Bild Melt Downer
Melt Downer (c) Susanne Schwarz

MELT DOWNER – III

Bei „III“ ist der Name Programm und am dritten Album bleiben sich MELT DOWNER treu: ein Sound, der gleichzeitig minimalistisch und unglaublich dicht ist. In der traditionellen Rock-Besetzung als Trio werden Riffs kredenzt was das Zeug hält und Gitarrenwände heraufbeschworen bis es zur Gehirnschmelze nicht mehr weit ist.

Cover III
Cover “III”

Des Öfteren wurden Etiketten wie Noise-Rock, Doom, Psychedelic und andere bemüht, um den Sound des Trios zu beschreiben. Gleichzeitig hat man bei MELT DOWNER manchmal das Gefühl, als wären sie eine Grunge-Band, allerdings eine, die mit Verstärker- und Effektpedalwegen ausgestattet ist, die es in der Blüte des Grunge noch nicht gab. Die Traurigkeit von seinerzeit muss der Wut der modernen Welt weichen. Post-Grunge.
Die acht Songs des Drittwerks mäandern freilich zwischen allen diesen Genres und die Schubladisierung ist letzten Endes müßig, wenn eben die Attitüde so packend ist. Man gibt sich auf „III“ nach wie vor erfrischend wütend, ehrlich laut und klingt vor allem authentisch. Während man bei anderen Bands manchmal geneigt ist, sich nach dem nächsten Riff zu sehnen, reiten MELT DOWNER ihre Riffs immer munter weiter, ohne dabei Langeweile aufkommen zu lassen. Authentizität eben, und die war es, die Musik schon seit jeher ansteckend gemacht hat.

Mit Authentizität und 180

Auf dem Weg in die sukzessive schmelzenden Gehirnwindungen der geneigten Zuhörerschaft ist das Gas- beziehungsweise Effektpedal meistens am Anschlag, vulgo auf 180. Songs wie der Opener „Piece“ oder das punkige „Dye Out“ gewinnen mit ihrer unbändigen Energie und ihrem Tempo. Die Single „Gross White“ lässt vermuten, dass MELT DOWNER wohl eher schwarz tragen. Die im Vergleich zu früheren Alben häufiger eingesetzten Gang-Shouts geben dem aktuellen Album einen (post-)punkigen Anstrich. Im Vergleich zu vielen Post-Punks wissen die Herren allerdings ihre Instrumente sehr gekonnt zu bedienen. Der E-Bass von Florian Zangl pulsiert wie das Herz eines routinierten Kettenrauchers und das Schlagzeugspiel von Florian Giessauf kommt schnell und präzise wie ein zu schnell aufgezogenes Schweizer Uhrwerk.

Wenn auch die Songs in einer anderen Gangart zu überzeugen wissen, wie etwa das psychedelisch angehauchte „Kind“ mit beinahe zwölf Minuten Spielzeit, sind Zweifel bezüglich der Varianz auch ad acta zu legen. Die Produktion von „III“ weiß neben einem satten Gitarrensound und raumfüllenden Schlagzeug auch immer wieder mit kreativen Einsprengseln in Sachen Post-Production zu überzeugen: so wird aus dumpf transparent und aus den höheren Frequenzen ein satter Bass. Das können die also auch? Mit Wolfgang Möstl an der Gitarre sitzt eben auch automatisch ein raffinierter Studio-Guru hinter den Reglern. Da „III“ auch ohne das Namedropping als absolut überzeugendes und facettenreiches Rock-Album besticht, sei der Maestro der österreichischen Subkultur ausnahmsweise erst zum Schluss erwähnt.

Sebastian J. Götzendorfer

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Links:
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Numavi Records (bandcamp)