OWLS – „Crumbling Light“

Eine Formation, die es wirklich versteht, spannende muskalische Brücken zu schlagen. Das Trio OWLS zeigt sich auf seinem eben erschienenen Debüt „Crumbling Light“ (ATS Records) als eine Band, die auf der Suche nach dem Mitreißenden weit über die Grenzen des Jazz hinausgeht.

Simon Oberleitner (Piano), David Ambrosch (Kontrabass) und Konstantin Kräutler (Schlagzeug) zelebrieren auf ihrem Debüt einen edlen und sehr facettenreichen Ton des Jazz, einen, der auf spannende Art Verbindungen auch zu anderen musikalischen Stilen herstellt und sich so der rein klassischen Form auf wunderbare Weise enthebt. In den Stücken von OWLS werden nach Lust und Laune musikalische Brücken geschlagen, vom Traditionellen hin zum Zeitgenössischen, vom Geradlinigen hin zum mehr Vertrackten, vom eleganten Smoothen und Melodiebetonten hin zum Experimentellen. Das Dreiergespann verwandelt das alles in einen unentwegt lebendig pulsierenden und ungemein abwechslungsreichen Klang, der mit jeder Note auf unglaublich vielfältige Art mehr und mehr Stimmung entfaltet.

Jazz und viel mehr

Cover “Crumbling Lights”

Die drei Instrumentalisten beherrschen den sanft umschmeichelnden Ton genauso exzellent wie auch den energiegeladenen Groove, das Geheimnisvolle und das Reduzierte zählen ebenso zu ihrem musikalischen Ausdruck wie das Flott-nach-vor-Treibende. Es ist ein spannungsgeladenes und ideenreiches Hin und Her zwischen Jazz, Kammermusik, Klassik und etwas Pop, das Simon Oberleitner mit seinen beiden Kollegen in Gang setzt, eines, das mit vielen überraschenden Wendungen aufwartet und sich in einer ungemein ereignisreichen Form erzählt.

Das Schöne an den Stücken von OWLS ist, dass sie sich in keinem Moment verlieren, dass sie trotz ihres anspruchsvollen Charakters jede Sperrigkeit im weiten Bogen umschiffen. Simon Oberleitner und seinen beiden Mitstreitern geht es allein um die Musik und nicht um die Zurschaustellung der eigenen instrumentalen Fähigkeiten. Es geht ihnen darum, mit ihren Tönen, Klängen und Melodien die Fantasie anzuregen, den Hörerinnen und Hörern Bilder in die Köpfe zu pflanzen, sie in ihrem Gefühl anzusprechen. OWLS lassen ihre Stücke richtiggehend zu Erlebnissen werden, zu solchen, die berühren, anregen und exzellent unterhalten.

„Crumbling Light“ ist ein Jazzalbum geworden, das eigentlich gar nicht einmal so sehr wie eines wirkt. OWLS setzen sich in ihren Nummern in erfrischend unkonventioneller Weise über die stilistischen Grenzen hinweg und schaffen sich ihre eigene musikalische Sprache, eine der fesselnden, zeitlosen klanglichen Vielfalt. Ein Debüt, das definitiv Lust auf mehr macht.

Michael Ternai

Links:
Simon Oberleitner
ATS Records