Alexander Lausch ist Studiotechniker, Livetechniker und Musiker und Unterstützer der Initiative MUSIC DECLARES EMERGENY Austria. Privat hat er sein Auto verkauft, ernährt sich vegan und versucht sein Equipment auf Reisen so kompakt wie möglich zu halten. Für uns ging er im Rahmen dieser Serie der Frage nach, wie man sich innerhalb der Musikbranche für Nachhaltigkeit und Klimaschutz einsetzen kann und schlägt u.a. vor, für Musikproduktionen Kontingente im öffentlichen Verkehr zu schaffen. Gemeinsam mit seinem langjährigen Musikerkollegen Marc Bruckner betreibt er seit vielen Jahren das Tonstudio LISTENCAREFUL.
Welche Maßnahmen ergreifst du persönlich, um in deiner Tätigkeit als Musikschaffende:r umweltfreundlicher und nachhaltiger zu sein? Wo fällt es dir besonders schwer, dein Verhalten in Bezug auf deine Arbeit in der Musikbranche zu ändern?
Alexander Lausch: Privat ernähre ich mich seit Jahren pflanzlich, also tierleidfrei, und habe mein Auto verkauft. Als Musiker habe ich in weiterer Folge versucht, mein Equipment so kompakt wie möglich zusammenzustellen, um großteils öffentlich zu den Konzerten reisen zu können. Das gelingt nicht immer, aber zumindest ermöglicht es mir bzw. uns in den verschiedenen musikalischen Projekten mit wenig Platzaufwand und somit weniger Autos bzw. kleineren Fahrzeugen zu reisen. Mir ist bewusst, dass das global gesehen jetzt nicht den Unterschied macht. Gleichzeitig bin ich aber davon überzeugt, dass man so als Vorbild für nachfolgende Musiker:innen-Generationen auftreten kann.
„Green Events gehören ausnahmslos gefördert“
Inwiefern denkst du, dass die Musikindustrie eine Rolle bei der Bekämpfung der Klimakrise spielen kann? Welche Schritte sollten deiner Meinung nach unternommen werden?
Alexander Lausch: Ich denke, es geht sehr viel um Symbolwirkung. Green Events gehören ausnahmslos gefördert, sodass man da nicht mehr drum herumkommt, sich vor allem auch als Veranstalter:in damit zu beschäftigen. Weiters finde ich, dass es Kontingente im öffentlichen Verkehr, zB. bei der ÖBB, braucht, die Musikproduktionen für sich in Anspruch nehmen können. Das Ganze gleich europaweit. Dann muss man Künstler:innen nicht ins Flugzeug setzen, wenn man sie beispielsweise nach Hamburg aufs Reeperbahn Festival schickt. Dazu müsste man in einen Dialog mit den Verkehrsbetrieben treten. Es ist derzeit noch ein Graus öffentlich mit Equipment zu reisen, denn das Zugpersonal versteht oft nicht, dass man damit ja „arbeiten” fahren muss und es aus Platz-Gründen nur dort deponieren kann, wo eigentlich nur Räder und Kinderwagen erlaubt sind. Das muss unkomplizierter möglich werden.
„Derzeit ist es noch ein Graus, öffentlich mit Equipment zu reisen“
Aktionen, die unser tägliches Leben stören, bekommen viel Aufmerksamkeit in den Medien. Auch Konzerte sind medienwirksam: Was könnten Konzerte und Festivals bewirken? Wie siehst du deine Rolle?
Alexander Lausch: Der Idealfall wäre es, große Bühnen zu bespielen, um sowohl im wahrsten Sinne des Wortes als auch von der medialen Reichweite her, viele Menschen von der Notwendigkeit, umweltfreundlicher und nachhaltiger zu leben, überzeugen zu können. Wenn man heute an große Events denkt, die beispielsweise im Fernsehen übertragen werden: dort könnte man Anliegen einem relativ breiten Publikum präsentieren und ihre Dringlichkeit unterstreichen. Zuletzt habe ich in einer Besprechung erwähnt, dass ich es super finden würde, bei der Übertragung der Amadeus Awards einfach demonstrativ den Ring zu sperren, wie es ja z.B. auch die Letzte Generation macht, um dann dort eine Musikperformance aufzeichnen zu lassen. Ich gehe davon aus, dass darüber noch Wochen lang geredet werden würde.
„… ich sehe die Zukunft nur gesichert, wenn man in der Branche dafür einsetzt, dass Klimaschutz politisch soweit ernst genommen wird, dass er ein dementsprechendes Handeln in der Politik zur Folge hat.“
Bist du schon auf Initiativen zum Thema Nachhaltigkeit in der Musikszene gestoßen? Wenn ja, welche und in welcher Art und Weise haben dich diese beeinflusst?
Alexander Lausch: Da ist ganz klar Music Delcares Emergency zu nennen, denn ich sehe die Zukunft nur gesichert, wenn man sich in der Branche und natürlich auch darüber hinaus, dafür einsetzt, dass Klimaschutz politisch soweit ernst genommen wird, dass er ein dementsprechendes Handeln in der Politik zur Folge hat.
Welche Herausforderungen siehst du bei der Umsetzung nachhaltiger Praktiken in der Musikszene? Welche Ressourcen, Informationen oder Unterstützung wünschst du dir, um nachhaltigere Entscheidungen in Bezug auf deine Musikkarriere treffen zu können?
Alexander Lausch: Ich sehe die größte Herausforderung in Bezug darauf, sich der eigenen, ganz persönlichen Auswirkungen auf die Umwelt bewusst zu werden. Sofern nicht jede Person individuell und für sich selbst an den Punkt kommt, zu erkennen, was das eigene Handeln (Ernährung, Individualverkehr) „bewirkt”, wird man nur sehr schwer als Gesellschaft an den Punkt kommen, an dem man sich um Änderungen bemühen kann, die Nachhaltigkeit garantieren. Ich meine damit konkret, dass Inkohärenz zwischen Denken und Handeln existiert, wenn man zwar eine lebenswerte Zukunft gewährleisten und die Klimakrise verhindern bzw. rückgängig machen möchte, aber sagt, zuerst sollen die anderen damit anfangen, sich/etwas zu ändern. Selbst, wenn es einem persönlich zurzeit noch schwerfällt, Verhaltensmuster zu überdenken, so kann und sollte man zumindest genau hinschauen und über Fehlentwicklungen und Missstände reden.
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