Koglmann und Haydn – jetzt ist es heraußen!

Haydn komponierte Jazz. Diese Erkenntnis bedurfte allerdings der leitenden Hand Franz Koglmanns, der der die 27. Symphonie des Klassikers für seine Komposition “Nächtliche Spaziergänge” verwendete. Als Nocturnal Walks ist das neue Opus, gemeinsam mit einer Neueinspielung der Symphonie, jetzt bei col legno herausgekommen. Am Sonntag wird die CD in Gmunden präsentiert und Koglmanns Werk auch live aufgeführt.

CD-Einspielung auf col legnoMit großem Erfolg ist das Stück mit dem vollen Titel “Eine Gedankendämmerung nach Motiven von Joseph Haydn, mit der Originalstimme von E. M. Cioran” im Mai nach einer Voraufführung in Schönbrunn als der österreichische Beitrag zur Europäischen Kulturhauptstadt 2007 im  rumänischen Sibiu/Hermannstadt mit dem exxj ensemble xx.jahrhundert unter der Leitung von Peter Burwik sowie mit Koglmann als Solisten an Trompete/Flügelhorn uraufgeführt worden. Bei col legno ist das Stück jetzt gemeinsam mit der originalen Haydn-Symphonie in einer Aufnahme des Haydn Orchester von Bozen und Trient unter Gustav Kuhn auch auf CD erhältlich.

 

Dritter unsichtbarer “Akteur” und Mentor des musikalischen Gedankenspaziergangs ist der Philosoph  E. M. Cioran, auch das ergab sich aus dem Widmungsort Hermannstadt – Cioran wurde in der Nähe von Sibiu geboren. Franz Koglmann gelang der Spagat, echten Jazz über Haydns “Hermannstädter Symphonie” (man fand dort eine Abschrift, deshalb Hermannstädter) zu ersinnen und obendrein noch Cioran quasi als sinnierenden Spaziergänger in sein Opus zu integrieren. Zitate aus Radiointerviews mit Ciorans Originalstimme gliedern das Stück, strukturieren auch seinen emotionalen Gehalt.

 

“Ich habe alle Themen von Haydns ,Hermannstädter Symphonie’ verwendet, zum Teil in Originalgestalt, zum Teil in Variationen, anderen Harmonien und Rhythmen. Außerdem gibt es harte Montageschnitte, was auch den Sinn hat, die Ambivalenzen von Cioran zum Ausdruck zu bringen, der einerseits ein totaler Skeptiker, andererseits aber ein recht lebensfroher und keineswegs trübsinniger Mensch war,” erläuterte Franz Koglmann sein Vorgehen in einem Interview.  Neben Koglmann als Solist spielen auch Akkordeon und Vibraphon eine Rolle – “weil es dadurch vielleicht ein bissl was Ranziges kriegt” (Koglmann). Das muss relativiert
werden: Koglmanns Gedankensprünge zwischen Ciorans und seiner eigenen Melancholie und die wunderbaren, auch drolligen Haydn-Adaptionen, die den Esprit des alten Meisters zur Geltung und auch zum Swingen bringen, sind ein sehr, sehr schöner Wurf geworden (hr).

So., 26.8.: CD-Präsentation und Konzert

 

18.00 Uhr Hipphalle Gmunden, Pressegespräch und Empfang, Gesprächspartner:
Franz Koglmann, Komponist
Stefanie Schurich, Geschäftsführerin col legno
Jutta Skokan, Intendantin Salzkammergut Festwochen Gmunden
Franz von Walter, Präsident Haydn Orchester von Bozen und Trient
20.30 Uhr Konzert exxj ensemble xx.jahrhundert unter der Leitung von Peter Burwik
Im Anschluss: Abschlussfest der Salzkammergut Festwochen Gmunden