Pia Palme

Experimentelle Felder erschließt Pia Palme in ihrer Verbindung von instrumentalen Klängen und Stimmperformance sowie deren elektronischer Verfremdung, etwa wenn sie die Töne ihrer Subbassblockflöte abnimmt oder InterpretInnen mit Kehlkopfmikrofonen ausstattet. Ihrer Zeit enthoben kommen Materialien aus dem Barock zum Einsatz, um etwa der Oboe da Caccia in der Gegenwart einen neuen Platz zuzuschreiben. Gerade eine den Erwartungen ihres Erfinders nicht gerecht werdende Sprechmaschine aus dem 18. Jahrhundert erlaubt es der Komponistin den Reiz in der Umfunktionierung der Erfindung zu suchen und damit Unerwartetes zu generieren. Palme tritt zudem als Blockflötistin und Performerin in Erscheinung; sie erprobt in der Abstimmung auf den Raum ungewöhnliche Formen des Auftritts, wenn die InterpretInnen etwa weit voneinander entfernt auf die Kommunikation mittels Blickkontakt verzichten müssen und ein Chor dazu herausgefordert wird, sich ohne Dirigent selbst zu organisieren. So eröffnen sich klangliche Spannungsfelder, die auch gesellschaftliche Fragen aufwerfen. Als Komponistin widmet sie sich in letzter Zeit verstärkt dem Finden von neuen kompositorischen Strukturen. (dw)
 

Lebenslauf

Entschlossen und engagiert eröffnet Pia Palme Wirkungsfelder zwischen Konzept und Kontext, Komposition und Improvisation, zwischen akustischer und elektronischer Musik. Sie entwirft feingliedrige Konzepte in unterschiedlichen Dimensionen und stellt Vokal- und Instrumentalmusik in raumgreifende Anordnungen, um Zwischentöne aufzunehmen und zu verlautbaren.
Facettenreich ist ihr Ansatz nach ganz unterschiedlichen Studien: Musik am Konservatorium Wien (heute Privatuniversität), Mathematik und Geometrie an der TU Wien, Improvisation an der Naropa University in Colorado.
Im Mittelpunkt ihres Schaffens steht derzeit die Stimme, oft mit seltenen Instrumenten, Apparaturen  und Elektronik kombiniert, sowie die kontinuierliche Arbeit mit Audio-Partituren. Seit 2011 forscht und arbeitet sie außerdem an einer künstlerischen Dissertation in Komposition bei Liza Lim an der Universität Huddersfield, GB.
Neues Terrain begeht sie auch als gefragte Musikerin und Improvisatorin mit der 2007 entwickelten Subbassblockflöte des Schweizer Instrumentenbauers Küng. Weiters setzt Palme ein elektronisches Setup ein, mit dem sie ihr bisweilen zerlegtes Instrument oder andere Klangquellen moduliert und verarbeitet.
Zusammen mit Gina Mattiello gründete sie 2007 das Festival e_may für neue und elektronische Musik. Sie lebt in Wien, wo sie mehrfach Arbeitsstipendien und Kompositionsförderungen erhielt.

Werke

LIP OF THE REAL (2012)
woman / composer / (m)other
für Stimme (Mezzosopran) mikrofoniert mit Kehlkopfmikrofon, Schlagwerk und 4-Kanal Elektronik.
Texte: Margret Kreidl (Deutsch), Anne Waldman (Englisch), Pia Palme (Englisch)
Libretto: Pia Palme
UA in der Reihe Elektronischer Frühling, Alte Schmiede Wien mit Lore Lixenberg, Mezzosopran; Bernd Thurner, Schlagwerk; Pia Palme, Live-Elektronik; Alfred Reiter, Sounddesign; weiters beim Festival RAFLOST, Reykavik.
 

LIP OF THE REAL by palmeworks

CANTU FOLIATO (2012)
Komposition mit Audio-Partitur/Baukasten für Vokalensemble SATB, 2-4 Kopfhörer,
für 4 bis 20 Stimmen. Optional: Live-Elektronik.
Mit Texten/Textteilen aus IOVIS von Anne Waldman.
Dauer variabel von 7:30 bis 15 min.

DER KÜHNERE ENTSCHLUSS. (2011)
Entwurf für Stimme, Oboe da Caccia, Elektronik und die Sprechmaschine von Kempelen; für das Festival Klangspuren Tirol und e_may
Besetzung: Oboe da Caccia, Stimme, Sprechmaschine mikrofoniert (DPA 4099 vorne am Schalltrichter und ein Kontaktmikrofon C411 unten am Boden des Blasebalgs),
Elektronik (Ableton live, 2 Ringmodulatoren, analoge und digitale Effektgeräte)
Texte aus: Margret Kreidl: „Meine Stimme“, Hansjörg Zauner: „seiltänzergerümpel“ sowie aus dem Exerzierreglement für die k.u.k. Fusstruppen 1911.
Libretto: Pia Palme
UA mit Gina Mattiello, Stimme; Molly McDolan, Oboe da Caccia; Pia Palme, Sprechmaschine und Elektronik beim Festival Klangspuren, Innsbruck, weiters in Wien, Moozak Festival.

BARE BRANCHES (2012)
im Auftrag von wien modern und e_may, UA 25.10. bei wien modern

Foto: © Nikolaus Karlinsky

http://www.piapalme.at