Auf „APNOIA“ (ein_klang records) wird das Klavier zum Versuchsfeld. Was Sigrid Trummer gemeinsam mit fünf österreichischen Komponistinnen hier unternimmt, hat wenig mit einer klassischen Vorstellung von Klaviermusik zu tun. Stattdessen öffnen sich fünf sehr unterschiedliche Klangräume, in denen das Instrument einmal kaum wiederzuerkennen ist, dann wieder erstaunlich unmittelbar erscheint. Geräusche, Reibungen, Nachklänge und feinste Veränderungen des Tons bekommen dabei ebenso viel Gewicht wie die gespielten Noten.
Die Stücke von Maria Gstättner, Katharina Klement, Elisabeth Harnik, Judith Unterpertinger und Julia Purgina verfolgen jeweils eigene Wege. Mal scheint die Musik direkt aus dem Inneren des Instruments zu kommen, mal wirken die Klänge wie vorsichtig gesetzte Spuren in einem stillen Raum. Dann wieder kippt die Ruhe in Unbehagen oder nervöse Bewegung. Gerade diese Unberechenbarkeit macht den Reiz der Aufnahme aus: „APNOIA“ lebt von Details, überraschenden Wendungen und Stimmungen, deren Bedeutung sich nicht sofort erschließt.
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Trummer begegnet den unterschiedlichen Anforderungen mit großer stilistischer Offenheit. Ihr Spiel kann zurückhaltend und fein nuanciert sein, entwickelt an anderer Stelle aber eine raue, beinahe körperliche Direktheit. Trotz der anspruchsvollen musikalischen Sprache wirkt „APNOIA“ nie verkopft, sondern bewahrt eine unmittelbare und oft überraschend emotionale Wirkung.
Mit „APNOIA“ setzt Trummer zudem ihre langjährige Auseinandersetzung mit dem Schaffen von Komponistinnen fort – diesmal mit einem Schwerpunkt auf der österreichischen Gegenwart. Entstanden ist eine spannende Momentaufnahme einer vielfältigen Szene und ein Album, das zeigt, wie viele Möglichkeiten in einem scheinbar bestens bekannten Instrument stecken.
Zu hören gibt es „APNOIA“ auch live: am 14. September im Musikum Mittersill und am 28. September im Bankettsaal der mdw in Wien.
Michael Ternai
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