
Die kompositorischen Anfänge von Luna Alcalay liegen in der seriellen Kompositionsweise, von der aus sie nach Anregungen bei den Darmstädter Ferienkursen bzw. von Bruno Maderna zu ihrer eigenen Systematik fand, die sie selbst als „nonkonformistische Einstellung der Musik und der Tradition gegenüber“ beschreibt. Diese kritische Herangehensweise drückt sich etwa in ihrer Offenheit gegenüber unterschiedlichen Stilen wie etwa des Jazz aus, zudem aber vor allem auch in ihrem Einsatz für das Menschliche verbunden mit tiefer Emotionalität. So vertonte sie etwa Liebesgedichte von Selma Meerbaum oder Lyrik von Else Laska-Schüler, darüber hinaus aber auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Schriftlich Überliefertes von Jan Palach (der Widerstand gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings leistete, indem er sich selbst in Brand setzte) und mit ihm in Verbindung stehende Texte verband sie zu einer Collage für die nach ihm benannte Oper. Kritisch geht sie jedoch nicht nur mit ihrer Umwelt um, sondern auch mit sich selbst, weshalb sie eigene Werke vernichtet oder zurückzog, sobald sie nicht mehr ihren Vorstellungen entsprechen. Die Auseinandersetzung mit tragischen Thematiken in Verbindung mit Mitteln wie Multimedialität und dem Verzicht auf eine durchgehende Handlung zeugen ebenso von einer drängenden Aktualität wie das Entwickeln einer äußerst individuellen Klangsprache. (dw)