Mother’s Cake – „Cyberfunk“

Nun ist es endlich weit: die Tiroler Psychedelic-Rock Band MOTHER’S CAKE veröffentlichte ihr neues Album „Cyberfunk“ (Membran Records). Dem Pessimismus der Corona-Zeiten zum Trotz bietet das Album High Energy und unerhört gute Songs.

Cover Cyberfunk
Cover “Cyberfunk”

Seit nunmehr 12 Jahren existiert die Tiroler Rock-Band Mother’s Cake, bestehend aus Yves Krismer (Gesang, Gitarre), Jan Haußels (Drums) und Benedikt Trenkwalder, die seitdem die Messlatte für österreichischen Rock ziemlich hochgelegt haben. 2012 kam das erste Album „Creation’s Finest“, 2013 waren sie Vorband der Punkrock-Ikone Iggy Pop, 2015 supporteten sie Limp Bizkit und sind seitdem nicht mehr aus der heimischen Musikszene wegzudenken. Als Einflüsse gelten unter anderem Mars Volta, Led Zeppelin und Rise Against The Machine – wobei die drei Tiroler von Beginn an ihren ganz eigenen Sound hatten. Dass das Trio es drauf hat, ist seit längerem auch schon außerhalb Österreichs bekannt, mit Shows in ganz Europa, Australien und Indien. Das letzte Studioalbum liegt nun schon 3 Jahre zurück. „No Rhyme No Reason“ hieß das gute Stück, und nach 3 Musikvideos („Toxic Brother“, „Crystals In The Sky“, „I Love Your Smell“) als Vorgeschmack auf das 2020-er Album ist es letzten Freitag endlich erschienen. Es ist übrigens zu empfehlen das Album auf Vinyl zu hören – das Hörerlebnis entspricht dann viel besser der konzeptuellen Aufteilung der Songs.

Rock, Funk– und alles was dazwischen liegt

Bild Mother`s Cake
Mother`s Cake (c) Manu Chó

Wie bereits erwähnt, lohnt es sich das Album auf Vinyl zu hören: Seite A bietet einerseits alle Pre-Releases, andererseits zwei weitere Tracks: „I’m Your President“ ist das Gegenteil von ‚am Boden geblieben‘, aber wenn man den Song hört entwurzeln sich die Füße auch ziemlich schnell, vor allem weil sich Bass- und Gitarrensoli abwechseln, als wäre es ein Wettbewerb, wer die Instrumentenhälse schneller auf- und abwandern kann. Jan heizt mit den Drums auch noch richtig ein – am Ende Gelächter, ein weinendes Baby, ja, das sind eindeutig Mother’s Cake. Das Tempo wird danach bei „Love Your Smell“ leicht gedrosselt, fröhlich-nostalgische Romantik stellt sich ein, die Liebeserklärung an den Geruch einer Person ist realitätsnah wie humorvoll – man muss sich ja schließlich riechen können. Ganze 3 Minuten halten es die Drei in BPM-begrenzter Zone aus, in den letzten 30 Sekunden des Songs kündet sich mit Gitarrendonner schon das nächste Gewitter an. „The Operator“ ist der Abschluss der Seite A und wird von der einer monotonen Bassline getragen, die Basis für den Liedaufbau ist. Die Füße berühren schon wieder nicht den Boden, zwischendurch gibt’s ein Gitarrensolo zum Durchschnaufen, aber dann löst sich alles wieder in einer Musikwolke auf, leises Synth-Blubbern am Ende des Songs sagt man soll die Platte wenden.

Man wendet also die Platte, Seite B ist jetzt dran. Wenn Seite A ein typisches Mother’s Cake Album in Rock-Manier war, so macht die Seite B dem Albumtitel alle Ehre: es wird funkig, nein, cyber-funkig. „Cybernova“ baut die Spannung auf, führt das Thema ein, ganz gelassen, ohne Stress. Die Spannung entlädt sich im Folgesong „Hit On Your Girl“ von der ersten Sekunde an. Die Synths, der Bass, die Vocals – schlechte Laune kann man beim Anhören gar nicht haben, auch wenn Yves anscheinend dein Mädchen anbaggern will. Ein bisschen gechillter wird es dann in den nächsten zwei Songs „Lonely Rider“ – ein Lied das klingt, als würde es von einem einsamen Space-Cowboy handeln – und „Gloria“, einem Herzschmerz-Song der sich hervorragend zum Slow Motion-Luftgitarre spielen und Mitsingen eignet. Dass das Tempo wieder nach oben geht kündigt sich am Ende des Liedes an, wobei „The Beetle“ es schafft im mid-Tempo irgendwo zwischen chillig und tanzbar zu oszillieren. Zum Abschluss geben uns Mother’s Cake noch den Song „Desire“ der fröhlich-ruhig dahinplätschert, bis zwischendurch – hoppsala – kurz ein Gitarrengewitter losbricht, aber kein Stress, das Album geht ganz geordnet und ruhig zu Ende. Es werden tatsächlich keine Wünsche offengelassen.

Das Warten hat sich gelohnt – das Album bringt genau die Portion an fröhlichem Wahnsinn, den man sich gerne in den Plattenspieler legt. Für audiophile Liebhaber von stimmigen Übergängen ist das Album übrigens perfekt: Von Track 1 bis 12 gibt es keinen lästigen Sprung, keinen abgehackten Stimmungswechsel, das Album ist in einem durch nahtlos anzuhören – und trotzdem lassen sich die Tracks auch einzeln gut anhören. Bleibt nur noch eins: die Drei so bald wie möglich wieder live zu sehen!

Antonia Seierl

Links:
Mother’s Cake
Mother’s Cake (Facebook)
Membran Records