WE MAKE MUSIC – die heimische Musiklandschaft im Porträt

„Jemand hat einmal gesagt, in Österreich Musik machen zu wollen, sei so, wie in Teheran als Bibelverkäufer  zu arbeiten.“ – PETER DRAXL, Universal Music

Mit der dokumentarischen Spurensuche „We Make Music“ gibt Regisseur und Drehbuchautor Matthias Exel seinen ZuschauerInnen Einblick in die österreichische Musiklandschaft, wobei der Fokus auf den popkulturellen Sektor geworfen wird.
Als dramaturgische Klammer zwischen Konzertausschnitten und Interviews mit diversen Musikschaffenden, Kulturexpertinnen und -experten sowie JournalistInnen hat sich Matthias Exel die Figur einer neugierigen, bisweilen etwas ridikül auftretenden jungen Dame ausgedacht, die das Publikum von Gespräch zu Gespräch führt. Dazwischen sind beliebige Stadtaufnahmen und historische Sehenswürdigkeiten im Bild, mit denen die österreichischen Größen der Vergangenheit heraufbeschworen werden.

Mozart, Falco, Schubert

Dass Österreich kulturell mehr zu bieten hat als die alten Meister, muss auf einer Plattform wie mica – music austria wohl nicht extra erwähnt werden. Trotzdem hat Exel die nicht zu leugnende Omnipräsenz der amerikanischen Musik und Popkultur zum Anlass genommen, um hinter die Kulissen der heimischen Musikbranche zu schauen.

Radio und Spotify

Eberhard Forcher, laut Eigendefinition „Ö3-Moderator seit dem Paläozoikum“, erläutert, warum österreichische KünstlerInnen auf Ö3 in direkter Konkurrenz mit den internationalen Stars und Sternchen stehen. Die Messlatte für die heimischen Bands müsse sehr weit nach oben geschraubt werden, um die immense Hörerschaft von Ö3 und deren Erwartungshaltung nicht zu enttäuschen. Da aber nicht jede österreichische Band radiotaugliche Superhits produzieren möchte und könne, werde die herrschende Radio-Politik zum Problem. Denn mit einer höheren Airplay-Quote der heimischen KünstlerInnen käme es folglich zu einer positiven Kettenreaktion, also zu einer größeren Marktnachfrage, zu mehr Fördergeldern und somit ganz allgemein zu einem höheren Prestige.
Franz Hergovich (mica – music austria) spricht im Film über die Notwendigkeit einer dauerhaften Unterstützung der KünstlerInnen und davon, dass sich eine Produzentin bzw. ein Produzent nicht sofort aus dem Staub machen sollte, wenn ein Album weit entfernt von der Chartspitze steht.
Hergovich fordert dazu auf, dass fernbleibender Ruhm die Kooperation nicht stoppen sollte.

Mehr Vertrauen und Zuversicht wünschen sich alle InterviewpartnerInnen, und auch den Mut zu visionären Vorstellungen, der als Antrieb fungiert. Conchita Wurst teilt mit einigen ihrer Kolleginnen und Kollegen die Ansicht, dass die Musik der heimischen KünstlerInnen am meisten von ihnen selbst unterschätzt werde. Daher plädiert sie für mehr Selbstbewusstsein, Zusammenhalt und Zuspruch untereinander.

Über das Marktwunder Spotify wird ebenfalls diskutiert, ein Medium, das den isolierten Musikkonsum fördert, das Interesse an Livekonzerten schmälert und damit zu einer problematischen Wirtschaftssituation der MusikerInnen in Österreich beiträgt.

„We Make Music“ informiert über die aktuelle Lage der österreichischen Musikbranche im popkulturellen Kontext und schweigt dabei merkwürdigerweise über die beiden Erfolgsexplosionen Wanda und Bilderbuch. Eines vermittelt der Film jedoch gewiss, nämlich das Bewusstsein, wie bunt die heimische Popbranche ist und wie viele Bands in ihrem Probekeller noch auf den großen Durchbruch warten.

Julia Philomena
Erhältlich ist der ganze Film unter www.reelhouse.org/radiclemedia/we-make-music