Bild Mile me deaf
Mile me deaf (c) Siluh Records

MILE ME DEAF – „Blowout“

MILE ME DEAF haben einen neuen Song herausgebracht, doch wo sind denn da die Gitarren hin? Diese Frage werden sich wahrscheinlich nur die Fans der Combo rund um WOLFGANG MÖSTL stellen, aber die dafür so richtig. „Blowout“ ist ein Song voller Fantasie und sommerlichen Gefühlen. Nur eben ohne Gitarre.

Und wer noch nicht ganz versteht, warum das mit dem Saiteninstrument so ein großes Ding ist, der soll wissen, dass Mile Me Deaf ursprünglich eine Indie-Noise-Band ist, die sich vor allem durch viel Geschrammel und natürlich ebenso viel Charme in das Herz der österreichischen Musiklandschaft vorgearbeitet hat. Ihre 2013 erschienene EP „Brando“ (Numavi Records/Siluh Records) lebte von einer ansprechenden Mischung aus 1960er-Melodien und 1990er-Gitarrenriffs.

Auf den folgenden Platten wurde alles ein bisschen poppiger und weniger noiselastig. Das Lo-Fi-Element, also die absichtlich rauer klingende Produktion, zieht sich durch die Bandgeschichte wie ein roter Faden. Mit Lo-Fi ist Wolfgang Möstl sowieso sehr stark befreundet, wenn man sich seine anderen Musikprojekte wie Killed by 9Volt Batteries, die mittlerweile aufgelöst wurden, und Sex Jams anschaut.

Gitarrenlos an neue Ufer

Cover Blowout
Cover “Blowout”

„Blowout“ ist auch Lo-Fi: Ein bisschen verwaschen, ein bisschen verträumt und sehr verspielt. Diese Verspieltheit kommt sicherlich auch von der Produktionsgeschichte. Die Ideen wurden – wie immer – on the road gesammelt. Doch diesmal kommen die Samples – oder besser gesagt: die ganze Komposition – von Kassetten. So wurden für diesen Song unter anderem slowenische Volksmusik und die Titelmusik des Anime-Klassikers „Akira“ zusammengeschweißt.

Herausgekommen ist ein Lied, das sehr viel Lust auf Sommer macht, aber nicht auf die typische und meist sehr extrovertiert glückliche Art. Nein, hier kommen die Gefühle hervor, die man an einem Sommernachmittag im Schatten empfindet, oder vielleicht schon Ende August, wenn der Herbst an die Tür klopft. Hier treffen Hoffnung und Nostalgie aufeinander, um gemeinsam verträumt um das Mittsommernachtsfeuer zu tanzen.

Sommerlich und melancholisch

Und wem dieses Bild zusagt, der wird vielleicht noch größere Freude mit dem zweiten Song auf der 7-Zoll-Platte haben. Da ist nämlich noch „Wayout“ drauf, das sich stilistisch noch weiter von dem üblichen Mile-Me-Deaf-Sound entfernt. Vielmehr muss man dabei an die sanfteren Songs der Avalanches denken, die sich ja auch auf das Mixen vieler verschiedener Sounds und Samples spezialisiert haben. „Wayout“ ist irgendwie die ganz konsequente Umsetzung jener Ideen, die schon auf „Blowout“ herauszuhören sind.

Mit diesen zwei Songs kündigen Mile Me Deaf ihr kommendes Album an. Wahrscheinlich wird der Erscheinungszeitpunkt im Winter auch ein neues Licht auf „Blowout“ werfen, schließlich steckt da sicherlich noch viel mehr dahinter, als man nach ein- oder zweimal hören vermuten kann.

Anne-Marie Darok

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