Mit Spielfreude volle Fahrt voraus: der Auftakt zur Music Biennale Zagreb 2027

Das Festival in der kroatischen Hauptstadt gab Mitte April das Motto der kommenden Ausgabe nächstes Jahr bekannt: „PLAY! Mit viel Spielfreude unter österreichischer Beteiligung und einem konstruktiven Netzwerktreffen wurde die Wartezeit auf nächstes Jahr verkürzt.

Es liegt in der Natur der Sache einer Biennale, dass sie nur alle zwei Jahre ausgerichtet wird – was aber lässt sich innerhalb dieser ansonsten brachliegenden Zeitspanne gestalten, um das Warten zu verkürzen und neugierig auf das Kommende zu machen? Das fragte sich das auch das noch recht neue Team der Musikbiennale Zagreb, das erst zur letzten Ausgabe 2025 angetreten ist. Dessen Leitung setzt sich aus den drei Komponisten Davor Vincze, Ivan Josip Skender und Tomislav Oliver zusammen sowie der Managerin Fanny Martin zusammen und kam zum Schluss, am 16. und 17. April 2026 zur Halbzeit bis zur kommenden Ausgabe einen Auftakt zu setzen. Das Thema „PLAY!“ ist dabei weit gefasst, beginnt bei Bezügen zum Alltag, zu Sport und Technologie, die auch im Zugang zum Publikum zu suchen sind. Selbstverständlich bezieht sich das Thema auch auf die künstlerische Herangehensweise, für die mit dem Wiener Platypus Ensemble die perfekte Verbindung gefunden wurde: Mit dem Quietschen blauer Luftballone, denen ihr kaum vorhandener Inhalt entfleucht, oder etwa mit orangenen, über die Bühne springenden Tischtennisbällen offenbarten die Musiker:innen mit performativen Elementen seine Spielfreude – so geschehen in den auf das Konzert verteilten Werkteilen von Afamia Al-Dayaas „Landscapes I–III“. Die visuelle Ebene trug zusätzlich dazu bei, den Spannungsbogen im schier nahtlosen Ineinander-Übergehen der Stücke von Anfang bis Ende und ohne unterbrechendes Klatschen zu gestalten. Dabei öffneten die Werke neben ihrer teils humorvollen Herangehensweise auch ambivalente Assoziationen, wenn etwa im Stück „BURNAYA SOWA/the turbulent owl“ von Alexander Chernychkov der Dirigent Jaime Wolfson in gestische und mimische Starrheit verfällt, sich aber dennoch, vom Komponisten selbst gesteuert, auf einer Plattform um seine eigene Achse dreht. Wer steuert hier wen und wem obliegt welche Macht? Wer zieht hier – merklich oder unmerklich – die Fäden? Und welche historischen Kräfte sind hier noch am Werk? All das und noch mehr könnte man in das immer wieder auftretende Einsetzen von klassischen Elementen hineininterpretieren, die doch so schön harmonisch klingen?

Music Biennale Zagreb: Thea Soti im KONTEJNER
Music Biennale Zagreb: Thea Soti im KONTEJNER © Matej Grgić

Zu guter Letzt bildeten die Musiker:innen von Platypus im Stück von Steffi Weisman ein Tableau vivant, das wiederum eine ironische Brechung zutage förderte, als die Musiker:innen einander von einem Plastikbecher in den nächsten Wasser einschenkten und mit den knacksenden Geräuschen dieser inzwischen beinahe verpönten Trinkgefäße in erstarrender Pose den Raum erfüllten. Eine Handlung, die an das Publikum übertragen wurde, das so partizipativ den Klang weitertrug. Auch so lässt sich eine spielerisch-ambivalente Beziehung zwischen allen Beteiligten wie auch zu beiläufigen Gegenständen wie billigen Plastiktrinkbechern herstellen. Ein Vorgeschmack, der den gängigen Zugang in der Einbeziehung des Publikums widerspiegelt.

Die stilistische Vielfalt zeigte sich auch im abschließenden Konzert im KONTEJNER – einem noch verhältnismäßig jungen Club, in dem sowohl DJs wie Marijan Felver als auch experimentelle Künstler:innen wie die Composer-Performerin Thea Soti beispielhaft ihr künstlerisches Schaffen unter die Leute bringen.

Wissenstransfer: das Professionals Program der Music Biennale Zagreb

MBZ PRO Session: Inside Leadership – drei Ensembles über ihre Organisationsform
MBZ PRO Session: Inside Leadership – drei Ensembles über ihre Organisationsform © Matej Grgić

Letztes Jahr eingeführt hat die Music Biennale Zagreb ein Professionals Program, kurz: MBZ PRO. Ziel dessen ist die bessere Vernetzung zwischen sämtlichen Akteur:innen der Szene der neuen Musik – Musiker:innen, Ensembles, Veranstalter:innen, diverse Organisationen etc.. Neben einigen informellen Gelegenheiten und einem spannenden City Walk stand die Working session „Inside Leadership“ im Zentrum: Drei recht unterschiedliche Ensembles präsentierten ihre Arbeitsweise – die Basel Sinfonietta war nicht nur das mit Abstand größte, sondern mit seiner 40-jährigen Geschichte auch das am längsten wirkende Ensemble; darauf folgte das seit beinahe 20 Jahren bestehende Platypus Ensemble, bevor mit dem Serious Ensemble Zagreb die jüngste Formation durchaus humorvoll Auskunft über seine Entstehung und Wirkungsweise gab. Wenngleich sich die drei Ensembles in vielem unterscheiden, so trat doch deutlich zutage, wie sehr sie mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Gleichzeitig zeigte die Session auch, dass der Austausch untereinander und mit den übrigen Music Professionals auf mehrfache Weise bereichernd ist. Dank der Unterstützung durch das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten war es Austrian Music Export möglich, eine dreiköpfige Delegation von Ensemble- und Festivalleiter:innen zu entsenden und sich auch aktiv am Professionals Program zu beteiligen. Pläne für die Weiterführung und Erweiterung des hier Begonnenen werden bereits geschmiedet, um die konstruktive gemeinsame Arbeit mit gebündelter Energie fortzusetzen.

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Music Biennale Zagreb
Platypus Ensemble