
Anhand einer genaueren Analyse der wesentlichen kulturpolitischen Arenen, Verfahren und Akteure wird die strukturelle Defensive der kulturpolitischen EntscheidungsträgerInnen deutlich. Diese sehen sich erheblichen Beharrungskräften einer Verwaltung des überkommenen kulturellen Erbes gegenüber. Und so erscheint der Kulturbetrieb als bis heute nicht in der Demokratie angekommen.
Die aktuellen politischen Entwicklungen lassen darauf schließen, dass Kulturpolitik als eigenständiges Politik-feld heute vor beträchtlichen Herausforderungen steht. Dabei geht es um schleichenden Kompetenzverlust – insbesondere der Bundeskulturpolitik – sowohl in Richtung gemeinsamer europäischer Zuständigkeiten als auch in Richtung einer wachsenden Bedeutung von Ländern und Gemeinden. Hinzu kommt ein, von wachsender sozialer Ungleichheit begleiteter demo-graphischer Wandel, der das kulturelle NutzerInnen-verhalten nachhaltig beeinflusst. Weiters führt die stetige Entwicklung der digitalen Medien zu sich gleichermaßen geänderten Produktions- und Rezeptionsverhältnissen, deren Konsequenzen für den Kunst- und Kulturbereich bis heute nicht durchdacht sind.
Konkret schlägt Wimmer vor, künftige kulturpolitische Schwerpunkte am Bedarf eines neuen Gleichgewichtes zwischen Angebots- und Nachfrageorientierung aus-zurichten. Die Konsequenz wäre eine Weiterent-wicklung des inhaltlich-programmatischen Anspruchs des Kunst- und Kulturbetriebs entlang demokratie-tauglicher Kriterien wie Toleranz, Neugierde, Mitwirkung, Integration oder Vielfalt.
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