Takamovsky (c) Eva Kelety

TAKAMOVSKY – „Sonic Counterpoint“

TAKAMOVSKY ist das Soloprojekt und Alter Ego des Musikers und Autors JUERGEN BERLAKOVICH. Bekannt ist dieser vor allem als Co-Initiator des Performanceprojects SERGEJ MOHNTAU und als Mitglied des Wiener VEGETABLE ORCHESTRA. Seine Arbeit bewegt sich dabei stets zwischen den Bereichen Performance, Text- und Soundinterpretation. Kürzlich erschien sein zweites Soloalbum „Sonic Counterpoint“ (Etymtone). BERLAKOVICH zeigt damit eine sehr introvertiert gestaltete Verschmelzung zwischen scheinbar unvereinbaren musikalischen Gegenpolen und synthetisierten Klangfiguren. Ein Versuch der Harmonie von Gegensätzen.

Cover "Sonic Counterpoint"
Cover “Sonic Counterpoint”

Bei Takamovskys „Sonic Counterpoint“ geht es um musikalische Parameter, die auf den ersten Blick nur Kontraste vermuten lassen. Stimmen, Gegenbewegung, Parallelbewegungen und Symbiosen. Annäherungen und Ruhe. Die musikalische Grundstruktur für die Songs und Kompositionen bilden dabei sowohl sprachliche Mikropartikel, sonifizierte DNA-Sequenzen, modifizierte Nebengeräusche des Alltages als auch das analoge Instrumentarium von Gitarre und Bass. Clicks & Cuts, minimal gehaltene Beats und Gitarrensounds in nostalgischer Bearbeitung, alles miteinander. Als musikalisches Leitmotiv fungiert dabei eine Bourrée aus J. S. Bachs Cello-Suite Nr. 4. Dieses kennzeichnet gleichsam Anfang wie auch Ende. Die weiteren Tracks umkreisen dabei in ungebundener Form dieses Motiv, korrespondieren damit. Zeigen eine inhaltliche Bearbeitung oder gar eine Suchbewegung nach den sanften Klängen dieses Ursprungsstückes.

Running in the background

Im Verlauf der acht Stücke werden die vermeintlichen Trennlinien zwischen den akustischen und elektronischen Parametern immer weiter durchbrochen. Gegensätzliche Stimmen werden zu bekannten. Sie bilden Symbiosen, ohne an melodischer Eigenständigkeit zu verlieren. Das Ziel ist dabei, Kontrastierendes aufzulösen und neue Zusammenhänge zu gestalten. Durch diese zu erzählen. Das musikalische Resultat zeigt eine breite Polyphonie zwischen analog, digital, minimal und narrativ. Dabei werden bewusst die negativen Seiten der immer noch herrschenden Kluft zwischen Mensch und Maschine außen vor gelassen. Das Gemeinsame und das Sinnliche liegen im Fokus.

Das Konzept geht auf, denn keine der verschiedenen musikalischen Einheiten steht im Schatten der anderen. Koexistenz und struktureller Dialog sind die wesentliche Aspekte des Albums. Jede der musikalischen Stimmen oder Bausteine entfaltet sich dabei gleichwertig und modelliert die umliegenden Sounds. Auf diese Weise treten die verschiedenen Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch Zukunft in einen akustischen Dialog, der zum Nachdenken anregt.

Takamovskys „Sonic Counterpoint“ entwirft einen musikalischen Antagonisten zum ständig bewegten und pulsierenden Sound des urbanen Stadtlebens. Es lässt keinen Raum für Zerstreuung und Überflutung, denn es ist eine klare Positionierung gegen die Schnelligkeit. Eine Rückbesinnung auf eine manchmal vergessene Langsamkeit und deren Schönheit. Im Laufe des Albums entwickeln sich darüber hinaus sukzessive Bilder und Denkräume. Weite Landschaften getaucht in Eis. Es sind sehr pittoreske Momente, die Berlakovich hier entwirft. Ein Soundtrack für eine Welt im Kopf und darüber hinaus.

Ada Karlbauer

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