
Gelegentlich geht Formenti in selbst konzipierten Programmen an seine eigenen Grenzen, wie etwa beim steirischen herbst, als er über Tage hinweg in einer Galerie weilte und von Besuchern beim wiederholten Spiel der Werke etwa von Klaus Lang oder Morton Feldman beobachtet wurde. Oder auch bei Wien Modern, wo er unter dem Titel “Vienna, nowhere” von spätnachmittags bis zum nächsten Morgen Werken derselben Komponisten wiederholt im Getümmel der Stadt am Kunsthalle Wien Project Space am Karlsplatz zu Gehör brachte. Dabei setzt er die aus repetitiven Mustern bestehenden Kompositionen ihrer eigenen Wiederholung aus und schafft dadurch wie durch die bewusste Wahl des Ortes außerhalb des traditionellen Konzertsaals einen neuen Raum des Hörens. So auch bei Programmen unter dem Namen “the party”, bei denen sich die Hörenden in der für sie gewünschten Haltung der Musik hingeben können – sitzend, stehend oder liegend, jedoch immer mit der Konzentration auf die Musik.
Andere Programme wiederum schillern durch die Verbindung von Werken unterschiedlichster Provenienz: Kompositionen von György Kurtág werden in Verbindung zu Werken von Guillaume de Machaut gebracht, Salvatore Sciarrino begegnet Gesualdo oder tritt in Dialog mit Platons gelesenen Texten. Die Musik wird dadurch aus vielfältigen Facetten beleuchtet, wodurch das Hören möglicherweise geschärft hervorgeht. Jungen Musikstudierenden wie auch KonzertbesucherInnen versucht er Neue Musik schmackhaft zu machen – etwa bei Projekten am Konservatorium Wien Privatuniversität oder seit dieser Saison auch in Konzerteinführungen des Zyklus Nouvelles Aventures. Müßig zu schreiben, dass eine Begegnung mit Formentis Interpretationen eine wahre Bereicherung des musikalischen Treibens innerhalb wie auch außerhalb des Konzertsaales sind. (dw)
Foto: Betty Freeman