Waves Vienna Konferenz: Urheberrecht

Im Rahmen des Waves Vienna Festival wurden wichtige Bereiche der Musikbranche erkundet. Die Diskussion über das Urheberrecht fand nicht nur auf einer sachlichen, sondern auch auf einer persönlichen Ebene statt. Dabei sprachen die Gäste aus ihrer Sicht der Musikschaffenden, und fühlten sich ebenso in die Position der Musikkonsumenten ein.

Dabei ist es vor allem wichtig, den Begriff zu definieren. Moderator Rainer Praschak (mica – music austria/AT) unterteilt das Urheberrecht in die Grundkategorien Persönlichkeitsrecht und Verwertungsrechte. Das Persönlichkeitsrecht umfasst dabei die Namensnennung des Künstlers, und den Schutz vor Entstellungen und Bearbeitungen des Werkes. Das Verwertungsrecht wiederum kann in zwei Kategorien unterteil werden. Die körperlichen Verwertungsrechte beziehen sich auf die Vervielfältigung und Verbreitung, die unkörperlichen auf Sende-, Aufführungs- und Zur-Verfügungsstellungsrechte.

Man ist sich einig, dass die „Anti-Urheberrecht“-Kampagnen sich vor allem deswegen halten, weil kein profundes Wissen über die Definition an sich und ihre Bedeutung vorhanden ist. Viel mehr kursiert eine vage Ahnung, die aber die Bedürfnisse der Musikschaffenden nicht miteinbezieht. Bernhard Kern (Siluh Records/AT) betont, dass vor allem die Sensibilisierung im Bereich Musikproduktion hinterherhinkt. Es ist klar, dass Alben nicht auf Bäumen wachsen, aber deren Produktionskosten wird von der Masse unterschätzt.

Christof Ellinghaus (City Slang/D) setzt sich hier für eine Modernisierung des Urheberrechtes ein. Seine Idee bezieht sich auf die Anonymisierung von YouTube-Nutzern, die ihre Videos mit Musik von Dritten hinterlegen und online stellen. Bei einer Synchronisation von Bild und Ton müssten eigentlich die Lizenzen und Synchronisationsrechte überprüft werden, aber im Falle YouTube gibt es noch keine Übereinkunft über jene Angelegenheiten.

Ellinghaus argumentiert, dass bei anderen Internetanwendungen persönliche Daten angegeben werden müssen. Dies sollte auch für User der Videoplattform eingeführt werden um sicher zu stellen, dass mit der illegal verwendeten Musik kein Geld eingenommen wird, sondern, dass nur private Nutzung im Vordergrund steht. Im Weg steht, wie bei so vielen Debatten, der Datenschutz, denn wenn der Server sich an irgendeinem entlegenen Ort befindet, sind die Daten schwer zugänglich.

Streaming Plattformen sind laut Kern wiederum ein Weg in die richtige Richtung. Dadurch wird zwar Musik zum täglichen Konsum bereitgestellt, aber die Hörer können diese nicht „besitzen“. Auf der einen Seite sehen die Experten, dass die Nutzung von File Sharing Seiten ein wenig eingedämmt wird, und auf der anderen Seite ist der Ansporn größer, Musik, die gefällt,  wirklich kaufen zu wollen.

So positiv die kleinen Schritte auf einem langen Weg sind, so rückständig können aber noch immer bestimmte Anlaufstellen sein, an denen man auf diesem Weg vorbeikommt. Besonders viel Kritik musste die AKM, die Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger, einstecken. Nicht nur die drei Gäste, sondern auch Wortmeldungen aus dem Publikum belegen, dass ein rückständiges System Wandel aufhalten kann.

Die Datenverwertung sei das große Problem der AKM. Denn statt klar darzustellen, wie oft beispielsweise ein Lied im Radio gespielt wurde, wird die Rechnung bis ins kleinste Detail aufgespalten, so dass unvollständige Daten das Ergebnis sind. Auch auf die Streaming Anwendung Spotify wurde das noch nicht umgestellt. Um von der AKM überhaupt als ein auf Spotify gespielter Artist registriert zu werden, muss es mindestens 1000 Plays bei einem Lied geben.

Das System der AKM vermögen die Kampagnen, seien sie Pro oder Anti, nicht allein zu verändern. Aber, dass die Generation der heutigen Jugendlichen und Kinder darüber aufgeklärt wird, was es bedeutet Musik runterzuladen und dann per Handy oder gebrannten CDs zu verteilen. Die Selbstverständlichkeit, Musik immer besitzen zu können, ohne zu zahlen, muss eingedämmt werden.

Panel: Urheberrecht
Das Gespräch führte Rainer Praschak (mica – music austria/AT) mit:
Bernhard Kern (Siluh Records/AT), Christof Ellinghaus (City Slang/D), Bernhard Fleischmann (Musiker/AT)

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Waves Vienna