„Nach der Dunkelheit kommt immer das Licht“ – FAUNA im mica-Interview

Mit „Syncronia“ legt RANA FARAHANI als FAUNA ihr drittes – und vorerst letztes –Album vor. Die Produzentin und Musikerin schält sich darauf aus dem Hyperpop-Kokon und veröffentlicht eine späte Platte des Jahres, auf der man Weihrauch schwenkend vom Blauburgunder kosten darf – um den Ambient-Rausch zum Oratorium im Kirchenschiff mit einem Pop-Entwurf zu vernebeln, der zwischen Cyberpunk und Cyborg an den Pforten der Wahrnehmung kratzt. Sollten die Viren bis nächstes Jahr krepieren, stellt FAUNA das Album am 11. Februar 2021 im Rahmen des HYPERREALITY FESTIVALS vor. Über die Frage, was man im Himmel sieht, die Essenz des Alleinseins und das Interesse an der Figur der Magierin hat RANA FARAHANI vorab mit Christoph Benkeser gesprochen. 

Du hast in einem Interview 2012 gesagt, dass du Leute nach ihren Sternzeichen fragst, wenn du sie das erste Mal triffst. Beschäftigst du dich noch mit Astrologie? 

Rana Farahani: Natürlich. Das wird zwar ein bisschen belächelt, ich finde es aber interessant. Früher war das sogar ein Fach in der Schule, aber das ist verschwunden.

Du hast das in der Schule gelernt? 

Rana Farahani: Zu meiner Zeit gab es das nicht mehr, im Mittelalter und der Renaissance wurde die Astrologie, verknüpft mit Astronomie und Medizin, gelehrt. Die Stellung der Himmelskörper und ihre geometrische Beziehung zueinander, wie sie von der Erde aus gesehen werden, war wichtig. Für mich macht das immer noch Sinn.

Woher kommt das Interesse für Astrologie? 

Rana Farahani: Ich bin keine professionelle Astrologin, aber Planeten und Sterne haben mich immer beschäftigt. Damit meine ich nicht normale Tageshoroskope, die sind uninteressant, sondern astrologische Konzepte. Mit Anfang 20 habe ich als Selbstversuch meine Geburtsdaten, meine Geburtszeit eingegeben, um herauszufinden, was es über meine Persönlichkeit aussagt.

Wo hast du deine Geburtszeit eingegeben? 

Rana Farahani: Es gibt Seiten im Internet, wo man das eintragen kann, um es berechnen zu lassen. Außerdem habe ich ein großes Interesse an Zahlen. Hast du dich mal damit beschäftigt?

Im mathematischen Sinn? 

Rana Farahani: Naja, jede Zahl hat ja eine Bedeutung.

Das weiß ich gar nicht. In Bezug auf Zahlen verarbeite ich immer noch mein Schultrauma. 

Rana Farahani: Ja, ich auch – aber es geht dabei nicht um Mathematik im eigentlichen Sinn, sondern um den Wert der Zahlen, den man zum Beispiel im Hebräischen findet. Jeder Zahl kommt ein Wort, eine Bedeutung zu. Man nennt das Gematrie.

Deshalb habe ich auf deiner Instagram-Seite verschiedene Zahlen gefunden. 

Rana Farahani: Genau, dort steht der Zahlenwert von 1312. Wir assoziieren mit dieser Zahl wohl dasselbe, also ACAB. Im Hebräischen hat es aber eine andere Bedeutung – es steht für den Frieden auf Erden. Das fand ich sehr interessant, deshalb habe ich mich in den letzten zwei Jahren mit der Bedeutung dieser Zahlenwerte beschäftigt.

Welche Zahlen sind, abgesehen von 1312, besonders interessant für dich? 

Rana Farahani: Manche kommen auf dem Album und in den Titeln der Stücke vor, „Syncronia 133“ oder „144“. Auf der Internetseite gematrix.org lässt sich die wörtliche Bedeutung dieser Zahlenwerte ausrechnen – auf Jüdisch, Deutsch und Englisch. Die Bedeutung der Zahl 144 steht im Zusammenhang mit Licht.

Du hast vorhin gesagt, dass du Anfang 20 begonnen hast, dich mit Aszendenten zu beschäftigen. Was hast du über dich selbst herausgefunden?

Rana Farahani: Das ist interessant. Das Diagramm des Horoskops ist ein Kreis, in dem sich alle Häuser [auch Felder oder Sektoren genannt; Anm.] befinden. Als ausgewogener Mensch hat man in jedem Quadranten Planeten stehen. Bei mir war alles zentriert in einem Quadrant – im zehnten, elften und zwölften Haus. Die stehen mehr für das geistige Ich als für das körperliche.

Traf das zu?

Rana Farahani: Ja, weil ich mich schon immer zum Übersinnlichen hingezogen gefühlt habe. Die Beschäftigung mit der Astrologie hat mir viele Fragen beantwortet, zum Beispiel, warum ich so gerne in den Himmel schau, seitdem ich ein kleines Kind bin, also weniger hier bin, sondern vielmehr dort. 

Hast du als Kind oft in den Himmel geschaut? 

Rana Farahani: Was da oben wohl sein mag, habe ich mich schon als kleines Kind gefragt. Mehr als das Hier und Jetzt war immer die Frage präsent, was es da noch gibt.

Als Kind habe ich gerne die Wolken beobachtet, wie sie für einen kurzen Moment zu einer Gestalt verschmelzen. 

Rana Farahani: Ich sehe auch Bilder da oben. Gerade jetzt, wo alles ein bisschen stiller steht als sonst, kommt es mir vor, als würden sich mehr Leute mit diesen Dingen auseinandersetzen. Ich merke das auch in meinem Umfeld. Das Bewusstsein dafür ist offener, vielleicht weil wir alle mehr Zeit haben, uns mit solchen Fragen zu konfrontieren, was eigentlich ganz gut ist.

Die Frage nach dem Sein als Lockdown-Beschäftigung.  

Rana Farahani: Deshalb ist es zeitlich gar nicht so daneben, mein Album rauszubringen.

Da kommt aber eine sphärische, fast schon transzendentale Ebene dazu. 

Rana Farahani: Stimmt, das war die Intention hinter dem Album, das sich beim Hören wie ein Kinobesuch anfühlen soll. Mit dem Film im Kopf.

Als Hintergrundmusik geht „Syncronia“ aber nicht durch. 

Rana Farahani: Mir ist im Vergleich mit „Infernum“ aufgefallen, dass es mehr Sinn macht, das Album in einem Durchlauf zu hören. Das habe ich nicht bewusst produziert, es ist passiert.

Bei „Infernum“ hieß es noch: „Everyone hates each other, but we will see if I’ll ever make a third album“ – eine Prophezeiung.  

Rana Farahani: Leider, muss man sagen. Damals habe ich aber noch nicht verstanden, warum ich solche Texte schreibe und wo diese finsteren Gedanken herkommen. 2018 war für mich keine Zeit, die besonders düster war, aber …

Ist seitdem nicht alles beschissener geworden? 

Rana Farahani: Ich möchte optimistisch bleiben, auch wenn das manchmal schwierig ist. Wenn man sich die aktuelle Situation realistisch ansieht, müssen wir uns einsperren, weil wir einen Lockdown haben. Ich merke natürlich, dass das alle leicht depressiv macht. Aber in Wahrheit ist das ein Verzicht für wenige Wochen. Sobald es vorbei ist, geht es schnell wieder in die Richtung, wie es davor war.

Dabei war noch im ersten Lockdown von einer neuen Weltordnung die Rede. Die großen Utopien werden aber nicht eintreffen.  

Rana Farahani: Weil du die neue Weltordnung erwähnst, muss ich an Sachen denken, die ich im Internet erforscht habe – Verschwörungstheorien und so.

Beschäftigst du dich damit? 

Rana Farahani: Es ist nicht so, dass ich diese Theorien unterschreibe oder dass ich selbst Verschwörungstheoretikerin bin. Ich informiere mich, weil ich gerne Bescheid weiß, welche Verschwörungstheorien existieren und gerade zirkulieren. Davon macht kaum etwas Sinn, auch weil vieles aus einer faschistischen und antisemitischen Ecke kommt. Diese absurden und abstrusen Gedanken mit Distanz an mich heranzulassen, ist trotzdem spannend.

Was fasziniert dich daran?

Rana Farahani: Der Gedanke, dass es keine Wahrheit gibt; dass es nicht so sein muss, wie es ist; dass man die Dinge hinterfragen kann.

Beschäftigst du dich seit der Corona-Zeit mehr damit? 

Rana Farahani: Ich glaube schon. Die Tatsache, dass viele Menschen in einer ähnlichen Situation sind, hat dazu geführt, mich mehr mit solchen Themen zu beschäftigen.

Wie wirkt sich die Beschäftigung auf deine künstlerische Arbeit aus? 

Rana Farahani: Durch Corona hat sich für mich nicht viel verändert. Ich war schon immer gerne zu Hause, ging nicht so oft raus. Deshalb fällt es mir sicher leichter, soziale Kontakte zu verringern, als jemand, die sich davor jeden Abend wo anders rumtrieb.

„Alleinsein ist ein essentieller Teil meines Lebens.“

Kannst du gut mit dir alleine sein?

Rana Farahani: Ganz ehrlich: Alleinsein ist ein essentieller Teil meines Lebens. Das heißt nicht, dass ich nicht gerne mit Freunden unterwegs bin. Mich auch mal rauszunehmen, eine ganze Woche nur mit meinen Sachen zu beschäftigen, ist für mich aber wichtig. Dadurch bekomme ich die Möglichkeit, mich mit meinen Gedanken auseinanderzusetzen und sie zu reflektieren, um mich als Mensch weiter zu bringen. Dieser Prozess entwickelt sich bei mir nicht unter Menschen, da ist die Ablenkung zu groß. Ich bin zwar gern mit anderen unterwegs, aber mindestens genauso gerne für mich. Das wäre für jede und jeden wichtig, denke ich.

Allein zu sein?

Rana Farahani: Ich habe Verständnis dafür, wenn sich Menschen in der Corona-Zeit einsam fühlen. Es geht für mich aber um die Auseinandersetzung mit sich selbst, also allein zu sein mit den eigenen Gedanken. Viele Leute wollen sich diesem Prozess nicht aussetzen.

Auch weil es etwas in Gang setzt, das einen selbst hinterfragen lässt. 

Rana Farahani: Diese Fähigkeit haben wir in unserer Gesellschaft verlernt oder vergessen. Aktuell kann man es sich schwer vorstellen, aber vor dem ersten Lockdown war es oft schwierig, sich seine Zeit zu nehmen. Es hat permanent jemand angerufen, es war andauernd was los. Eine längere Zeit für sich zu sein war fast unmöglich. Die aktuelle Situation bietet sich an, das Alleinsein zu üben.

Spielten diese Gedanken in die Entscheidung hinein, dich von Social Media abzuwenden? Du bist nur noch auf Instagram, oder? 

Rana Farahani: Auf Facebook bin ich auch wieder. Ich habe vor einiger Zeit meinen Account deaktiviert, mich aber später neu angemeldet. Ganz weg zu sein von sozialen Medien ist für die eigene Psychohygiene eine Zeitlang gut, aber ab und zu habe ich das Bedürfnis zu sehen, mit welchen Dingen sich andere beschäftigen. Mittlerweile verfluche ich die Sache also nicht mehr, sofern es nicht zu viel wird.

Den Rückfall, sich doch wieder anzumelden, kennen wir alle. 

Rana Farahani: Wenn sich Leute ab und zu von sozialen Netzwerken verabschieden, um später wieder zurückzukommen, finde ich das gar nicht mehr schlimm. Alle sollen diese Medien nutzen und gestalten, so wie sie es brauchen.

Ich bin auch weggekommen von dogmatischen Entscheidungen, die nur Schwarz-Weiß-Optionen zulassen. 

Albumcover Syncronia
Albumcover “Syncronia” (c) Lukas Weidinger

Rana Farahani: Es ist ein Ansatz, der sich auf alle anderen Dinge im Leben umsetzen lässt: Nichts von Anfang an ausschließen, sondern eine Bereitschaft aufbringen zu verstehen, dass es für alles eine Berechtigung gibt. Früher habe ich Vieles dogmatisch ausgeschlossen. Inzwischen suche ich die Balance.

Wie hat sich die Einsicht für die Suche nach Balance eingestellt? 

Rana Farahani: Sieht man sich das irdische Dasein an, merkt man, dass alles außer Kontrolle gerät, sobald etwas zu sehr in eine Richtung ausschlägt. Der Planet muss im Gleichgewicht sein, um zu funktionieren. Kennst du den Film „Koyaanisqatsi“?

Ja, die Zivilisationskritik von Godfrey Reggio.

Rana Farahani: Übersetzt heißt der Begriff „Life out of Balance“. Der Film zeigt auf, wie mit der Zeit alles außer Kontrolle gerät. Die Technik dominiert zunehmend stärker und drängt die Natur zurück. Die Leistung im Namen des Fortschritts steht in der Moderne im Vordergrund, die Materialität zerstört die Spiritualität – die Welt kommt auf die schiefe Bahn, weil ein Übergewicht entsteht.

Schön, dass du diesen Film ansprichst. Mit der Musik von Philip Glass zeigt er die Thematik genau auf. Vielleicht sollte man den mal im Hauptabendprogramm senden. 

Rana Farahani: Find ich auch. Dabei ist er schon als Stream schwierig zu finden. Außerdem gibt es mehrere Teile.

Drei Teile waren es insgesamt, glaub ich.  

Rana Farahani: Es ist die wichtigste Trilogie der Zeit. Man sieht, wohin das Streben nach Mehr führt – und man wird dazu angeleitet, sich zu fragen, was nach dem Zenit passiert.

Und das, obwohl der erste Teil bereits 1982 erschien.

Rana Farahani: Der Kameramann von „Koyaanisqatsi“ hat übrigens 1985 einen Film namens „Chronos“ gedreht, in dem es um die Zeit geht und der mich angesprochen hat.

Wieso? 

Rana Farahani: Mit Zeit habe ich lange ein seelisches Problem gehabt. Ich hatte ein ungutes Gefühl, wenn ich darüber nachgedacht habe, wie viel Zeit vergangen ist oder wie viel Zeit mir noch bleibt. Das war ein ständiger Stress. In dem Film kann man dieses Gefühl gut nachvollziehen.

Die Verbundenheit der Zeit mit dem Raum und den Veränderungen, die damit einher gehen, bringt der Film auch gut rüber.

Rana Farahani: Raum und Zeit hängen stark mit dem persönlichen Gefühl zusammen. Mein Gefühl wirkt in das Empfinden im Raum und in der Zeit mit ein. Besser kann ich das gerade nicht erklären.

In den USA gibt es den Begriff „Spacing History“, der Ort, Zeit und die stattfindende Handlung in ihr als Einheit denkt.  

Rana Farahani: Ja, ich denke, dass man diese Begriffe zusammendenken muss. Allerdings könnte man die Zeit auch als eine Konstruktion bezeichnen, aber damit muss ich mich noch näher beschäftigen.

„In Syncronia steht die Liebe im Vordergrund.“

Es ist spannend, dass du das teilst. Die Ebene der Zeitlichkeit war früher nicht nur anders, sondern auch unterschiedlicher. Jeder Ort hatte eine eigene Zeit. Erst die Eisenbahn hat einheitliche Zeitrechnung verlangt. Damit kehren wir thematisch zurück zu deinem Albumtitel: „Syncronia“. 

Rana Farahani: Auf dem Album geht es um Synchronizität, genau. Meine drei Alben stehen für drei Welten, die es gibt. Der Prozess begann mit „D(r)one“ und ging in „Infernum“ über. Ich wusste, dass „Infernum“ nicht das Ziel, nicht der Abschluss sein kann, sondern dass man die Hölle, das „Infernum“ durchschreiten muss, um an einem Ort wie „Syncronia“ landen zu können. In „Syncronia“ steht deshalb die Liebe im Vordergrund. „Ahava“, das zweite Stück, steht im Hebräischen für Liebe. Nächstenliebe, in meinem Fall. Es ist ein Verständnis, dass man sich um jene Menschen kümmern soll, denen es nicht so gut geht. Gleichzeitig heißt „Ahava“ im Sanskrit „Kampf“ oder „Opferung“, also sich selbst zu opfern für jemand anderen.

Im Sinne der Nächstenliebe? 

Rana Farahani: Genau. Das ist für mich der Weg in eine bessere Welt, in der alles im Einklang steht.

Warum muss man zuerst durch die Hölle gehen, bevor man dort ankommt?  

Rana Farahani: In einer dualen Welt wie der des Planeten Erde, kann man nicht abstreiten, dass es Schattenseiten und Dunkelheit gibt. Man kann das Schöne nicht ohne dem Schlechten denken. Deshalb können wir nicht ohne Umweg eine Welt schaffen, in der alles im Einklang miteinander ist. Die Akzeptanz und das Annehmen des Anderen, des Schlechten ist wichtig. Nur wenn man das „Infernum“ durchlebt und es verarbeitet, kommt man in ein Gleichgewicht, in eine bessere Welt.

Auf „Syncronia“ heißt es zu Beginn: „This is my last album“. Bist du angekommen in dieser Welt? 

Rana Farahani: Das hängt davon ab, welche Erfahrungen ich in den nächsten Jahren mache und welche Gedanken sich daraus ergeben. Vielleicht braucht es dann „Das Vierte“ Album.

Es sei aber nicht nur dein „last album“, sondern auch in deinem „awakening process“, deiner Erweckungsphase, entstanden. Ein Beginn von etwas Neuem?

Rana Farahani: Momentan habe ich das Gefühl, dass mit drei Alben und 31 Tracks alles gesagt ist, was in meinem bisherigen Leben wichtig war.

„There is hope for the world – love each other“, heißt es auf dem Album. Um das bewusst und selbstbewusst aussprechen zu können, muss man in „Syncronia“ angekommen sein, oder? 

Rana Farahani: Diese Hoffnung, die durch diese Aufforderung entsteht, unterschreibe ich zu 100 Prozent. Egal wie dunkel und deprimierend die Zeit erscheint, ich möchte immer den Optimismus und die Hoffnung in den Vordergrund stellen, weil ich weiß, dass dunkle Phasen nicht ewig anhalten. Das Pendel schlägt irgendwann in die andere Richtung aus. Daran zu glauben, die Motivation zu behalten und Hoffnung auszusprechen, ist entscheidend.

Aber nicht leicht. 

Rana Farahani: Ja, sich an Hoffnung zu orientieren, wenn Negativität dominiert und man sich in einem Limbus wiederfindet, aus dem man keinen Ausweg erkennt, ist schwierig. Trotzdem ist es wichtig, die Hoffnung nicht aus dem Blick zu verlieren. Nach einer Phase der Dunkelheit kommt immer eine des Lichts.

„All You Need is Love“ statt „Love Will Tear Us Apart“.

Rana Farahani: Definitiv. Auch wenn es nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern viele Abstufungen gibt. Deshalb möchte ich aus der Mitte heraus agieren, immer wieder in eine Richtung ausschlagen, aber nie nur in eine Richtung gehen. Der Weg ins „Infernum“ war wichtig, aber nicht das Ende.

Sondern ein Übergang.

Das ist etwas, was meine Lieblingsfiguren, die Magierin oder Zauberin, ausmacht.

Was fasziniert dich an diesen Figuren? 

Rana Farahani: Die Magierin sagt: „As above so below“, eine Hand zeigt nach unten, die andere nach oben. Damit verbindet die Magierin beide Welten und hält die Balance, indem sie sich vom Dualismus entfernt, ohne gleichzeitig in eine Richtung zu schlagen. Das fasziniert mich an dieser Figur.

Gibt es andere Figuren, die dich interessieren? 

Rana Farahani: Ich mag auch die Närrin. Sie macht sich lustig, unterhält und bringt Humor, den man in schweren Zeiten braucht. Vor ein paar Monaten habe ich mit „Oben“ einen Track veröffentlicht, auf dem es darum geht, sich auf den Abgrund zuzubewegen, also nie nach oben in den Himmel zu kommen, weil man so viel gelogen hat. Das ist die Rolle der Närrin: Die Leute an ihre Schandtaten zu erinnern, ohne ihnen weh zu tun.

Die Magierin und Närrin, das waren eher die Abtrünnigen und Randständigen einer Gesellschaft. 

Rana Farahani: Es sind Gestalten, die oft ausschließlich mit dem Männlichen assoziiert werden. Das fand ich nie gut, deshalb habe ich diese Rollen angenommen, indem ich mich mit ihnen beschäftige.

Wir verwenden hier einfach das generische Femininum! 

Rana Farahani: Ja, das ist gut. Die Gender-Frage verarbeite ich auf „Syncronia“ mit „Utrum“ und „Neutrum“, dem Geschlechtslosen. Gleichzeitig kommt es an diesem Ort, „Syncronia“ nicht mehr darauf an, welches Geschlecht man hat. Die Frage der Differenz stellt sich nicht mehr.

Es gäbe keinen Grund mehr zur Unterscheidung, weil die konstruierte Trennung nicht mehr gedacht werden muss. 

Rana Farahani: Hier auf diesem Planeten muss man diese Differenz aber machen, sie gehört zu unserer dreidimensionalen Welt dazu – und sie bedingt Körperlichkeit. In „Syncronia“ wäre das nicht mehr der Fall. Wenn es so etwas wie ein anderes Dasein in Form eines Bewusstseins gäbe, könnte man die Körperlichkeit vielleicht gar nicht mehr erleben. Deshalb bin ich auch froh, auf dieser Welt zu sein.

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Christoph Benkeser

 

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