalb müssen andere Tätigkeiten ausgeübt werden, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Unter Einbeziehung aller ausgeübten Tätigkeiten liegt das persönliche Netto-Jahreseinkommen im Mittel bei 14.000 Euro und damit unter dem gesetzlichen Mindestlohn.  Was muss passieren, um Musikschaffenden faire bzw. fairere Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung zu garantieren?

Siehe oben – das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) nimmt Künstler*innen den Existenzdruck und sie können sich in ihrer künstlerischen Arbeit viel besser entfalten.

Frauen – das haben beide Studien zur sozialen Lage, sowohl 2008, als auch 2018 gezeigt – haben es noch einmal schwerer als ihre männlichen Kollegen. Was geschieht bzw. soll geschehen, um das zu ändern?

Das BGE hilft zum Teil, die Gender-Lohnschere im Kunst- und Kultursektor zu minimieren. Es sollte eine Diskussion geführt werden über die Einführung von Frauenquoten bei Kulturveranstaltungen. Die Ankündigung alleine wird den Frauenanteil erhöhen.

Halten Sie Anreizsysteme für geförderte Spielstätten und Veranstalter*innen zur Erhöhung des Anteils heimischer Musikschaffender in deren Programmen für sinnvoll?

Absolut sinnvoll!

Halten Sie die freie Szene für in besonderem Maße förderungswürdig und wenn ja, warum?

Ja! Denn die freie Szene ist chronisch unterfinanziert, jedoch ist sie gesellschaftlich, kulturell, künstlerisch, ja sogar sozial enorm wichtig.

Kulturveranstalter*innen beklagen mangelnde Planungssicherheit im Zuge der sich laufend ändernden Corona-Vorschriften. Was soll die Politik auf Ebene von Bund und Stadt Wien in den kommenden Monaten tun, um Kulturveranstaltungen trotz aller Widrigkeiten zu erleichtern bzw. überhaupt zu ermöglichen?

Auf der ganzen Welt werden kreative, umsetzbare Konzepte entwickelt um Kulturveranstaltungen Corona-kompatibel zu gestalten. Es gibt keine Ausreden! Die Stadt Wien muss alles dafür tun, die Veranstaltungen zu ermöglichen und dafür ein Expert*innengremium einsetzten, welche für jeden Veranstaltungsbereich maßgeschneiderte Konzepte vorschlägt und dann dafür sorgt, dass diese standardisiert umgesetzt werden! Das erhöht auch die Attraktivität für die Besucherinnen – weil sie wissen, was sie erwartet.

Clubkultur ist in diesem Jahr ein sehr präsenter Begriff in den Medien, obwohl diese Kultur durch die Covid-19 Maßnahmenverordnung kaum präsent ist und in ihrer Existenz bedroht ist. Wie würden sie die momentanen Hilfsmaßnahmen für Clubkultur bewerten und gäbe es ihrer Ansicht nach Alternativen?

Beim Tanzen sind Abstandsregeln wohl am schwersten einzuhalten. Aber es ist nicht unmöglich! Wo möglich, sollen Clubbings in den Freiraum verlegt werden und im Innenraum sollte es möglich sein, unter Einhaltung der Besucher*innen- Anzahl sicheres Tanzen zu ermöglichen. Die kürzlich beschlossenen 3 Millionen für die Clubkultur sind ein guter erster Schritt. Es darf aber nicht dabeibleiben.

Musikspielstätten bzw. Clubs sind durch Covid-19 gefährdeter als sonstige Betriebe. Wie kann die Politik die Räumlichkeiten schützen, damit sie auch nach der Krise weiterhin für den Musik- bzw. Clubkulturbereich zur Verfügung stehen?

siehe Antwort 8.

Was braucht es, um Clubkultur dauerhaft zu fördern?

Erstmal muss die Clubkultur von der Stadtregierung angemessen wertgeschätzt werden und als essenzieller Teil der Wiener Kulturszene bewertet werden! Im Vergleich mit Berlin steht Wien mit einer eher mageren Clubkultur-Szene da. Dann braucht es gezielte Förderungen und Bewerbung der Events und Spielstätten, als Teil der nicht nur zu Corona-Zeiten.

In Covid-19 Zeiten wird der Wunsch nach leicht zugänglichen Freiluftflächen für Veranstaltungen immer größer. In deutschen Städten gibt es dazu Projekte wie etwa die sogenannten „model spaces“. Sollte die Stadt Wien solche Flächen anbieten?

Ja unbedingt!!! Wir haben diese Freiflächen in Wien und generell ist es eine Bereicherung für die Stadt, wenn Kultur und Musik mehr ins Freie verlegt werden.