TENTS – „Under my wings“

Noch handelt es sich bei TENTS vielleicht um einen Geheimtipp, was sich in Bälde aber wohl ändern wird. Besonders dann, wenn die Leute „Under my wings“ (Numavi), das gerade erschienene Debüt-Minialbum der drei Köpfe zählenden Post-Punk-Band, in die Finger bekommen.

Etwas schwermütig, melancholisch, dunkel mit zwischendurch immer wieder kurz durchbrechenden Hoffnungsstrahlen, die aber sofort wieder verschwinden: So in etwa lässt sich der von der dreiköpfigen Formation auf ihrem Debüt zu Gehör gebrachte Sound wohl am treffendsten beschreiben. Clemens Posch, Lucas Kulterer und Paul Stöttinger – die drei Köpfe hinter Tents – fischen musikalisch im weitesten Sinne im Lo-Fi-Post-Punk-Teich, lassen aber hin und wieder auch eine gewisse Nähe zum Indie-Pop erkennen, wobei diese erfreulicherweise nie zu dominant in Erscheinung tritt.

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Musikalisch ziehen sich Tents ihre Linie zu den eher einfacheren Formen hin. Den insgesamt sechs Nummern schwingt auf lässige Art etwas Nostalgisches mit, eine Art Verbeugung vor der glorreichen Zeit des New Wave und deren Helden. Auf allzu ausufernde Arrangements, große Experimente und Spielereien verzichten die Beteiligten eigentlich ganz. Vielmehr besinnt sich der Dreier auf das Wesentliche, auf ein paar einer im Klang unsauberen Gitarre entlockte Melodien, repetitives simples Schlagzeugspiel, einfache Bassläufe, eher dünnere wie breite Orgelsounds und eine im Stil sehr unaufgeregte Stimme.

Eine schöne minimalistische Hörerfahrung

Cover "Under my wings"
Cover “Under my wings”

Was sich jetzt vielleicht als der meisterhaft zum Erklingen gebrachte Zustand der musikalischen Monotonie liest, entpuppt sich unerwartet als ein wirklich sehr stimmungsvolles Ganzes. Die von Mario Zangl (Mile Me Deaf, Melt Downer) produzierten Nummern des Dreiergespanns entwickeln nämlich wirklich viel Atmosphäre, der Musik ist diese ganz bestimmte Schwingung inne, die einen auf eine seltsame Weise packt, in den Bann zieht und einfach nicht mehr loslassen will.

Mit ihrem Erstlingswerk zeigen Tents auf jeden Fall schon einmal in richtig überzeugender Manier auf. Clemens Posch, Lucas Kulterer und Paul Stöttinger machen ihre Sache wirklich gut. Vor allem beeindruckt auch, welch große Wirkung die drei Musiker eigentlich mit ihren wenigen Mitteln erzielen. Das macht ihnen so schnell keiner nach. Alles in allem eine wirklich schöne minimalistische Hörerfahrung von einem Versprechen für die Zukunft.

Michael Ternai

Tents live
17.12. Kapu, Linz

Links:
Tents (Facebook)
Numavi Records