Matthias Leboucher (c) Christelle Bolmio

Matthias Leboucher gewinnt Jahresstipendium Musik

(LK) MATTHIAS LEBOUCHER ist der Gewinner des Jahresstipendiums Musik 2017. Das gab Kulturlandesrat HEINRICH SCHELLHORN gestern, den 3. Juli, bekannt. “Das Jahresstipendium Musik geht somit an einen Bewerber aus der Spektralmusik. Das Projekt von MATTHIAS LEBOUCHER ist eine Komposition und eine musikalische Interaktion von fünf Instrumentalisten mit dem Computer. Das Projekt soll mit dem Jahresstipendium realisiert werden”, betonte SCHELLHORN.

Die Jurymitglieder Sabine Reiter (Geschäftsführende Direktorin, mica – music austria, Wien), Heidemarie Klabacher (Chefredakteurin DrehPunktKultur, Salzburg), Harald Schamberger (Geschäftsführer oenm – Österreichisches Ensemble für Neue Musik, Salzburg) begründeten ihre Entscheidung folgendermaßen: Matthias Leboucher sieht sich selber in der Tradition der Spektralmusik, einer in Paris entstandenen, sehr klangsinnlichen Musiktradition, beheimatet. Deshalb wechselte er auch an die Universität Mozarteum Salzburg, um bei Tristan Murail zu studieren, dem er einen maßgeblichen Einfluss bescheinigt. Über Tradition und Einfluss hinaus lässt sich jedoch schon jetzt eine sehr individuelle Handschrift durch interessante Instrumentation, analytisch ausgeprägte Form und farbige Klanglichkeit feststellen. Lebouchers Werke lassen sich dabei aber oft nicht auf eine rein musikalische Ebene reduzieren, sondern fügen auch – etwa durch die Integration von Live-Electronics – zusätzliche Aspekte hinzu. So will der Komponist mit dem Jahresstipendium ein Quintett komponieren und damit eine spezielle interaktive Verbindung zwischen Instrumenten und Computer untersuchen.

Alle fünf Instrumentalisten erhalten dazu einen eigenen elektronischen “Ghost”, der in Echtzeit auf den live gespielten Klang reagiert, zur Seite gestellt. Die Entwicklung künstlicher Intelligenz ist zwar noch immer Zukunftsmusik, schreitet aber mit riesigen Schritten voran. Die Komposition wird somit auch die gesellschaftspolitische Frage aufwerfen, inwieweit ein Computer als eigenständiger Musiker fungieren kann. Leboucher kennt als Pianist und Mitbegründer des Salzburger Ensembles Names nicht nur den theoretischen, sondern auch den praktischen Zugang zur Musik. Neben dem bereits erwähnten Quintett soll mit der Jahresförderung auch eine neue Miniatur (Musik und Video) für das Ensemble Names, ein Trio für das Ensemble Artis, sowie ein Klavierstück inklusive transportablem Live-Elektronik-System realisiert werden.

“Das Jahresstipendium Musik ist, wie alle anderen Stipendien des Landes Salzburg, ein beidseitiger Gewinn. Die Künstlerinnen und Künstler können ihre künstlerischen Projekte realisieren. Dafür bekommt das Kulturland Salzburg erstklassige Kompositionen, die viele Generationen überdauern, präsentiert. In den vergangenen Jahren waren das Werke der Stipendiatinnen und Stipendiaten Agustin Castilla-Àvila 2013, Marco Döttlinger 2014, Reinhold Schinwald 2015 und Kilian Ofenböck alias Chili Tomasson 2016”, so Schellhorn. (rb/grs)

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