Schon lange so geheimnisvoll – ROIA im mica-Porträt

Wenn man sich im Internet nach ROIA erkundigt, heißt es auf ihrer eigenen Homepage: „ROIA ist die unbekannteste Band Österreichs. Punkt.“ Diese Aussage klingt zwar sehr hart, aber so richtig an die Oberfläche wurde die Salzburger Truppe bis jetzt noch nicht gespült. Dies liegt aber nicht an mangelhaften Bemühungen oder gar an fehlendem Talent, sondern daran, dass die Musik ROIAs eine ganz eigene ist. Gleichzeitig mutet der Electropop Roias sehr international an. Mit dieser Mischung aus geheimnisvoller Aura und konstanter Arbeit bringen die Salzburger nächstes Jahr ihr drittes Album in 14 Jahren heraus.

Und da 14 Jahre keineswegs wenig sind, können die drei MusikerInnen auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz zurückblicken. Im Jahr 2000 fing in Salzburg alles an, als Dorian Wimmer, Nina Hochrainer und Paul Hochrainer erstmals ins Studio gingen um ihren musikalischen Experimenten freien Lauf zu lassen. Beim Kreieren des bandtypischen Sounds herrschen demokratische Verhältnisse, während die Rollenaufteilung eine bestimmte ist. Dorian und Nina singen und Paul übernimmt den instrumentellen Part. Die erste Single, „Suicide Butterfly“, erscheint 2004, und wird auch bald von FM4 entdeckt und aufgegriffen.

Trip Hop vom Feinsten

Aber was ist das für ein Sound, der einen Selbstmord im Titel eines Songs zulässt? Weder zu Tode betrübt, noch himmelhoch jauchzend kann er am ehesten als melancholisch bezeichnet werden. Die Musik von ROIA bestärkt die/den HörerIn in ihrer/seiner Grund-Traurigkeit bestärkend, und kann im selben Atemzug fast trotzig genießerisch wirken. Unterstützt werden die recht eigenen, fast frechen Vocals von Dorian und Nina von elektronischen Klängen der Synthesizer und dem bodenständigeren E-Bass und der E-Gitarre. Ein Vergleich mit Trip Hop Bands der 1990er wie Massive Attack, Morcheeba, oder auch den Zeitgenossen Kosheen liegt auf der Hand.

Diese und weitere Einflüsse machen sich auf ROIAs Debütalbum „Cute Little Fear“ von 2006 bemerkbar. Die Single „Suicide Butterfly“ bildet das Herzstück dieser verträumten und gleichzeitig modernen Platte. ROIA ist somit nicht nur das persische Gegenstück zum deutschen Wort „Traum“, sondern der Name verkörpert die Seele der inzwischen vierköpfigen Formation. Zu den Arbeiten am Debüt hat sich das Trio nämlich Sam Vahdat als Programmierer der Drum Machine und Synthie-Aushilfe dazugeholt. Mit ihm stehen sie im selben Jahr gemeinsam auf der Bühne, und setzen dabei auf einen ausgefeilten Auftritt mit Visuals und Lichtshow. Dabei lehnen sie sich ganz klar gegen das Schicksal anderer Electronic-Bands auf, die aufgrund der wenigen Instrumente oft auf zu kleinen Bühnen spielen müssen.

Gut Ding will Weile haben

Und wieder lassen sich die Salzburger Zeit mit der Kreativität. Genauer gesagt ziehen sieben Jahre ins Land bevor der Nachfolger erscheint. „Suitcase Affair“ steht dem Debüt in nichts nach, obwohl sie sich nicht mehr wirklich ähnlich sind: Das zweite Album ist verspielter und instrumentell wurde auch aufgestockt und degradiert. Wo vorher die harschen elektronischen Klänge im Vordergrund standen, hört man nun Gitarren, Harmoniegesang und auch Bläser. Für die Liveauftritte wird die Band erweitert um den Visionen aus dem Studio nachzukommen, und man steht inwischen zu siebt auf der Bühne. Visuals und Licht werden von Experten geregelt, was aus dem anfänglichen Trio einen Wanderzirkus macht, wenn sie auf Tour sind.

In ebenjener Formation gehen sie nun auch in diesem Herbst auf die Reise. Im Rampenlicht steht dabei vor allem das neue Album „Prototype of a Heart“. Davon kann man sich bereits die Single „Instant Love“ anhören, die einen Kontrast zu den Liedern des Vorgängers darstellt. Dabei geben sich die Salzburger angriffslustig, androgyn und sehr elektronisch. Klar ist, dass gut Ding Weile braucht und man deswegen einiges von der neuen Platte erwarten darf. Man muss sich aber auch einlassen können auf die Musik ROIAs, die für heutige Verhältnisse einen fast nostalgischen Touch hat. „Gibt es heute überhaupt noch echten Trip Hop?“, fragen sich Experten und Expertinnen der Musikszene seit einiger Zeit. Ja, die gibt es und ROIA gehört zu den Bands, die das 90er-Konzept noch immer innovativ aufrechterhalten.

Anne-Marie Darok

ROIA live:
19.11. Porstgarage, Graz
27.11. Fluc, Wien
28.11. Rockhouse, Salzburg

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