mica-Interview mit Clara Luzia

Zwei Jahre nach dem Erscheinen von „Falling Into Place” meldet sich die österreichische Singer-Songwriterin Clara Luzia nun mit ihrem neuen, nunmehr fünften Album „We are fish“ (Asinella Records) auf der Bühne der heimischen Musikszene zurück. Im der CD beiliegenden Pressetext heißt es: „Jetzt ist sie endlich dort, wo sie lange hinwollte: bei lauten Gitarren, Verzerrern und wuchtigen Drums“. Nun, ganz so radikal wie beschrieben ist der Bruch mit dem bisher bekannten Sound nicht ausgefallen, dennoch lässt sich feststellen, dass die gebürtige Niedrösterreicherin hörbar ihre Freude an deutlich rockigeren Klängen entdeckt hat. Clara Luzia im Interview mit Michael Ternai.

Inwieweit kann bei deinen neuen Stücken von einem musikalischen Stilwechsel sprechen?


Clara Luzia:
Ich würde es gar nicht Stilwechsel nennen. Für mich handelt es sich eher um eine organische Weiterentwicklung. Im Grunde genommen sind die neuen Songs ja gar nicht mal so sehr anders als die alten. Es ist manches jetzt eben etwas druckvoller ausgefallen.

War die Entscheidung, diese etwas druckvollere Richtung einzuschlagen, dann dennoch bewusst?

Clara Luzia:
Naja, es war nicht so, dass ich mir für dieses Album ein Konzept zurechtgelegt und mich bewusst für einen bestimmten Sound entschieden hätte. Es war eher so, dass ich dieses Mal Lieder geschrieben habe, bei denen ich mir gedacht habe, dass sie es durchaus vertragen würden, wenn man ein wenig mehr aufs Gas steigt. Außerdem wollte ich eigentlich ja immer auch schon etwas lautere Musik machen, nur habe ich eben nie die passenden Nummern dafür geschrieben.

Zudem hat auch das Equipment, mit dem ich jetzt gearbeitet habe, Einfluss ausgeübt. Mit Pedalen oder Ähnlichem habe ich davor ja überhaupt noch nie gearbeitet. Erst im Zuge des Songschreibens für das neue Album  habe ich erst richtig damit begonnen, mich mit den Sounds herumzuspielen. Das hat natürlich maßgeblich dazu beigetragen, dass wir jetzt ein bisschen anders klingen.

Genauso so wie auch der Umstand,  dass wir alle, die ganze Band, gemerkt haben, dass wir einfach Spaß daran haben, live auch laut zu spielen. Wobei man dazu sagen muss, dass wir auf bei einem Konzert immer schon energetischer geklungen haben, als auf Platte.  Aber eben dieser Spaß hat uns dazu bewogen, mehr in diese Richtung hinzuarbeiten. Es ist aber jetzt keineswegs so, dass ich jetzt ausschließlich nur noch „Stampfer“-Nummern schreibe.

Bindest du eigentlich beim Songschreiben deine MitmusikerInnen mit ein?

Clara Luzia:
Also beim Songschreiben selbst gar nicht. Da geht es ausschließlich um das Lied und um die Texte zu diesem. In dieser Phase denke ich eigentlich auch noch gar nicht daran, wie die Arrangements aussehen könnten. Bei manchen Liedern kristallisiert sich zwar schon die eine oder andere Idee heraus, die ich der Band auch mitteile. Das kommt aber eher selten vor. Meistens präsentiere ich meinen MitmusikerInnen die Sachen einfach nur und sie spielen dann mit. Und meistens klappt ein Song dann auch nach relativ kurzer Zeit. Ich sage dem PauT oder den anderen zum Beispiel jetzt nicht, welche Töne sie jetzt zu spielen haben. Es passiert bei uns eher viel übers Ausprobieren und dann entscheiden wir, was besser passt und was weniger gut.

„We are Fish“ ist ja, wie schon „Falling into place“, quasi in Eigenregie entstanden. Inwieweit ist es für dich wichtig, dass du die Fäden selbst in der Hand hältst?

Clara Luzia:
Nun, bei „Falling into Place“ war ja noch Hubert Mauracher dabei und das war auch schon sehr super. Das Angenehme war nämlich, dass er sich sehr zurückgehalten und uns alleine durch seine Präsenz die notwendige Sicherheit vermittelt hat. Wir waren damals doch noch sehr nervös und uns auch nicht wirklich sicher, ob alles glatt laufen würde. Bei diesem Album jetzt hatte ich genug Selbstvertrauen. Ich habe gewusst, wie es klingen soll und auch wird. Zudem war auch der Philipp, der uns schon früher aufgenommen und gemischt hat mit dabei. Er hat eben all das übernommen, was so nicht wirklich unsere Sache ist, wie etwa das Mikrofonieren usw. Das sind Dinge, die wir einfach nicht können.

An und für sich arbeite ja ich eh recht gern mit Produzenten zusammen. Bei den ersten Alben habe ich ja mit Alexander Nefzger zusammengearbeitet. Was auch gut war, denn damals hätte ich ein Album selbst alleine nicht machen können. Das ist eine Frage von Lernen und Selbstvertrauen. Aber welche Rolle ein Produzent bei den Aufnahmen dieses Albums hätte übernehmen sollen, weiß ich nicht. Wie schon gesagt, wir hatten doch schon eine ziemlich genaue Vorstellung von dem, was wir machen wollten. Aber an und für sich habe ich nichts dagegen, wenn jemand dabei. Ich schließe jetzt nicht aus, dass ich beim nächsten Album wieder mit einem Produzenten zusammenarbeiten werde.

Du hast gerade das Selbstvertrauen angesprochen. „We are fish“ ist ja dein mittlerweile fünftes Album. Wie hast du dich in den Jahren, seit dem Debüt, in Bezug auf dein Selbstbewusstsein aus deiner Sicht entwickelt?

Clara Luzia:
Hmm. Ich glaube, ich fange jetzt erst langsam an, mich sagen zu trauen, was ich will und was nicht. Ganz ohne die Hilfe eines Produzenten ein Album aufzunehmen, das hätte ich mir vor ein paar Jahren nicht getraut. Aber irgendwann habe ich aber dann doch mehr und mehr gelernt, zu sagen: „Ich weiß, ich kann das.“

Darüber hinaus hat es sicher auch sehr viel mit der Band zu tun. Wir haben viel gemeinsam gespielt und auch einiges durchgemacht. Wir haben aber sehr an uns gearbeitet, auch an der Art, wie wir miteinander umgehen. Das hat natürlich maßgeblich Einfluss darauf gehabt, wie wir jetzt der ganzen Sache begegnen.

Im vergangenen Herbst wurdest du ja auch in Mirjam Ungers “Oh yeah, she performs!” porträtiert. Und gerade an deiner Person hat man sehen können, dass das „Rockstarleben“ nicht unbedingt ein Leichtes ist. Wie haben sich die Dinge seitdem entwickelt?

Clara Luzia: Der Film ist während der Zeit von „Ground Below“ entstanden. Und der Entstehungsprozess dieses Album war wirklich furchtbar. Ich war dauernd krank und oft im Spital. „Falling Into Place“ war dann eigentlich eine Art Befreiungsschlag. Ich habe das Album auch so genannt, weil sich die Dinge langsam begonnen haben, einzurenken. Zudem haben wir als Band uns, trotz anfänglicher Nervosität, selbst zeigen können, dass wir ein solches auch alleine hinbekommen. Und bei „We are Fish“ ist jetzt alles wirklich sehr, sehr entspannt abgelaufen. Aus organisatorischer Sicht, genauso wie auch aus künstlerischer und menschlicher. Es hat diesmal wirklich alles gepasst. Wir haben richtig losgelöst und selbstbewusst agieren können.

Du bist ja eine Künstlerin, die musikalisch eigentlich immer den eigenen Weg beschreitet. So etwas wie eine Anbiederung an einen Trend kommt in deiner Musik ja nicht vor. Gehst du bewusst auf Distanz zu dem, was man als hip bezeichnet?

Clara Luzia: Ich glaube, dazu würde mir auch das notwendige technische Können fehlen. Ich habe ja einst deswegen angefangen Lieder zu schreiben, weil ich es nicht geschafft habe, Songs anderer nachzuspielen.  Auch weil ich nie wirklich Gitarre-Spielen gelernt habe. Ich kann zwar bei anderen Instrumenten Noten lesen, nur war ich nie so gut auf der Gitarre, dass ich mit Noten irgendetwas ausrichten hätte können. Aus diesem Grund habe ich mich eben dazu entschlossen, selber Lieder zu schreiben, die ich auch spielen kann. Und so hat das Ganze eigentlich angefangen.

Insofern kann ich also, auch wenn ich es wollen würde, keinem Trend nachlaufen. Ich wüsste einfach nicht, wie ich einen bestimmten Sound nachmachen oder imitieren sollte. Abgesehen davon, interessiert es mich auch überhaupt nicht. Mir geht es mit meinen Songs primär darum, mich auszudrücken. Mich über andere auszudrücken, bringt mir selbst keine Befriedigung.

Wie sieht es mit deinen Texten aus. Wie wichtig sind sie für dich. Woher beziehst du deine Inspirationen zu ihnen? Wie persönlich sind sie?

Clara Luzia: Die Texte sind für mich natürlich sehr wichtig. Sie sind aber auch das Härteste am ganzen Liedschreiben. Und klar sind sie persönlich. Ich kann ja nur aus meiner Position heraus schreiben. Selbst wenn ich sie aus der Perspektive einer dritten Person schreibe, schreibe ich sie ja und kein anderer. Ich halte es für einen Unsinn, wenn jemand behauptet, seine Texte wären nicht persönlich. Und selbst wenn es nur um die Auswahl eines Themas geht, schon alleine dieses hat doch mit der eigenen Person zu tun.

Auf der anderen Seite kann man natürlich nicht alles, was ich sage, eins zu eins nur auf meine Person umlegen. Man kann nicht einfach sagen: „Aha, das ist jetzt die Clara Luzia und das ist ihr passiert.“ Ich mische in meinen Texten Beobachtungen, eigene Erfahrungen, Geschichten, die ich in Zeitungen gelesen oder in den Nachrichten gesehen habe. Meine Texte sind ein Konglomerat aus allem Möglichen. Aber es sind eben meine Eindrücke, die ich verarbeite, und dadurch wird die ganze Sache auch persönlich.

Wenn du jetzt alle deine Veröffentlichungen betrachtest, würdest du sagen, dass dein neues Album musikalisch vielleicht das kompletteste ist?

Clara Luzia: Obwohl wir das Album schon letztes Jahr im Frühling aufgenommen haben, muss ich sagen, dass mir doch noch etwas der Abstand fehlt. Im Moment ist „We are Fish“ natürlich mein Lieblingsalbum, aber das ist eigentlich bei jedem so. Was aber diesmal ein wenig anders war, ist, dass ich schon bei den Aufnahmen das Gefühl gehabt habe, dass da mehr ist als sonst, dass dieses Album doch in einer gewissen Art und Weise etwas mehr heraussticht und auch richtig gut ist.
CD Präsentation “We are Fish”
WUK, Wien
6. März 2013, 20.00 Uhr

Fotos Clara Luzia: Sarah Haas

 

http://www.claraluzia.com
http://www.asinellarecords.com/