„Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir musikalisch etwas zwischen den Stühlen sitzen.“ – SKOLKA Interview

Wie bereits die beiden Alben „daunzboa“ (2015) und „Dammawos“ (2017) es eindrucksvoll gezeigt haben, ist SKOLKA eine Band, die sich nicht wirklich darum kümmert, welcher Kategorie der Popmusik sie zugeordnet wird. Womit die acht musikalischen Freigeister aus dem Weinviertel auffahren, sind Songs, die irgendwo zwischen Ska, Reggae, Polka, Indiepop und Rock hochenergetisch packen und zum ausgelassenen Abtanzen auffordern. Die Nummern der eben erschienene EP „Immer weida“ machen da keinen Unterschied. JUDITH FRANK und THOMAS RIEDER im Interview mit Michael Ternai über die positive Note ihrer Lieder, die stilistische Vielfalt ihrer Musik und darüber, warum im Weinviertler Dialekt gesungen wird.

Euer letztes Album ist aus dem Jahr 2017. Jetzt ist eure neue EP erschienen. Drei Jahre sind schon eine lange Zeit. Warum hat es so lange gedauert?

Judith Frank: Es war so, dass wir in den letzten Jahren mit dem Livespielen eigentlich gut ausgelastet waren. Wir hatten also nicht wirklich die Zeit, uns zurückzuziehen, um an neuem Material zu arbeiten. Darüber hinaus haben wir uns, als wir dann wieder mit dem Liederschreiben begannen, entschlossen, uns einmal bewusst Zeit zu lassen, ganz einfach auch, um zu sehen, wohin wir uns weiterentwickeln könnten. Wir haben dieses Mal so lange an den Liedern herumgefeilt, bis sie wirklich so geworden sind, wie wir uns sie vorgestellt haben.

Thomas Rieder: Ich glaube, das unterscheidet uns von anderen Bands, die im Zweijahresrhythmus ein Album machen und dann auf Tour gehen. Wir haben die Zeit des Livespielens und das Unterwegssein einfach so genossen, dass wir uns jetzt nicht dahin gedrängt gefühlt haben, schnellstmöglich wieder ein Album rauszubringen.

Wenn ihr jetzt auf eure Anfänge blickt, wie sehr hat sich eure Arbeitsmethode verändert?

Judith Frank: Ich denke, mit der Zeit sind unsere Arbeitsabläufe einfach klarer geworden. Wir wissen mittlerweile, dass wir nicht mehr zu acht an Liedern schreiben müssen, sondern dass das in kleineren Gruppen einfach besser funktioniert. Steht einmal das Grundgerüst eines Liedes, dann arbeiten wir dieses in der gesamten Band dann zum großen Ganzen weiter aus.

Thomas Rieder: In dieser Hinsicht ist unsere Arbeit tatsächlich professioneller geworden. Es heißt ja so schön, dass zu viele Köche den Brei verderben. Es hat sich im Laufe der Jahre ein Workflow herauskristallisiert, der uns zu zweit oder zu dritt an Songs arbeiten lässt, was auch dazu führt, dass wir dadurch einfach auch schneller zu einem Ergebnis kommen. Die Arbeit an den Feinheiten, die Entscheidung, welche Tonarten wir verwenden, oder an welchen Stellen wir noch was noch ergänzen können, das alles passiert aber schon weiterhin im Proberaum.

Es ist heute eigentlich eine Seltenheit, dass sich Bands noch in Proberäumen treffen. 

Thomas Rieder: Der Proberaum ist für uns ja nicht nur allein zum Proben da. Wir sind acht Leute. Und die außerhalb einer Tour zusammenzubringen, ist oftmals recht schwierig. Die Probe ist so gesehen auch der Ort, an dem wir uns ansprechen, austauschen und uns am Laufenden halten.

Was eure Musik ausgezeichnet, ist, dass sie sich wirklich auf sehr spannende Weise aus verschiedensten Stilen zusammensetzt. Ska, Reggae, Pop, Rock. Über die musikalischen Grenzen hinweg zu denken, scheint für euch nicht unbedingt ein Problem darzustellen.

Thomas Rieder: Ich glaube, das hat damit zu tun, dass wir acht Personen sind, die alle eigentlich aus recht unterschiedlichen Ecken kommen. Unsere Bläser kommen zum Beispiel aus der Blasmusik, Judith aus dem Pop. Bei uns bringen alle ihre eigenen Ideen ein und so haben sich die Stile in unserer Musik einfach irgendwie zusammengefügt. Wobei man dazusagen muss, dass der Mix früher ja noch viel krasser war. Mittlerweile haben wir da schon etwas zurückgeschraubt. Was wir versuchen, ist, aus diesem Mix einfach unseren eigenen SKOLKA-Sound zu formen.

Eure neue EP bildet mit ihrem optimistischen Ton einen schönen Kontrast zu der im Moment etwas mühsamen Zeit. Aber dieser optimistische Ton ist für euch nichts Neues, den hattet ihr eigentlich immer schon. 

Judith Frank: Dass wir Songs mit eher optimistischer Note machen, ist eigentlich ganz natürlich entstanden. Aber es stimmt, ich habe diesen Gedanken in letzter Zeit auch gehabt. Ich habe das Gefühl, dass unsere Musik – vor allem auch jetzt – eher in eine positive Richtung schauen möchte und man mit ihr vielleicht einmal kurz aus diesem negativen Kreislauf aussteigen und durchatmen kann.    

Thomas Rieder: Es war jetzt aber nicht die Absicht, dass wir diese Art Lieder für diese Zeit geschrieben haben. 

Ihr habt mit Otto Jaus [Pizzera & Jaus; Anm.] für einen Song eine echte heimische Musikgröße für die Zusammenarbeit gewinnen können. 

Thomas Rieder: Wir beide kennen Otto von früher. Wir hatten schon im Rahmen von anderen Produktionen mit ihm zu tun. Ich habe ihn einfach angeschrieben und gefragt, ob er nicht vielleicht Lust und Zeit hätte, mit uns einen Song aufzunehmen. Und er hat zurückgeschrieben: „Ja klar, wenn sich alles ausgeht, machen wir das gemeinsam.“ Und so ist das passiert. Darüber hinaus hat er auch angeboten, dass, wenn wir ein Video machen sollten, er natürlich auch dabei sein will. Es war alles sehr unkompliziert und wir sind ihm sehr dankbar, dass er das gemacht hat. Er war sehr locker drauf.

Judith Frank: Ich denke, das Lied ist durch ihn erst so richtig abgerundet worden. Er hat den Part übernommen, der einfach noch gefehlt hat. Der Song ist eine Art Zurückerinnern an unsere Kindheit.

„Die Entscheidung, in diese Richtung zu gehen, hat sich für mich einfach am Stimmigsten angefühlt“

Musikalisch habt ihr einen sehr internationalen Stil. War es für euch dennoch immer klar, dass ihr in der Mundart singt? 

Judith Frank: Zu Beginn, als wir zusammengefunden haben, war das noch nicht so klar. Aber es hat sich mit der Zeit herauskristallisiert, dass es am besten funktioniert, wenn ich in meiner Muttersprache, in meinem Dialekt singe, weil ich so am besten meine Gefühle transportieren kann. Zudem wollte ich auf der Bühne so authentisch wie möglich rüberkommen, was, so glaube ich, auch geschieht. Ich rede zwischen den Nummern genau so, wie ich in den Liedern singe und privat spreche. Die Entscheidung, in diese Richtung zu gehen, hat sich für mich einfach am stimmigsten angefühlt. Und wir haben auch gemerkt, dass das auch beim Publikum ankommt.

Thomas Rieder: Als wir begonnen haben, eigene Lieder zu schreiben, ist uns schon relativ schnell klar geworden, dass wir im weinviertlerischen Dialekt singen, reden und kommunizieren wollen. 

Schaut man sich nur an, wo ihr bereits viel Publikum angezogen habt, war das wohl auch die richtige Entscheidung. 

Thomas Rieder: Ja, scheint so. Wir haben gesehen, dass in Bayern viel gegangen ist und auch in Österreich. Ich glaube aber auch, dass wir auch irgendwie zur richtigen Zeit da waren. Man denke nur an Granada, Wanda oder Labrassbanda, die ja auch alle irgendwie im Dialekt singen und in den letzten Jahren große Erfolge feierten. Das hat uns in gewisser Weise geholfen.
Aber ich denke, dass auch die Musik selbst viele Leute abholt und es eigentlich gar nicht so wichtig ist, wie oder in welcher Sprache wir singen. Wir sehen das auf YouTube, wo wir Kommentare von überallher bekommen, so auf die Art: „Wir verstehen zwar kein Wort, aber wir finden die Musik super.“

„[…] für uns ist immer noch das Livespielen das Wichtigste.“

Ihr habt über die Jahre euren eigenen Stil entwickelt. Man hat nicht das Gefühl, dass ihr euch irgendwie an einem Trend orientiert. Authentizität scheint bei euch großgeschrieben zu werden.

Thomas Rieder: Ja, die wird bei uns schon großgeschrieben. Auf diesen Elektronik-Zug sind wir zum Beispiel nicht aufgesprungen. Wir sind acht Leute, von denen musikalisch jeder etwas anderes einbringt. Und das wollen wir auch für uns nutzen.  

Judith Frank: Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir musikalisch etwas zwischen den Stühlen sitzen. Wir sind nicht richtig Pop und auch nicht richtig Indie. Das wirkt sich dahingehend aus, dass die Radios schon sagen, dass unsere Musik jetzt nicht so unbedingt zu deren Formaten passt. Das ist schon eine Herausforderung. Es wäre schön, wenn uns das Radio mehr spielen würde, aber für uns ist immer noch das Livespielen das Wichtigste. Das ist das, was uns beflügelt und belebt.

SKOLKA wurde 2012 gegründet. Wie hält man eine achtköpfige Band so lange zusammen? 

Thomas Rieder: Das ist definitiv nicht einfach. Ich glaube, unser Vorteil ist, dass wir Jugendfreunde sind und uns wirklich schon sehr lange kennen. Da ist schon eine andere Verbindung da. Wir sehen alle SKOLKA nicht nur als einen Job, der professionell erledigt werden muss, sondern sind privat auch sehr gut befreundet. Wir sind eine tolle Mischung und so funktioniert es auch. Natürlich ist nicht immer alles easy, super und lustig. Wir streiten und diskutieren auch, aber unterm Strich ist jeder mit so viel Herzblut bei der Sache dabei, dass wir bislang eigentlich alle Schwierigkeiten meistern konnten.

Judith Frank: Das Wichtigste ist, dass man Dinge offen anspricht und ausdiskutiert. Und das schaffen wir eigentlich recht gut.

Wir befinden uns gerade im zweiten Lockdown. Eine Präsentation der EP findet jetzt nicht statt. Wie macht ihr jetzt bis zu der Zeit, in der es wieder möglich ist, Konzerte zu spielen? Wie sehen eure Pläne aus? 

Thomas Rieder: In erster Linie versuchen wir jetzt, einen Termin für einen Release-Gig für die EP auf die Beine zu stellen. So ein Konzert wird, wenn überhaupt, aber erst nächsten Februar möglich sein. Sonst stehen die Termine für die Konzerte im nächsten Jahr vorerst schon. Hierbei handelt es sich um Termine, die von diesem auf nächstes Jahr verschoben wurden. Man muss schauen, wie sich die Lage entwickelt und ob die Pläne überhaupt haltbar sind.

Judith Frank: Diese Unplanbarkeit macht die Dinge schon schwierig. Aber wir versuchen, positiv zu bleiben und uns darauf einzustellen, dass es einmal weitergehen wird. Schauen wir mal.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Michael Ternai

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