Matthias Naske neuer Konzerthaus-Intendant

Die Präsidentin der Wiener Konzerthausgesellschaft, Dr. Theresa Jordis, teilt mit, “dass Matthias Naske einstimmig zum Intendanten des Wiener Konzerthauses ab 1.7.2013 bestellt wurde”. Matthias Naske wird mit diesem Datum seine derzeitige Funktion als Generaldirektor des Etablissement public Salle de Concerts Grande-Duchesse Josephine-Charlotte und Leiter der Philharmonie du Luxembourg beenden.

“Die Direktion konnte sich von der herausragenden Qualifikation von Matthias Naske für die Intendanz des Wiener Konzerthauses überzeugen”, so Jordis. “Er bekannte sich zu einer kompromisslos auf künstlerische Qualität ausgerichteten Programmierung, die auch den wirtschaftlichen Erfolg des Wiener Konzerthauses sicherstellen soll.”

Der derzeitige Intendant Bernhard Kerres scheidet mit Ende Juni 2013 aus seinem Amt. “In den sechs Jahren seiner Intendanz hat er nicht nur wegweisende Musikvermittlungsprogramme initiiert und die Besucherzahlen gesteigert, sondern auch für zahlreiche musikalische Höhepunkte gesorgt. Das Direktorium wird ihm für seine Tätigkeit immer dankbar verbunden sein”, sagt Jordis. “Im Interesse des Hauses werden sich beide Herren nach besten Kräften bemühen, dass trotz dieses bevorstehenden Wechsels unser 100-Jahr-Jubiläum ein großer Erfolg wird und die Veränderung durch einen gleitenden Übergang erfolgt”, so Jordis weiter.

“Ich freue mich, Matthias Naske als zukünftigen Intendanten zu begrüßen”, sagt Bernhard Kerres, der das Wiener Konzerthaus noch bis Ende Juni 2013 leitet. “Ich glaube, Matthias Naske wird die Programmbreite und die Offenheit des Hauses, die wir in den letzten Jahren erfolgreich entwickeln konnten, fortsetzen. Mit der 100. Saison und den Feierlichkeiten im Oktober 2013 kann ich ein Haus übergeben, das am bisherigen Höhepunkt seiner künstlerischen Qualität steht.”

Der designierte Intendant Matthias Naske sagt, “ich freue mich sehr über das Vertrauen von Präsidentin Dr. Theresa Jordis und des Direktoriums der Wiener Konzerthausgesellschaft und sehe mit großer Zuversicht auf die Monate einer geordneten Übergabe der Intendanz von Bernhard Kerres und auf die Herausforderung die Wiener Konzerthausgesellschaft in eine gute Zukunft zu führen.”

Mit dem Wiener Konzerthaus verbindet er bereits viel: “Das Wiener Konzerthaus und auch viele der anderen kulturellen Institutionen Wiens waren für mich seit früher Jugend privilegierte Lebensräume, die wesentlich dazu beitragen eine Stadt lebens- und liebenswert zu machen. Das Privileg dieser Räume liegt im Fokus auf künstlerische Qualität und auf die Offenheit, mit der sich diese Institutionen in den Dienst der Gesellschaft stellen. Vieles von dem, woran ich in den vergangenen zehn Jahren im Aufbau der Philharmonie Luxembourg maßgeschneidert für diesen Ort und für diese Gesellschaft arbeiten konnte, hat seine Wurzeln in dem kulturellen Selbstverständnis der einzigartigen Musiktradition in der Stadt Wien. Für das Wiener Konzerthaus im Verbund mit dem bewährten Team dieser traditionsreichen und dennoch so lebendigen Institution zu arbeiten ist eine Perspektive, über die ich mich sehr freue.”

Lebenslauf

Matthias Naske (* 29. Mai 1963 in Wien) ist seit 2003 Generaldirektor des Établissement public Salle de Concerts Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte und leitet in dieser Funktion die 2005 eröffnete Philharmonie Luxembourg, die seit Anfang 2012 auch als Trägerorganisation des Orchestre Philharmonique du Luxembourg fungiert.

Parallel zur Ausbildung in Rechtswissenschaften an der Universität Wien (1983–1987) und einem Praktikum bei Webber Wenzel Attorneys in Johannesburg/Südafrika (als Stipendiat der South Africa Foundation, 1986–1987) war er freier Mitarbeiter im Generalsekretariat der Jeunesse Musicale Österreich (1981–1987), anschließend Projektmanager einer Europatournee des Wiener Jeunesse-Chors und Organisator des Anton Webern Ensembles (Wien Modern) sowie 1988–1991 Leiter des künstlerischen Betriebsbüros des Gustav Mahler Jugendorchesters unter Music Director Claudio Abbado.

Als Generalsekretär der Camerata Academica Salzburg unter der künstlerischen Leitung von Sándor Végh konsolidierte Matthias Naske 1991–1996 die wirtschaftliche Basis des Kammerorchesters und verdoppelte die Anzahl der jährlichen Konzertauftritte auf 120. Die außergewöhnliche künstlerische Qualität des Kammerorchesters zeigte sich in regelmäßigen Engagements als Opernorchester im Rahmen der Salzburger Festspiele und einer regen internationalen Gastspieltätigkeit.

1996–2003 verantwortete Matthias Naske als Generalsekretär der Jeunesse Musicale Österreich den Betrieb von Österreichs größtem Konzertveranstalter (600–800 Konzerte pro Jahr). Er prägte das bundesweite Veranstalternetzwerk in diesen Jahren unter anderem durch die Vervielfachung und Neukonzeption spezifischer Konzerte für Kinder und Jugendliche (Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung 2002, 2003, 2004) sowie durch ein zentrales Augenmerk auf Musikvermittlung.

Im Januar 2003 wurde Matthias Naske als Generaldirektor des Établissement public Salle de Concerts Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte berufen und mit dem Aufbau und der organisatorischen und künstlerischen Leitung der Philharmonie Luxembourg betraut. Das im Juni 2005 eröffnete und noch im selben Jahr in die European Concert Hall Organisation (ECHO) aufgenommene Konzerthaus des Großherzogtums hat innerhalb kürzester Zeit bei Künstlern und Fachleuten, vor allem aber bei einem breiten Publikum auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene höchstes Ansehen gewonnen. Die stilistisch breite, zielgruppenspezifische und kompromisslos auf künstlerische Qualität ausgerichtete Programm- und Festivalgestaltung – von den renommiertesten Orchestern der Welt bis zu Nachwuchskünstlern, von Alter Musik bis zu zahlreichen Uraufführungen, von World Music bis Jazz – wurde bislang von über einer Million Besucher (Stand 2011) angenommen.

Im Sommer 2010 wurde Matthias Naske von Frau Kulturminister Octavie Modert zusätzlich damit beauftragt, die organisatorische und strukturelle Zusammenführung der Philharmonie Luxembourg (Établissement public Salle de Concerts Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte) und des Orchestre Philharmonique du Luxembourg (Fondation Henri Pensis) in eine gemeinsame juristische Einheit zu erarbeiten. Nach intensiven Verhandlungen mit den Vorständen, Personaldelegationen und der Gewerkschaft (u.a. Neuverhandlung des Kollektivvertrags) fand dieser Prozess im Dezember 2011 seinen Abschluss mit der einstimmigen Gesetzesverabschiedung im Parlament des Großherzogtums. Das 1933 von Radio Luxemburg (RTL) gegründete, 1996 in staatliche Trägerschaft übernommene und seit 2005 in der Philharmonie Luxembourg beheimatete Orchester mit seinen 98 Musikern aus rund 20 Nationen ist damit seit Anfang 2012 integraler Bestandteil des von Matthias Naske geleiteten Établissement public.

Ein von Beginn an zentraler Aspekt von Matthias Naskes Konzeption der Philharmonie als eines in Luxemburg und der Großregion verwurzelten und zugleich bewusst europäischen Konzerthauses ist die Offenheit für Kooperationen. Im Kulturhauptstadt-Jahr 2007 gründete er gemeinsam mit Frank Feitler, dem Direktor des Grand Théâtre de Luxembourg, das Luxembourg Festival, das seither jährlich im Oktober und November eine Vielzahl hochkarätiger internationaler Produktionen aus den Bereichen Oper, Tanz, Theater, Orchester, Kammermusik, World Music, Jazz und Ciné-Concert präsentiert.

Der Fondation EME – Écouter pour Mieux s’Entendre, die sich in enger Zusammenarbeit mit der Philharmonie einem ergänzenden Arbeitsfeld im sozialen Bereich verschrieben hat, steht er seit 2009 als Gründungspräsident vor. Mit Hilfe hoch motivierter Musiker und ehrenamtlicher Helfer stellt sich die auf seine Initiative hin gegründete gemeinnützige Stiftung in den Dienst der Idee, Musik zu Menschen zu tragen, die üblicherweise vom Kulturleben ausgeschlossen sind – darunter Kinder und Erwachsene mit komplexen Behinderungen, mit eingeschränkter Mobilität oder in schwierigen Lebensumständen sowie sozial benachteiligte, vereinsamte oder am Rand der Gesellschaft lebende Menschen.

Mehrfach war Matthias Naske als Berater für Bauprojekte neuer Konzerthäuser tätig (Riga/Lettland 2007, Nicosia/Zypern seit 2007, Bonn 2009). Er leitete das Planungskomitee der 19. Konferenz der IAMA (International Artists Managers’ Association), die 2009 in der Philharmonie Luxembourg stattfand. Von 1987 bis 2008 war er Vorstandsmitglied der Jeunesse Musicale Österreich (seit 2008 ist er Mitglied des Kuratoriums) und ist Mitglied des Vorstands des Gustav Mahler Jugendorchesters (seit 1997), Mitglied des Conseil Supérieur de laMusique Luxembourg (CSM, seit 2005) sowie Mitglied der Kommission für zeitgenössische Musik des Ministère de la Culture du Grand-Duché de Luxembourg (seit 2006). 2005–2007 war er Board Member der International Society for the Performing Arts in New York (ISPA).

Foto: Matthias Naske, (c) Sébastien Grébille / Philharmonie Luxembourg

 

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