mica-Interview mit Ernst Tiefenthaler (Ernesty International)

Ernst Tiefenthaler, der Kopf hinter Ernesty International, scheint wohl nie wirklich zu ruhen. Zumindest was die Zahl seiner musikalischen Outputs anbelangt, reichen ihm wohl nur wenige das Wasser. Auch im Interview mit Michael Ternai betätigt der gebürtige Oberösterreicher, dass er schon wieder am Basteln neuer Songs ist.

Du hast mir kurz vor dem Interview erzählt, dass du gerade wieder am Songschreiben bist. Ist ein Ziel von dir ein Album pro Jahr zu veröffentlichen?

Ernst Tiefenthaler: Ja, das kann man schon so sagen. Es wirkt vielleicht ein wenig verbissen, aber es macht mir ja auch Spaß. Wenn, es sich einmal nicht ausgehen sollte, ist das aber auch nicht tragisch.

Wenn du deinen bisherigen Entwicklungsprozess einmal Revue passieren lässt, mit welchen Vorstellungen bist du bei deinem Debüt an die Sache herangegangen und wie jetzt. Was hat sich verändert?

Ernst Tiefenthaler: Gute Frage. Am Anfang 2007 habe ich ja zum ersten Mal aufgenommen. Und zwar im Haus meiner Großeltern. Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich damals noch überhaupt keinen Plan gehabt. Die Lieder waren eigentlich schon komponiert, nur habe ich mich mit dem ganzen Aufnahmeprozess nicht wirklich ausgekannt. Ich habe mich davor ja auch nicht wirklich beschäftigt damit, wie die Programme funktionieren. Ich habe diese zwar schon besessen, nur nie irgendwie die Ruhe gefunden, mich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich habe mich also einfach damals dann für eine Woche hingesetzt und geschaut, was passiert. Und wie gesagt, wirklich eine Vorstellung davon, was dabei rauskommen soll, habe ich nicht gehabt. Ausgerüstet war ich gut, ich hatte ein Schlagzeug mit, ein Keyboard, einen Bass und sonst auch fast alles, was ich gebraucht habe.

Was mich dann überrascht hat, war, dass ich eigentlich gleich reingekommen bin, dass die ganzen Dinge, wirklich gut funktioniert haben, wobei ich gestehen muss, dass ich klarerweise, dann doch irgendwie an meine Grenzen gestoßen bin. Etwa was das Schlagzeug betrifft, das ich ja bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gespielt habe. Aber was ich eben gehabt habe, war Zeit herum zu probieren. Und ja, mit dem Ergebnis war dann doch sehr zufrieden.  Diese eine Woche hat mich auch ein wenig daran erinnert, wie ich das Gitarrenspielen gelernt habe. Da war ich etwa 18 Jahre alt. Auch da habe ich mich einfach für einige Zeit im Zimmer eingeschlossen, herum probiert, geübt und auch eigene Songs geschrieben.

Ja, und dann habe ich eben die CD herausgebracht. Ich habe gutes Feedback bekommen und die Live-Band war dann auch schnell einmal zusammen. Und eigentlich war für mich ab diesem Zeitpunkt klar, dass ich gleich auch die nächste Platte machen wollte.

Ein gewisser Mangel an Perfektionismus, eine große Lust am Ausprobieren und am spontan mir was einfallen Lassen, dieses Lebendige, das ich ja wegen dem allein beim Aufnehmen Sein ja auch nicht weiter erklären oder rechtfertigen muss – das alles mag ich mir auf alle Fälle behalten und sehe ich als ganz zentrales Element der Ernesty-Platten. Ich merk aber schon, dass mein Anspruch ein bisschen größer wird, dass ich genauer bin, dass ich mir z.B. Timing-Probleme nicht mehr schön rede oder was Professionelleres schlecht rede. Es wär sehr schade, wenn die Lieder nicht gehört werden, weil der Sound nicht so toll ist oder weil das Schlagzeug einfach nicht richtig groovy klingt.

Und wann hat das Herumfeilen an den Songs ein Ende?

Ernst Tiefenthaler: Es ist bei mir so, dass ich die Songs, nachdem ich sie fertig aufgenommen habe, mir eigentlich sie sofort wieder anhöre. Und klar, man kommt immer wieder auf Sachen drauf, die man dann doch anders haben will. Egal ob es sich um Soundgeschichten handelt, oder um Arrangements. Aber solange sie noch nicht auf CD sind, lassen sich diese Dinge ja auch ändern.  Aber es ist nicht so, dass ich jetzt ewig herumfeile.

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Hast du eigentlich ein Idealvorstellung davon, wo du musikalisch einmal hingelangen willst? Oder bis du schon dort?

Ernst Tiefenthaler: Ich merke schon manchmal, dass ich ein wenig mehr will, dass ich am Anfang beim Songschreiben doch ein bisschen einen anderen Anspruch habe und es mich dann aber doch ganz wo anders hintreibt. Und ganz verliere ich dieses Gefühl nie, dass ich eigentlich etwas anderes im Fokus hatte. Manchmal denke ich mir schon, dass dies oder das schon raffinierter oder liebevoller gegangen wäre. Es verhält sich aber bei jedem Song aber anders. Generell bin ich mit meinen CDs aber schon sehr zufrieden, obwohl mich die Entwicklung ganz klar schon in die Richtung treibt, mehr ausgefeiltere Sachen zu machen.

Du hast ja vor Ernesty International ja vorwiegend in Bands (Hotel Prestige, Bell Etage) gespielt. War der Drang nach der Freiheit, das zu tun, was du willst, schließlich so groß, dass du dich dazu entschieden hat, es auf eigene Faust zu versuchen?

Ernst Tiefenthaler: Ich glaube schon, dass ich diese Freiheit doch irgendwie gebraucht habe. Ich habe gemerkt, dass, wenn es ums Aufnehmen geht, ich alleine sein muss. Das soll jetzt aber in keinem Fall gegen die Bands ausgelegt werden. Es ist mir aber schon sehr wichtig, dass ich alles selber bestimmen kann. Wie etwas klingt, wie etwas arrangiert ist usw.

Was aber nicht heißen soll, dass es mir nicht gefällt in Bands zu spielen. Das mache ich immer noch gerne. So bin ich gerade mit Bell Etage daran, neue Songs auszutüfteln.

Wo liegen deine musikalischen Wurzeln? Wie wurdest du musikalisch sozialisiert?

Ernst Tiefenthaler: Mit zehn, elf, zwölf Jahren habe ich die Musik gehorcht, die man als Jugendlicher so mitbekommt. Man hat gehört, was so im Radio gelaufen ist. Nichts wirklich Anspruchsvolles. Ich habe mir die Großen Zehn aufgenommen und die Sachen ohne wirklich zu reflektieren so quer durch den Gemüsegarten konsumiert. Aha, Jennifer Rush, Spandau Ballet usw.

Die erste Person, die für mich wirklich eine große Rolle gespielt hat, war Bruce Springsteen. Wie Born in the USA herausgekommen ist, war ich so etwa elf. Und irgendwie hat das bei mir voll eingeschlagen. In einer gewissen Form war es auch das erste Mal, dass ich mich mit einem Musiker identifizieren konnte, oder besser gesagt, hab ich wohl mein Selbstideal dem Boss umgehängt. Ich habe mir die Box mit seinen Live-Platten von 1975 bis 1985 zugelegt und diese einfach rauf und runter gehört, ich habe die Songs mitgesungen und bin auch zu Konzerten von ihm gegangen. So bin ich mit meiner Mutter, extra um ihn zu sehen, nach Frankfurt gefahren.

Dann habe ich auch noch eine starke U2-Phase gehabt, auch wegen des Albums The Joshua Tree, bevor ich dann Bob Dylan entdeckt und ebenso verehrt habe wie Bruce Springsteen. Es war diese intellektuelle, diese leicht verschlossene und bisschen leidende Note, die mich wahrscheinlich angesprochen hat und mit der ich mich damals auch so sehr identifizieren konnte. Ich habe ungelogen fast jede Woche eine Platte von ihm gekauft, auch wenn ich diese vorher überhaupt nicht gekannt habe. Und weil ich eben so in Bob Dylan hineingekippt bin, habe ich mich eigentlich ziemlich verschlossen demgegenüber, was musikalisch aktuell so passiert ist. Es war wahrscheinlich ein wenig Nostalgie, sicher auch ein bisschen eine Flucht, ganz klar eine Glorifizierung der 60er Jahre mit im Spiel. Teilen konnte ich diese Musik und meine Begeisterung für sie freilich mit niemandem, aber vielleicht wollte ich das ja auch so – nur ich höre das, das ist ganz meins, ich bin ganz wer besonderes.

Geändert hat sich meine Verschlossenheit der aktuellen Musik erst, als ich mit 20 nach Wien gekommen bin und über meine damalige Freundin auf Radiohead gestoßen bin. Vor allem die Platte The Bends hat es mir angetan. Diese hatte so etwas Melancholisches, Hysterisches und Drängendes an sich. Ich habe eine Zeit lang auch irgendwie Angst vor dieser Platte, weil ich das Gefühl gehabt habe, die Musik würde so richtig zu meiner damaligen Situation passen. Irgendwann habe ich mich dann dazu durchgerungen, mich mit diesem Album auseinanderzusetzen.

Wie sieht nun die Zukunft aus?

Ernst Tiefenthaler: Ich bin eben gerade daran, neue Songs fertigzustellen. Die Aufnahmen sind eigentlich fast schon absolviert. Was noch fehlt sind die Texte. 2013 soll es auf jeden Fall eine neue Ernesty CD geben und hoffentlich auch eine Bell Etage CD. Auch will ich das Label EMG ein wenig vorantreiben, eben mit solchen Veranstaltungen wie der EMG Revue und dem EMG Elternabend.

Danke für das Gespräch

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Ernesty International