Sakîna Têyna – „Sûret | Faces and Images”

Mit „Sûret | Faces and Images“ (Dreyer Gaido) legt Sakîna Têyna ein Album vor, das sich dem Erinnern widmet. Im Zentrum stehen Gesichter von Menschen, deren Leben zu früh endete und deren Geschichten in Fotografien und im Gedächtnis ihrer Angehörigen weiterleben. Têyna macht daraus keine bloße Trauerarbeit, sondern eine musikalische Auseinandersetzung mit Verlust, Erinnerung und dem Bewahren vergangener Geschichten.

Die Sängerin und Komponistin wuchs in einer kurdisch-alevitischen Familie in der Türkei auf und kam früh mit Musik in Berührung. Nach ersten Erfahrungen in türkischen Chören und Bands wandte sie sich kurdischen Traditionen zu. Seit ihrer Übersiedlung nach Österreich arbeitet sie als Sängerin und Musikerin und engagiert sich für die kurdische Kultur.

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„Sûret“ bewegt sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Stücke erzählen von Menschen, die fehlen, ohne den Verlust plakativ auszustellen. Stattdessen entsteht eine dichte, geheimnisvolle Atmosphäre. Têynas Stimme prägt das Album entscheidend: warm und wandlungsfähig, mal beinahe schwebend, mal von eindringlicher Kraft. Sie verleiht den Liedern eine ganz eigene Färbung.

Getragen wird sie von einem Ensemble, das mit großer Feinfühligkeit agiert. Die Musikerinnen und Musiker – Mahan Mirarab (Gitarre, Arrangements), Dalina Ugarte (Violine), Nora Romannof Schwarzberg (Viola), Ivan Turkalj (Cello), Marko Ferlan (Kontrabass), Amir Wahba (Perkussion), Misagh Joolaee (Kamancheh) – begegnen den Liedern nicht bloß als Begleitung, sondern formen einen vielschichtigen Klangraum, in dem jede einzelne Stimme ihren Platz findet. Kurdische Melodik verbindet sich mit kammermusikalischer Feinzeichnung, Folk-Elemente treffen auf dezente Einflüsse aus Jazz, Pop und Klassik. Gitarre, Streicher, Kontrabass und Perkussion schaffen einen warmen, organischen Klang zwischen intimen Momenten und größeren Gesten.

Gerade diese Balance macht „Sûret“ zu einem eindringlichen Hörerlebnis. Die Musik wirkt nicht über große Effekte, sondern über Melodien, Klangfarben und behutsam aufgebaute Spannungsbögen. So entsteht ein eleganter, melancholisch grundierter Klangraum, in dem Erinnerung hörbar wird – atmosphärisch, berührend und nachhaltig.

Michael Ternai

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Dreyer Gaido