„WENN MAN EIN PAAR LEUTE ERREICHT, WAR DIE ARBEIT NICHT UMSONST“ – INES DALLAJI A.K.A. BAD IDA IM MICA-INTERVIEW

Musik macht INES DALLAJI schon seit mehr als 20 Jahren – anfangs meist als Interpretin. Jetzt hat sie als BAD IDA ihre zweite Single „Where Have You Been“ am Start. Jürgen Plank hat mit ihr über musikalische Einflüsse, die gerade laufende Albumproduktion und ihre Tätigkeit als Musikarbeiterin gesprochen – und darüber, dass ihr Marianne Mendt auf einer Toilette einst eine Visitenkarte zugesteckt hat.

Wie hat deine Beschäftigung mit Musik begonnen?

Bad Ida: In meiner Jugend, in meiner Teenagerzeit, hatte ich mit meinem Gitarre-Lehrer Sigi Schneider ein Musikduo. Wir hatten dann auch mit noch drei Waldviertler Musikern eine Band namens Multiple Joys. Valentin Schuster war da mit dabei, der spielt jetzt bei Edi Nulz Schlagzeug.

Hast du damals auch Konzerte gespielt?

Bad Ida: Als ich 18 Jahre alt war, haben wir ein Album gemacht und einige Konzerte gespielt. Zwei Mal haben wir zum Beispiel im Birdland in Wien gespielt. Oder beim Open Air zu „50 Jahre Staatsvertrag“ beim Belvedere. Ich habe dann aber in Wien Arabistik studiert und Valentin hat in Graz Schlagzeug studiert, so hat sich das ein bisschen verlaufen.

Bild Bad Ida
Bad Ida (c) Matthias Ledwinka

Wie ging es danach weiter?

Bad Ida: In meinen Zwanzigern habe ich ganz wenig Musik gemacht, da war ich in der Wissenschaft tätig. Ich habe im Alter von 30 Jahren meine Doktorarbeit im Fach Arabistik eingereicht und mich 2 Monate danach für ein Gesangsstudium beworben. Der erste Lockdown war eine gute Zeit, mit der eigenen Musik zu beginnen. Damals hat mir Marc Bruckner Song-Entwürfe geschickt, weil er schon seit Längerem gemeint hat, ich sollte etwas mehr Musik machen. Ich habe dazu aber eine Initialzündung gebraucht, er hat sie mir mit den Entwürfen gegeben und so haben wir begonnen, miteinander Musik zu schreiben.

Wie seid ihr ganz konkret vorgegangen?

Bad Ida: Marc hat mir Ideen von unterschiedlicher Länge geschickt, mit Gitarre oder Piano gespielt. Zu den Skizzen, die mir am meisten zugesagt haben, habe ich Gesangsmelodien und Texte geschrieben. Dann haben wir uns getroffen und begonnen aufzunehmen, wir haben die Längen der Lieder definiert und für die Aufnahmen Alexander Lausch mit ins Boot genommen. Er hat den Bass beigesteuert, Schlagzeug hat Marc selbst eingespielt. Und wir laden uns Gäste ein, wenn wir für die Albumproduktion noch eine zusätzliche Note brauchen. Aber den Hauptteil leisten wir drei, auch weil Marc sehr viele Instrumente spielt.

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Damit zu deiner aktuellen Single „Where Have You Been“. Was ist für dich die Idee und die Botschaft hinter diesem Song?

Bad Ida: „Where Have You Been“ war der allererste Song, den Marc und ich aus seinen Entwürfen entwickelt haben. Mit Anfang Zwanzig war ich, wie man das so nennt, in einer toxischen Beziehung, verheiratet, und die Ehe war Gott sei Dank nach nicht allzu langer Zeit beendet. Im Lied arbeite ich diese Vergangenheit auf. Der Titel „Where Have You Been“ deutet schon an, worum es geht, nämlich, dass man auf eine Person wartet, mit der man eigentlich nicht mehr in einer Beziehung sein will.

Wie entstehen deine Lieder überhaupt? Geht es da um Themen, die du bearbeitest und abschließt?

Bad Ida: Bis jetzt ja, da ging es oft um Geschichten, die ich abschließen wollte. Oder es sind meine Gedanken zum Zwischenmenschlichen, zum Persönlichen. Mit der ersten Single „You Gotta Change“ ging es mir darum die Botschaft zu vermitteln, dass ich mich nicht verändern lassen will, nur um jemandem zu gefallen und irgendwo hinein zu passen. Auch nicht in Bezug auf die Musikindustrie und die Musikbranche. Ich habe meinen Musikgeschmack und ich habe meinen Stil und ich habe lange gezweifelt. Jetzt möchte ich nicht mehr zweifeln, sondern die Musik so machen, wie sie mir gefällt.

„Ich habe schon immer gerne afro-amerikanische Musik gehört“

Welchen Einfluss hat denn Soul auf deine Musik?

Bad Ida: Viele, die meine Stimme hören, sagen sie klingt soulig. Ich habe schon immer gerne afro-amerikanische Musik gehört. Genres, die bei uns auf Festivals nicht so sehr am Programm stehen: R’n’B der älteren Schule, Blues-Rock, auch mal Musik in Richtung Folk und Country. Ältere Pop-Rock-Musik, ich bin da eher in der Vergangenheit angesiedelt, auch im Bereich Indie und Alternative oder Grunge. Das hat in meine Stimmentwicklung alles mit hineingespielt. Mein Label Konkord hat für mich die lustige Bezeichnung first lady of garage soul entwickelt. Der Hinweis garage soul kam von Norbert Wally von The Base. Das Label Konkord und ich haben länger überlegt, welchem Genre man unsere Musik zuordnen könnte. Wir haben die Musik Norbert vorgespielt und er hat gemeint, dass das nach garage soul klingt. So ist diese Bezeichnung entstanden.

Bild Bad Ida
Bad Ida (c) Matthias Ledwinka

Wie ist das Video zur neuen Single „Where Have You Been“ entstanden?

Bad Ida: Das Video ist eine No-Budget-Homestory. Einerseits war es mir wichtig, dass alles in meiner Hand bleibt, weil das Lied eine persönliche Sache ist. Ich wollte es einfach mal ausprobieren, so viel wie möglich selbst zu machen. Andererseits war es auch eine Budget-Frage. Für das erste Video habe ich mein Erspartes aufgebraucht, da habe ich mit Heidi Fial zusammengearbeitet, aber wenn man keine Video-Förderung bekommt, muss man Alternativen finden und sich ausprobieren. Es war ein Auf und Ab, weil man an seine Grenzen stößt, wenn man etwas zum ersten Mal macht. Aber ich bin mit dem Video zufrieden, da es die Geschichte gut unterstreicht.

Apropos Förderungen: Was erlebst du als Musikerin schwierig in Arbeitsprozessen bzw. welche Unterstützungen würdest du dir wünschen?

Bad Ida: Ich bin zum Großteil zufrieden, was den Support betrifft: ich habe ein gutes Label, ich habe eine liebe Freundin, die mich bei der Promo unterstützt. Ich habe den Alex, der das Studio hat, wir können jederzeit aufnehmen, mischen und produzieren. Und uns dabei so lange Zeit lassen, wie wir wollen. Wir sind relativ unabhängig, aber wenn es darum geht ein professionelles Musikvideo machen zu lassen oder jemanden für die Promo ins Boot zu holen: dafür braucht man ein Budget. Oder fürs Mastering oder eine Vinyl-Produktion braucht man ein Budget. Ich suche um diverse Förderungen an, aber es ist natürlich schwierig, etwas zu bekommen, weil viele um Förderungen ansuchen. Deswegen muss man Wege finden, wie man doch etwas so umsetzen kann, wie man möchte. Das ist oft viel Arbeit, aber: wenn man ein paar Leute erreicht, war die Arbeit nicht umsonst. Und wenn immer ein paar Interessierte mehr dazu kommen.

Du bist nicht nur Musikerin sondern auch Musikarbeiterin. Was machst du alles?

Bad Ida: Ich mache seit Ende 2019 für einige österreichische Acts das Booking, das sind Herzensprojekte, die ich unterstütze. Alex Miksch, Anna Anderluh und Son of the Velvet Rat, die drei betreue ich zurzeit am aktivsten. Manchmal kommen andere Jobs herein, wie bei der Promo helfen, Pressetexte schreiben oder ein Crowdfunding machen. Ich versuche, all das mit dem eigenen Musikmachen unter einen Hut zu bringen, meine Agentur heißt Lautmalerei.

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Inwiefern ist es für dich wichtig, dass du verschiedene Teile des Musikbetriebs kennst? Von der Musikerin bis zur Musikarbeiterin?

Bad Ida: Ich war immer schon, seit ich selbst Musik mache, sehr musikaffin und sehr interessiert am österreichischen Musikleben. Ich habe immer auf Festivals gearbeitet und mich auch für die Dinge interessiert, die im Hintergrund passieren. Ich habe also immer gerne im Hintergrund mitgearbeitet und zum Beispiel backing vocals eingesungen oder auf Festivals Künstlerinnen und Künstler betreut.

„Ein persönliches Highlight war, dass mir bei dem Konzert zu „50 Jahre Staatsvertrag“ die Marianne Mendt auf der Toilette eine Visitenkarte gegeben hat“

Gibt es ein Erlebnis für dich, das du nur durch diese Beschäftigung mit der Musik auf allen Ebenen gehabt hast?

Bad Ida: Das ist eine schwierige Frage, es waren sehr viele schöne Momente dabei. In den letzten Jahren habe ich zum Beispiel als Künstlerbetreuerin beim Inntöne-Festival gearbeitet. Das ist ein sehr schönes Festival in Oberösterreich, wo immer unglaublich gute Musikerinnen und Musiker spielen. Auch am Musikfest in Waidhofen war es immer ein Erlebnis supertolle Musikerinnen und Musiker kennen lernen zu dürfen. Ein persönliches Highlight als Musikerin war, dass mir beim Konzert zu „50 Jahre Staatsvertrag“ die Marianne Mendt auf der Toilette eine Visitenkarte gegeben hat. Mit dem Hinweis, dass ich bei ihrer Jazz-Nachwuchsförderung mitmachen soll.

Herzlichen Dank für das Interview.

Jürgen Plank

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