Eine Nachdenklichkeit in sieben Teilen mit einer Vernissage, ein dramatisches Konzert für großes Ensemble und Konzerthauspersonal, das verspricht die von WIEN MODERN und der Wiener Konzerthausgesellschaft in Auftrag gegebene und von Patrick Corillon für das Klangforum Wien konzipierte netzzeit-Produktion „Oskar Serti geht ins Konzert. Warum?“ zu werden. Im Lauf eines sechsstündigen Abends werden Säle, Pausenräume, Gänge und Garderoben bespielt, kurz: jeder Ort im Haus, den man dem Publikum zugänglich machen kann. Die verschiedenen Elemente des Abends (Rezitationen, Klanginstallationen, Ausstellungen, Dialoge, unsichtbares Theater und Konzerte) verfolgen ein gemeinsames Ziel: die verborgenen Schönheiten unserer Konzerthäuser und die Vielzahl der unterschiedlichsten Wünsche, Sehnsüchte und Träume, die das Konzert erfüllt, ins Licht zu rücken. Die Termine sind der 5. und 6. November.
Ungeachtet der großen Vielzahl von Themen die von Oskar Serti, dem meistgelesenen Schriftsteller ungarischer Sprache in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in seinem literarischen Werk berührt wurden, hat er doch niemals auch nur die kleinste Zeile mit Bezug auf seine große Liebe zur Musik geschrieben. Und dies, obwohl seine Liebe zur Welt der Musik im allgemeinen und zur Pianistin Catherine de Sélys im besonderen sein Leben in entscheidender Weise geprägt haben.
Auf der Grundlage von ihm selbst aufgenommener Photographien, von Tagebucheintragungen, Zeugnissen seiner Angehörigen, seiner Instrumentensammlung und seiner Kollektion ungarischer Volkslieder, wird das im Rahmen von WIEN MODERN stattfindende dramatische Konzert am 5. und 6. November Antworten auf die Frage suchen. Welche Geheimnisse waren es, die Oskar Serti (Budapest, 1881 – Amsterdam 1956) mit so großer Regelmäßigkeit ins Konzerthaus trieben?
Die Musiknacht Oskar Serti geht ins Konzert. Warum? stellt einfach die Frage, was es ist, das uns so regelmäßig dazu treibt, lebendige Musik an einem öffentlichen Ort zu hören? Mit Hilfe Oskar Sertis als enblematischen Konzertbesucher werden alle Aspekte dieses besonderen Moments angesprochen: Dieser besondere Moment, das ist, wohlverstanden, das Konzert selbst, aber ebenso die Zeit der Vorbereitung auf den Konzertbesuch, die Zeit der Rückkehr, des sich Erfreuens am Wiedersehen mit Freunden, des Denkens an das, was zu hören man im Begriff steht, was man die Woche zuvor gehört hat und des sich daran Erinnerns in späteren Jahren. In jedem Konzerthaus finden wir die Aura eines bestimmten Orts.
Die Absicht an diesem besonderen Abend ist es, den Besucher in die Vielzahl der verschiedenen bewussten oder unbewussten Sehnsüchte eintauchen zu lassen, die uns ins Konzert führen. Der Abend bietet natürlich und vor allen Dingen zeitgenössische Musik, aber in diesem besonderen Fall sind die Musikstücke (die sonst ein eigenständiges Leben führen) in Erzählungen eingebettet, die von den MusikerInnen selbst vorgetragen werden. Während die musikalischen Teile des Abends meistenteils in den Konzertsälen selbst gespielt werden, werden sich die erzählerischen Partien in allen Teilen des Hauses ereignen: Foyers, Korridore, Garderoben, Buffets, Stiegenaufgängen. Im Lauf des Abends werden die MusikerInnen etwa dreißig Erzählungen vortragen, die sämtliche Oskar Sertis heiße Liebe zur Musik in Szene setzen, und sich zu diesem Zweck großer gemalter Rouleaux bedienen, bunte Bücher aufschlagen, chinesische Schatten animieren und eine sehr besondere Instrumentensammlung zum Leben erwecken. Sie werden jene Emotionen verkörpern, die das Leben eines jeden Musikliebhabers durchziehen.
An diesem Abend Zur Aufführung gebracht werden Werke unter anderem von Georges Aperghis, Beat Furrer, Peter Ablinger, Gerald Resch und Bernhard Lang.
Fotos © Patrick Corillon