
Oberösterreicherin, die nach Afrika klingt
Warren Smith wie auch Edith Lettner sind bekannt dafür, dass sie sich in stilistischen Fragen nicht unbedingt kategorisch an den vorgeschriebenen stilistischen Definitionen festhalten. Vielmehr ist es ihnen ein großes Anliegen, in ihrem Tun immer wieder auch über den Tellerrand des traditionellen Jazz hinauszublicken. Die Saxophonistin aus Oberösterreich etwa zeigt in ihren zahlreichen anderen Projekten immer auch ein großes Faible für die Klänge aus Afrika oder Südamerika und bindet diese auf kunstvolle Weise in ihre eigene Musik mit ein. Und genau diese Offenheit, Neugier und Experimentierfreude sind es auch, die die beiden teilen und in eine stetig pulsierende, überaus lebendige und sehr vielschichtige musikalische Sprache zu übersetzen wissen.

Edith Lettner und Warren Smith werfen sich in ihren Stücken die Ideen mit einer Sicherheit zu, als ob sie schon Dekaden miteinander auf der Bühne stehen würden. Es herrscht in der Interaktion zwischen den beiden ein fast schon blindes Verständnis dafür, welche Richtung der jeweils andere in diesem und jenem Moment einzuschlagen gedenkt. Dieser Art agierend, bleibt das von dem Zweiergespann Dargebrachte immer unvorhersehbar, ein Umstand, der klarerweise auch den Spannungsgehalt der Musik vom ersten bis zum letzten Ton hoch hält. Man weiß nie wirklich, wohin das Tandem einen entführt und bei welchem musikalischen Höhepunkt man nach etlichen wunderbaren Melodiebögen und ebenso vielen überraschenden Wendungen letztlich landet. Ein schönes und wirklich stimmiges Live-Album.
Michael Ternai
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Edith Lettner