TAT – Ton Art Tirol

Es tut sich was in der heimischen Jazzszene. Wohlbemerkt etwas erfreulich Positives. Vermutlich war die Dichte an erstklassigen MusikerInnen noch nie eine so hohe, wie sie heute eine ist. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht irgendein neues hoffnungsvolles Talent erstmals auf sich aufmerksam kann oder eine Band mit einer wirklich starken Veröffentlichung aufwartet, welche das Publikum in hohem Maße zu begeistern weiß. Schön ist vor allem auch, dass das bunte musikalische Treiben längst nicht nur in den großen Städten Wien und Graz stattfindet. Allerorts, vom Boden- bis zum Neusiedlersee, treibt der Jazz seine Blüten, und das in den unterschiedlichsten Formen.

Längst von der Landkarte des österreichischen Jazz nicht mehr wegzudenken ist auch die Tiroler Szene. Man führe sich nur die Namen jener MusikerInnen vor Augen, die sich aus dem westlichen Bundesland aufgemacht haben, um auch international für Wirbel zu sorgen. Manu Delago, der inzwischen zum festen Bestandteil der Band der isländischen Popikone Björk  geworden ist, Christoph „Pepe“ Auer, der als Musiker und mit seinem Label Session Work Records längst auch außerhalb Österreichs einen hervorragenden Ruf genießt, der gebürtige Innsbrucker Gitarrist Martin Philadelphy, dessen Wege ihn schon bis in die USA geführt haben und, und, und. Die Liste ließe sich noch lange weiterführen.

An schöpferischer Kraft mangelt es den MusikerInnen aus Tirol ganz offenbar nicht. Um diese zu bündeln und die Rahmenbedingungen für das kreative Schaffen im Allgemeinen weiter zu verbessern wurde auf Initiative von Christian Wegscheider, Martin Ohrwalder, Stephan Costa, Jessi Kreuz, Rita Goller, Chris Norz und Florian Bramböck – allesamt seit Jahren selbst als MusikerInnen aktiv –  der Verein TAT – TonArtTirol gegründet, der mit dem 1. Tiroler Ton Art Festival im Innsbrucker Treibhaus im Frühsommer quasi seine Tätigkeiten aufgenommen hat.

Konzipiert ist TonArtTirol als eine Art Plattform, die für alle MusikerInnen, KomponistInnen, Ensembles, Orchester, Musikkapellen und Bands des Landes offen steht. Egal ob diese ihr Handwerk nun professionell ausüben oder einfach nur hobbymäßig. Der Verein versteht sich als ein Ort des Zusammenkommens und des Austausches, an dem in Zukunft auch vielleicht das eine oder andere neue erfolgreiche Projekt auf den Weg gebracht werden kann. Eingeladen, Mitglieder des Vereins zu werden, sind aber auch Musikliebhaber, die sich für die Klänge abseits des Mainstreams begeistern können, sowie StudentInnen und MusiklehrerInnen, quasi alle also, die Interesse am lebendigen musikalischen treiben in Tirol zeigen. Man kann nämlich wirklich viel Neues und Spannendes entdecken, wenn man nur will und sich offen genug zeigt.

TonArtTirol hat sich zum Ziel gesetzt, den Leuten den Jazz in all seinen Facetten und Formen näher zu bringen und ihre Neugier für diese Musikform zu wecken. Um dies auch verwirklichen zu können, treten die Gründer und Mitglieder des Vereins vor allem dafür ein, die Präsenz der Tiroler Jazzszene in den Medien zu steigern. Denn so gut und erstklassig die Musik auch sein mag, wenn niemand von ihr erfährt, wird sie auch nur schwer gehört werden. Was man ebenfalls vorantreiben will, ist die Vernetzung der involvierten Musikschaffenden über eine Internet Plattform, auf der die Interessen und Forderungen aller zusammengefasst sind. Durch diese Bündelung der Kräfte erhofft man sich eine Stärkung der Positionen gegenüber der Politik, den Veranstaltern, der Presse und Medien sowie dem Musikschulwesen. Ebenso angedacht sind die Dokumentation und die Präsentation der Tiroler Jazzszene – von der Entstehung bis zur Gegenwart, sowie die Erstellung einer Kompositionsdatenbank. Um die Musik oder neue Werke der Tiroler MusikerInnen, Bands, Ensembles oder Orchester einer größeren Öffentlichkeit hörbar zu machen, ist zudem die Inbetriebnahme eines Online Radios angedacht, auf dem fast ausschließlich Musik aus Tirol gespielt werden soll.

Christian Wegscheider, Martin Ohrwalder, Stephan Costa, Jessi Kreuz, Rita Goller, Chris Norz und Florian Bramböck haben sich mit ihrem Verein TonArtTirol viel vorgenommen, was auch notwendig ist, um wirklich zeigen zu können, dass die Jazzszene in Tirol im Moment eine sehr lebendige und vielfältige ist. Bleibt zu hoffen, dass diese sehr erfreuliche Entwicklung nicht unbemerkt bleibt und sie letztlich auch in einer größeren öffentlichen Wahrnehmung seitens des Musikpublikums mündet. (mt)

 

http://www.tonarttirol.at/