Friedl Preis (c) Gamükl

„Mich haben Klang und die Vielfalt des Akkordeons fasziniert“ – FRIEDL PREISL (AKKORDEON FESTIVAL) im mica-Interview

Das AKKORDEON FESTIVAL feiert heuer die ersten 20 Jahre seines Bestehens: Grund genug für ein Gespräch mit FRIEDL PREISL, dem Begründer und Kurator des Festivals.  Im Gespräch mit Jürgen Plank erzählt PREISL von den Anfängen des AKKORDEON FESTIVALS und davon, welche anderen Aktivitäten ihn umtreiben.

Heuer findet das das Akkordeon Festival zum zwanzigsten Mal statt – wie ist dieses Festival entstanden?

Friedl Preisl: Ursprünglich ist es aus einem Projekt des Kulturvereins Narrendattel entstanden. Im Rahmen dieses Vereins habe ich von 1994 bis etwa 1998 ein Programm koordiniert. Da waren auch mal verschiedene Akkordeonisten da, das war ein Teil der Geschichte. Meiner Meinung nach hatte das Akkordeon damals ein schlechtes Image als volkstümliches Instrument und als Instrument für die Heurigenmusik in Wien. Und ich habe damals schon Otto Lechners Konzerte gesehen, ich bin als einer der wenigen zu seinen Konzerten gepilgert. Ich kann mich an ein Konzert im Amerlingbeisl erinnern mit insgesamt sieben Musikern und sieben Menschen im Publikum. Das war ganz toll und niemand hat es gewusst. Für mich war Otto Lechner damals schon ein Weltstar, aber niemand hat es gewusst.

Wieso haben Sie das Akkordeon Festival gegründet, obwohl ihr Interesse am Akkordeon mäßig war?

Friedl Preisl: Ich habe das Instrument Akkordeon schon damals gerne gehört und ich habe Otto die Frage gestellt: „Ich möchte ein Festival machen, was hältst du davon?“ Er meinte: „Der Zug ist abgefahren!“ Er hat das danach revidiert, aber auch Otto Lechner wusste natürlich nicht, dass das Akkordeon so einen Aufschwung erleben würde. Heute sieht man es auch in jungen Bands, die sich bei mir melden.

Was hat Sie am Klang des Akkordeons fasziniert?

Friedl Preis (c) Hatz

Friedl Preisl: Mich hat die Vielfalt fasziniert. Bei drei Konzerten für den Verein Narrendattel hat einmal Otto Lechner mit einem Soloprogramm gespielt, einmal gab es Cajun und einmal Wienermusik. Also drei unterschiedliche Musikstile mit einem Instrument. Und damals wusste ich noch gar nicht, dass es beim Akkordeon selbst auch noch unterschiedliche Instrumente gibt, wie das Bandoneon und die Concertina. Mich haben der Klang und die Vielfalt des Akkordeons fasziniert. Anfang 2000 gab es dann die erste Ausgabe des Akkordeon Festivals.

Ein Festival wie das Akkordeon Festival kann man nicht allein betreiben, welches Team haben Sie, welche Unterstützung bekommen Sie?

Friedl Preisl: Das ist natürlich alles eine Frage der Förderungen, die ja nach wie vor nicht sehr hoch sind. Wir haben eigentlich ein kleines Team: Da sind die Pressefrau, der Texter, der Grafiker, Franziska Hatz, die mit mir gemeinsam kuratiert, und ich. Wir sind fünf Personen, das ist es. Vor Ort sind die Helferleins, dadurch sieht es irgendwie aufgebläht aus, das ist es aber nicht. Die meisten – ich auch eigentlich – arbeiten just for fun, weil sie ganz einfach dabei sein wollen und weil das Festival eine schöne Atmosphäre hat.

„Die Musikerinnen und Musiker kommen gerne zum Festival, auch Weltstars wie Richard Galliano, der heuer wieder da ist.“

Es gibt Gäste, die immer wieder eingeladen werden, etwa Maria Kalaniemi, Otto Lechner und die Gruppe Bratsch.

Friedl Preisl: Otto Lechner ist natürlich mittlerweile ein Freund geworden, nachdem wir seit 20 Jahren oft gemeinsam präsent sind. Das Grundkonzept des Festivals ist natürlich, die österreichischen Lokalhelden dabei zu haben, also neben Otto Lechner auch Krzysztof Dobrek, Klaus Payer, Walther Soyka. Die bilden das Grundkorsett. Bratsch waren insgesamt etwa zehnmal da und Maria Kalaniemi auch ungefähr. Wenn man einander immer wieder persönlich trifft und sieht, merkt man schon, welche Herzlichkeit da ist. Die Musikerinnen und Musiker kommen gerne zum Festival, auch Weltstars wie Richard Galliano, der heuer wieder da ist.

Wie wählen Sie die Locations für das Festival aus?

Friedl Preisl: Das Besondere ist auch, dass das Publikum immer auch die Künstlerin bzw. den Künstler spürt, weil ich bewusst nicht in große Spielstätten gehe. Die größte Location ist meist das Metropol mit rund 500 Plätzen. Publikum und Kunstschaffende können in Kontakt treten und da gibt es auch keine Sperre, sodass man etwa beim CD-Stand die Künstlerin bzw. den Künstler nicht sieht.

Im Rahmen des Akkordeon Festivals gibt es auch ein Vermittlungsprogramm mit Workshops. Warum ist Ihnen das wichtig?

Friedl Preisl: Ich finde es sehr lohnend, wenn Musikerinnen und Musiker, die beim Festival dabei sind, Workshops abhalten. Dafür gibt es beim Wiener Volksliedwerk einen schönen Raum. Mir war das sehr wichtig, weil man dadurch aktiv dabei sein kann.

Haben Sie selbst ein Instrument gelernt?

Friedl Preisl: Nein, ich bin in einem total unmusikalischen Haushalt aufgewachsen. Ich habe mich aber immer für Kunst interessiert und war in meinen Jugendjahren immer in Kellertheatern. Mit dem Verein Narrendattel haben wir auch Lesungen organisiert, das hat sich erst durch das Akkordeon Festival mehr in Richtung Musik verschoben.

„Wie immer mische ich auch beim KLEZMORE FESTIVAL bekannte Musikerinnen und Musiker mit unbekannten und das ergibt einen angenehmen Spannungsbogen.“

Neben dem Akkordeon Festival organisieren Sie noch weitere Musikreihen, etwa das KlezMORE Festival.

Friedl Preisl: Früher habe ich mir jedes Jahr das jüdische Straßenfest am Judenplatz angeschaut und habe mir irgendwann gedacht: „Das ist jedes Jahr gleich, da bewegt sich überhaupt nichts.“ Ich habe Ruth Schwarz gefragt, ob es da noch mehr gibt, und so ist das KlezMORE Festival im Jahr 2004 entstanden. Das ist ein gutes Wortspiel, weil dieses More erlaubt, dass man jüdische Musik, Klezmer genauso wie Avantgarde programmiert. Ich wurde von Anfang an mit Anfragen überrannt, weil die Szene riesengroß ist. Wie immer mische ich auch beim KlezMORE Festival bekannte Musikerinnen und Musiker mit unbekannten und das ergibt einen angenehmen Spannungsbogen.

Nach dem KlezMORE Festival im November geht es im Dezember gleich mit dem musikalischen Adventkalender weiter. Seit wann gibt es den?

Friedl Preisl: Den musikalischen Adventkalender gibt es seit 2009, das Konzept ist hausgemacht: Wien hat 23 Bezirke und wir bespielen am 1. Dezember den 1. Wiener Gemeindebezirk und am 23. Dezember den 23. Wiener Gemeindebezirk. Die Grundidee war, eher Beisln und schräge Spielstätten, auch Kirchen zu verwenden. Im 1. Gemeindebezirk gibt es kein Gasthaus mit einem Saal für 100 Leute.

„Das PORGY ist das Beste, was mir passieren konnte.“

Wie lösen Sie dieses Problem?

Friedl Preisl: Im ersten Jahr war ich im Smutny in der Elisabethstraße, das war ein altes Gasthaus beim Schillerplatz. Das gibt es aber jetzt nicht mehr und deswegen sind wir seit einigen Jahren im Porgy & Bess. Das Porgy ist das Beste, was mir passieren konnte. Denn das ist sein sehr guter Beginn für den Adventkalender, da man viel Publikum hat. Das ist dann wie ein Schneeballsystem für die weiteren Veranstaltungen.

Eine weitere Konzertreihe gestalten Sie im Café Mocca in der S-Bahn-Station Gersthof.

Friedl Preisl: Wenn wir in meiner Jugend in die Stadt gegangen sind, war des Höchste der Gefühle der 8. Gemeindebezirk. Wenn es am Stadtrand ein Lokal gegeben hätte, wären wir draußen geblieben, das war der Grundgedanke. Ich wohne im 18. Bezirk und wollte etwas anbieten, damit die jungen Leute nicht abwandern, sondern im Bezirk bleiben. Das Café Stadtbahn vis-à-vis hat ein ähnliches Konzept, ohne dass wir uns abgesprochen haben. Ich glaube, am Stadtrand von ganz Wien gibt es keinen Platz, an dem zwei Livelokale in unmittelbarer Nähe sind.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

 

20. Internationales Akkordeon Festival 2019 Termin:
23. Februar – 24. März 2019

Links:
Akkordeonfestival (Website)
Klezmore Vienna